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Eltern Kind Beziehung und Mediennutzung

Eltern Kind Beziehung und Mediennutzung

Es ist schon bemerkenswert, was heute hinsichtlich Beziehung von Eltern mit ihrem Kind und dem Thema Mediennutzung in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Da ich jüngst auf einen Artikel zum Thema Mediennutzung bei der Zeit gestoßen bin, wird mir dies wieder einmal deutlich.

Obwohl der Artikel nur für Abonnenten in seiner Gänze zur Verfügung steht, nehme ich ihn zum Anlass, meinerseits einen Artikel zu veröffentlichen. Denn der Artikel stellt gleich zu Anfang folgende Frage:

Aufsichtspflicht oder Überwachung: Wie weit dürfen Eltern Kinder am Handy kontrollieren?

https://www.zeit.de/digital/internet/2021-08/mediennutzung-smartphone-tablet-eltern-kind-beziehung

Aufsichtspflicht oder Überwachung?

Der Artikel wirft also die Frage auf, inwieweit Eltern kontrollieren dürfen, was Kinder wie lange am Handy bzw. Smartphone machen. Bis wohin nehmen sie mit der Kontrolle ihre Aufsichtsplicht wahr und ab wann führen sie eine Überwachung durch?

Dazu ist zunächst einmal folgendes zu sagen. Solange Kinder kein Smartphone oder Tablet haben oder nutzen dürfen, ist diese Frage für deren Eltern ohne jede Bedeutung. Erst wenn sie aus welchen Gründen auch immer ihrem Sohn oder ihrer Tochter ein Smartphone oder auch ein Tablet geben, müssen sie ggf. die Mediennutzung kontrollieren.

Kontrolle der Mediennutzung durch Eltern notwendig?

Doch warum stellt sich diese Frage überhaupt? Ist es denn aus irgendwelchen Gründen problematisch, wenn Kinder ungebremst digitale Medien nutzen? Wer daran festhält, dass Kinder bereits ‘kleine’ Erwachsene sind, die wissen, was sie tun, und die volle Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können, der wird diese Frage mit Nein beantworten.

Der wird die Kontrolle der Mediennutzung entsprechend eher als unerlaubten Übergriff, sozusagen eine Grenzüberschreitung wie bei einem Erwachsenen bewerten. Der wird der heute längst nicht mehr populären Entscheidung von Eltern, der eigenen Tocher oder dem eigenen Sohn solche Geräte erst mit 12, 14 oder 16 Jahren zur Verfügung zu stellen, kopfschüttelnd begegnen.

Die Welt entdecken – Mit dem Smartphone?

Grundlage dieser Bewertung kann die weit verbreitete Behauptung sein, dass Smartphones (und Tablets und Notebooks) für Kinder ein Weg sein können, die Welt zu entdecken. Mit diesen Worten wird der Psychologe Georg Milzner im Artikel zitiert.

Im Ernst?

Solche Behauptungen werden nicht wahrer, nur weil sie ein Psychologe tätigt.

Wie soll ein Kleinkind mit einem Smartphone das Gesicht der eigenen Mutter ertasten und entdecken? Könnte es einem Kind gelingen, mit einem Smartphone zu begreifen, dass es nicht Teil der Mutter ist? Wie könnte es mit einem Smartphone hören, schmecken, fühlen oder riechen?

Ist ein Kind mit einem Smartphone in der Lage, laufen oder sprechen zu lernen? Wie könnte es mit einem Smartphone erfahren, dass wir uns im 3-dimensionalen Raum bewegen?

Wie könnte es mit einem Smartphone heraus bekommen, wie eine Tomate oder ein Eis schmeckt?

Digitale Welt vs Welt

Die Digitale Welt ist eine Mär. Denn egal, was wir am Smartphone oder Notebook oder PC zu sehen bekommen, ist immer 2-dimensional. Das Digitale ist nichts weiter als eine Ansammlung von Null und Eins mit der faszinierenden Suggestion von 3D Welten, wenn wir ein modernes Computer- oder Onlinespiel spielen.

Aufsichtspflicht bei Mediennutzung im Internet

Das ZDF macht es vor. Altersgeschützte Inhalte sind erst ab 22 Uhr Uhrzeit abrufbar, wenn sie erst ab einem gewissen Alter ohne Bedenken konsumiert werden sollten. Nur mit einem qualifizierten Nachweis der Volljährigkeit mithilfe des Personalausweises ist früherer Zugang zu diesen Inhalten möglich.

Doch warum machen die das?

Weil sie als öffentlich-rechtlicher Sender dazu verpflichtet sind, die Kindheit als Schutzraum aufrecht zu erhalten. Und weil die Inhalte der Mediathek inzwischen auch online, ohne herkömmlichen Fernseher, abrufbar sind.

