Bildung und Digitale Welt

Bildung und die digitale Welt - Gender Hinweis

Bildung und Digitale Welt werden heute zunehmend miteinander verknüpft. Dabei wird eine Begriffskombination genutzt, die uns offenbar glauben machen will, dass sich unser Leben nicht mehr im Analogen sondern im Digitalen abspielt.

Was steckt dahinter, dass vermehrt von der digitalen Welt gesprochen wird? Was soll das sein, diese digitale Welt? Welche Auswirkungen hat dies auf Deinen Sohn oder Deine Tochter? Was bedeutet dies für Dich als Mutter oder Vater? Was kommt auf Dich als Lehrer zu?

Diesen Fragen gehe ich in diesem Artikel nach.

KMK – Bildung in der digitalen Welt

Die Kultusministerkonferenz hat diese Begriffskombination bereits für sich adaptiert. Die digitale Welt ist laut Kultusministerkonferenz da. Das ist aus meiner Sicht sehr bemerkenswert.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat die Herausforderungen des digitalen Wandels in der Bildung und der damit einhergehenden Transformation angenommen und im Dezember 2016 (in der Fassung vom 07.12.2017) mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ ein Handlungskonzept für die zukünftige Entwicklung der Bildung in Deutschland vorgelegt.

https://www.kmk.org/themen/bildung-in-der-digitalen-welt/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html

Bildung – Digitale Welt für alle Altersstufen

Im Zitat ist eine PDF Datei mit dem Titel ‚Bildung in der digitalen Welt‘ verlinkt. In diesem Dokument wird die Strategie der Kultusministerkonferenz dargelegt. Ich werde mir einige Auszüge aus diesem Dokument ansehen. Dort heißt es auf Seite 11:

Da die Digitalisierung auch außerhalb der Schule alle Lebensbereiche und – in unterschiedlicher Intensität – alle Altersstufen umfasst, sollte das Lernen mit und über digitale Medien und Werkzeuge bereits in den Schulen der Primarstufe beginnen.

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 11

Die Begründung für den Einsatz von digitalen Medien (bereits in der Grundschule) ist also nicht fachlich. Es wird vielmehr damit argumentiert, dass die Digitalisierung Kinder aller Altersstufen betrifft?! Sehr interessant.

Auf Seite 14 geht es um erweiterte Chancen durch den Einsatz digitaler Medien:

Digitalisierung und verlängerter Arm der Schulen

Für Schülerinnen und Schüler, die aufgrund von länger andauernder oder häufigwiederkehrender Krankheit zeitweise oder vollständig auf Haus- oder Krankenhausunterricht angewiesen sind, bietet der Einsatz digitaler Medien die Chance, in weitreichender Weise an den Lernprozessen der eigenen Klasse o-der Lerngruppe teilhaben zu können. Auch für den Unterricht von Kindern beruf-lich Reisender ergebensich neue Perspektiven.

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 14

Oh ha. Das ist natürlich eine super Sache, dass Kinder, die krank sind, dennoch am Unterricht teilnehmen können?! Nicht nur, dass Deine Kinder nicht mehr einfach nur krank sein dürfen. Nein! Sie dürfen auch außerhalb des Unterrichts weitreichend beschult werden?!

Übergestülpte Digitale Welt

Auf Seite 23 läßt man sich über die Elternrechte und -pflichten aus:

Im außerschulischen Bereich entscheiden die Eltern darüber, ob, wie und ab welchem Alter sie ihre Kinder* zuhause im Umgang mit digitalen Medien und Werkzeugen erziehen. Es ist ein gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit des Erwerbs geeigneter „Kompetenzen in der digitalen Welt“ anzustreben, damit Eltern dies in der Schule nicht nur akzeptieren, sondern auch aktiv unterstützen, da es kein Elternrecht als Abwehrrecht gegenüber staatlichen Befugnissen wie Lehr- und Bildungsplänen gibt

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 23

Das bedeutet, dass Du als Elternteil so oder so mit digitalen Endgeräten konfrontiert wirst. Deine eventuelle Entscheidung gegen eine (zu) frühe Nutzung digitaler Medien durch Deine Tocher oder Deinen Sohn wird ausgehebelt und Du kannst nichts machen?!

Auf Seite 26ff. wird aufgeführt, was Lehrer noch zusätzlich zum Wahnsinn des Schulalltags machen sollen:

Digitale Welt und Anforderungen an Lehrer

Digitale Welt und eigene Modienkopmpetenz

– die eigene allgemeine Medienkompetenz kontinuierlich weiterzuentwickeln, d. h. sicher mit technischen Geräten, Programmen, Lern- und Arbeitsplattformen etc. umzugehen, um Vorbereitungstätigkeiten, auch in kollegialer Abstimmung, Vernetzung verschiedener Gruppen, Verwaltungsaufgaben so-wie einen reibungslosen Einsatz der digitalen Medien im Unterricht und einen sicheren Umgang mit Daten zu gewährleisten,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Welt und Lebenswelt der Schüler

– die Bedeutung von Medien und Digitalisierung in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu erkennen, um darauf aufbauend medienerzieherisch wirksame Konzepte zu entwickeln und den Erwerb von Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien didaktisch reflektiert und aufbereitet zu unterstützen,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Lernvoraussetzungen und Kommunikationsverhalten in der digitalen Welt

– angesichts veränderter individueller Lernvoraussetzungen und des Kommunikationsverhaltens in der digitalen Welt den adäquaten Einsatz digitaler Medien und Werkzeuge zu planen, durchzuführen und zu reflektieren; dieser kann sich positiv auf individualisierte, selbstgesteuerte sowie kollaborative Lernprozesse und -ergebnisse auswirken und insgesamt neue Gestaltungmöglichkeiten eröffnen,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Medien und didaktische Bildung

– die lerntheoretischen und didaktischen Möglichkeiten der digitalen Medien für die individuelle Förderung Einzelner oder von Gruppen inner- und außerhalb des Unterrichts zu nutzen,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Bildungsmedien auswählen

– aus der Vielzahl der angebotenen Bildungsmedien (gewerbliche Angebote der Verlage und Open Educational Resources/OER) anhand entsprechender Qualitätskriterien für die Einzel- oder Gruppenarbeit geeignete Materialien und Programme zu identifizieren,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Welt und Mediengestaltung

– bei den Schülerinnen und Schülern das Lernen mit und über sowie das Gestalten von Medien zu unterstützen, damit sie das wachsende Angebot kritisch reflektieren und daraus sinnvoll auswählen und es angemessen, kreativ und sozial verantwortlich nutzen können,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Lernangebote

– auf der Grundlage ihrer fachbezogenen Expertise hinsichtlich der Planung und Gestaltung von Unterricht mit anderen Lehrkräften und sonstigen schulischen und außerschulischen Expertinnen und Experten zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam Lern- und Unterstützungsangebote zu entwickeln und durchzuführen,

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Welt und Forschung

– sich mit Ergebnissen aktueller Forschung zur Bildung in der digitalen Welt auseinanderzusetzen, um damit Selbstverantwortung für den eigenen Kompetenzzuwachs zu übernehmen und für die eigene Fort- und Weiterbildung zu nutzen und

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Digitale Medien und Jugendmedienschutz

– durch ihre Kenntnisse über Urheberrecht, Datenschutz und Datensicherheit 28 sowie Jugendmedienschutz den Unterricht als einen sicheren Raum zu gestalten und die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, bewusst und überlegt mit Medien und eigenen Daten in digitalen Räumen umzugehen und sich der Folgen des eigenen Handelns bewusst zu sein

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf, Seite 26f.

Also ganz ehrlich. Wenn ich jetzt Lehrer wäre, würde ich mich direkt umorientieren. Und wenn ich studieren wollte, dann definitiv nicht Lehramt. Obwohl viele Nicht-Lehrer immer noch glauben, dass sich Lehrer einen faulen Lenz machen, würde es niemand gutheißen, wenn ihm derart in die fachliche Suppe gespuckt würde.

Ständig kommen die Bildungsministerien mit neuen Ideen und Anforderungen um die Ecke. Die Umsetzung landet bei den Schulen und damit bei den Lehrern.

Effekte auf Bildung durch digitale Welt

Ich habe bis heute nicht verstanden, warum und wie digitale Medien die Bildung in deutschen Schulen verbessern können sollen. Es ist für mich unerklärlich, wie Kinder mit einem Tablet besser rechnen lernen sollen. Es gibt dafür schlichtweg keine didaktischen oder pädagogischen Argumente.

Darüber hinaus habe ich bereits darauf hingewiesen, dass heute an Schulen Ausbildung stattfindet und kaum noch Bildung.