Es ist für Eltern keine Frage des Dürfens, die Mediennutzung ihrer Kinder zu kontrollieren; zumindest dann nicht, wenn sie ihre Pflichten als Eltern wahrnehmen wollen. Mal davon abgesehen, dass Medien Kleinkindern und Kindern bei ihrer Entwicklung nicht helfen können (siehe oben), sollten Kinder weder berieselt werden noch Inhalte zu Gesicht bekommen, die selbst Erwachsene oft nicht einzuordnen vermögen; und hier spreche ich nicht nur von sogenannten Fake-News.

Soziale Netzwerke sind aus bestimmten Gründen frühstens ab dem 13. Lebensjahr für Kinder erlaubt. Doch weder Facebook noch WhatsApp, Youtube oder TikTok setzen einen Alterskontrolle um wie das ZDF.

Dieser Umstand sollte inzwischen jedem bekannt sein; auch dem zitierten Psychologen.

In diesem Zusammenhang Überwachung als mögliche Variante der Kontrolle ins Spiel zu bringen, macht diejenigen Eltern, die vornehmlich ihre Pflichten als Erziehungsberechtige wahrnehmen, mehr oder weniger zu Personen, die die Rechte der ‘kleinen’ Erwachsenen einreißen.

Das ist gelinde gesagt unverfroren.

Zeitlimits als hilflose Versuche in der Eltern Kind Beziehung

Weiterhin wird der Psychologe mit der Behauptung zitiert, Zeitlimits sein in der Eltern Kind Beziehung hilflose Versuche. Versuche wozu?

Hilflosigkeit ist ein Gefühl, welches sich bei Eltern einstellen kann und wird. Denn der Druck, Kinder so früh wie möglich an digitale Medien heranzuführen, ist heute unfassbar groß. Diejenigen, die vor dem frühen Gebrauch warnen, werden als ewig Gestrige abgekanzelt. Und wer möchte schon ein ewig Gestriger sein? Solche Abwertungen verfehlen nicht ihre Wirkung, denn die Anzahl derjenigen, die das Gut Kindheit im Auge haben, werden weniger.

Auch Eltern wollen selbstverständlich nicht, dass ihre Kinder Gestrige bleiben und die moderne Entwicklung sie abhängt. Gleichzeitig möchten sie, dass ihre Kinder als Erwachsene ihr Leben aktiv gestalten können. Der notwendige Spagat kann bedeuten, wider der eigenen Einschätzung Smartphone oder Tablet zu kaufen und dann die Mediennutzung zu kontrollieren.

Das ist legitim und aufwendig! Doch was ist mit diesen angeblich hilflosen Versuchen?

Mediale Interessen und die Eltern Kind Beziehung

Hilflos bleiben die Versuche der Kontrolle, wenn Eltern sich nicht ausreichend auskennen und/oder sich nicht genügend Zeit nehmen (können oder wollen). Denn das ist, was zusätzlich von Eltern verlangt wird. Sie sollen sich mit den medialen Interessen ihrer Kinder beschäftigen.

Doch es geht nicht immer nur um ein Spiel oder um eine spezielle Anwendung. Es geht vornehmlich um die Bewertung der Alterseignung. Wenn Eltern den Zugriff auf Youtube ihren Kindern erlauben, die jünger als 13 Jahre alt sind, dann haben sie mindestens ein mentales Problem. Dies gilt für sämtliche sogenannten sozialen Netzwerke oder Plattformen sowie für Spiele Plattformen oder Online Spiele. Es gilt letztendlich allgemein für den Zugang zum Internet. Und natürlich gilt dies auch für Computer Spiele.

Im Internet gibt es kaum eine Kontrolle; auch weil sofort die Freiheit im Internet gefährdet sein soll, wenn man den Zugang zu bestimmten Inhalten im Internet begrenzt. Die Anbieter werden wenig bis gar nicht in die Pflicht genommen; die Eltern schon.

Eigentlich ist dies Aufgabe der Gesellschaft. Hat man den Schutz der Kindheit sozusagen verbrieft, ergibt sich daraus eine Bringschuld, der die Gesellschaft schon längst nicht mehr nachkommt.

Auf die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern wird sich dies kaum positiv auswirken. Denn handlungsunsichere Eltern können kaum sichere Beziehungen bieten.

Mediennutzung und die Auswirkungen auf die Eltern Kind Beziehung

Eltern werden mit ihren Sorgen und ihrer Fürsorgepflicht allein gelassen. Zusätzlich gibt es immer wieder Personen, die dem Postulat, Eltern müssen sich für digitale Medien und die medialen Interessen ihrer Kinder begeistern, Vorschub leisten.

Das Systemversagen im Hinblick auf Kinder- und Jugendschutz wird ständig unter den Teppich gekehrt bzw. es wird davon abgelenkt.

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