Es gibt offenbar reichlich Belege, dass meine Zweifel berechtigt sind:

Angesichts der überwältigenden Zahl der vorliegenden Einzelstudien zu Effekten der digitalen Medien auf das Lernen, die in den letzten drei Jahrzehnten hierzu durchgeführt worden sind, werden heute Meta-Analysen herangezogen, die auf der Grundlage statistischer Verfahren die vielen Studienergebnisse aggregieren. Mittlerweile liegen bereits Meta-Metaanalysen solcher Auswertungen vor (vgl. Tamim, Bernard, Borokhovski, Abrami, & Schmid, 2011). Sie zeigen seit der ersten Meta-Analyse des Ehepaars Kulik aus dem Jahr 1980 erstaunlich beständig − und damit ganz unabhängig von der technologischen Entwicklung − einen vergleichsweise kleinen Effekt des Einsatzes digitaler Medien auf Lernerfolge. Diese ernüchternde Feststellung lässt sich aus den vielen vorliegenden, wissenschaftlichen Studien zu den jeweils „neuen“ digitalen Medien der letzten Jahrzehnte ableiten.

http://denk-doch-mal.de/wp/michael-kerres-bildung-in-der-digitalen-welt-wir-haben-die-wahl/

Ich habe bereits an anderer Stelle im Buch Die Smartphone-Epidemie* von Manfed Spitzer erfahren dürfen, dass der Nutzen dieser Endgeräte, also der ‚digitalen Welt‘, bis jetzt nicht nachgewiesen wurde. Es handelt sich bis jetzt um Behauptungen, die leider auch von Entscheidungsträgern im Bildungsbereich verbreitet werden.

Wie damit umgehen als Mutter oder Vater?

Seit einiger Zeit läuft meine Artikelserie zu digitalen Medien. Entgegen aller himmelhochjauchzenden Einschätzungen über die Chancen, die sich mit diesen Endgeräten verbinden, rate ich dringend zur Vorsicht.

Doch was kannst Du als Mutter oder Vater noch tun? Und was mußt Du eventuell auch tun? Dazu muss Klarheit her, was diese digitale Welt eigentlich sein soll oder was damit gemeint ist.

Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen gibt darüber umfassend Aufschluß, wie ich finde.

Der Name verrät Dir, dass es um Jugendschutz geht. Tatsächlich geht es um Kinderschutz und Jugendschutz. Die Landesstelle bietet Elternveranstaltungen zu aktuellen Medienthemen an. Für Kinder bis 10 Jahre:

  • Fernsehen
  • Computerspiele
  • Smartphone

Für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren:

  • Soziale Netzwerke
  • Online-Spiele
  • Horror-, Trash TV und Online Videos

Unter diesen Oberthemen finden sich diverse Angebote, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Nutzung von Geräten befassen.

Da steckt drinn, dass Du Dich als Eltern weiterbilden sollst, um Gefahren von Deinem Sohn oder Deiner Tochter fern zu halten. Die digitale Welt ist somit keine wirkliche Welt, sondern es sind Endgeräte, die verschiedenste Anwendungen zur Bildung ermöglichen. Es ist also keineswegs so, dass der Gebrauch dieser Medien unproblematisch ist. Ansonsten wären solche Veranstaltungen wohl kaum notwendig.

Digitale Welt und Zielkonflikt?

Doch wenn Du meiner Empfehlung beispielsweise zu Tablets folgen willst, stehst Du als Mutter oder Vater vor einem Prolem:

  • Grundschulen fordern die Nutzung
  • Du verbietest Tablets bis Deine Tochter oder Dein Sohn 10 Jahre alt ist

Gerät Dein Nachwuchs dann vielleicht ins Hintertreffen aufgrund mangelnder Erfahrung mit dem Tablet?

Allgemeingültige Aussagen hierzu sind momentan schwer zu treffen. Denn die Umsetzung hängt wie oben zu erkennen vom jeweiligen Lehrer ab.

Entscheidend wird sein, ob Dein Kind ein Tablet, das ihm von der Schule zur Verfügung gestellt wird, auch zuhause nutzen muss. Eine Rolle wird auch spielen, ob eine vorherige Nutzung zuhause von der Schule, der Behörde oder dem Lehrer verlangt wird bzw. verlangt werden kann.

Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber wer weiß. Hast Du diesbezüglich Erfahrungen machen können oder müssen? Schreibe darüber in meiner Kommentarfunktion.

Fazit

Die digitale Welt ist nach meiner Erkenntnis ein Begriffspaar, um das Abstrakte des Digitalen abzumildern und es schmackhaft zu machen. Das ist mein persönlicher Eindruck.

Tatsächlich geht es um Geräte, also Hardware, und Programme, also Software. Bildung* wird ohne einen tieferen Sinn mit dem Digitalen verknüpft, und das nicht zum Vorteil von Kindern, Eltern und Lehrern.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 78 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

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