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Erziehung - Läuft was falsch

Erziehung ist im Wandel; und das nicht erst seit gestern. Und natürlich läuft etwas falsch in der Erziehung.

Dafür gibt es diverse Faktoren.

Bis auf den ersten ergibt sich jeder Faktor aus seinem Vorgänger.

Faktoren der Erziehung

Kinder sind planbar

Seit 1961 die Antibabypille auf den Markt kam, kommen Kinder nicht mehr einfach nur auf unsere Welt oder besser gesagt werden nicht einfach nur gezeugt und geboren.

Männer und Frauen können Kinder planen. Präziser formuliert können Männer und Frauen entscheiden, wann sie Nachwuchs bekommen.

Kinderlos

Doch die Einführung der Antibabypille* macht noch etwas anderes möglich, neben einiger anderer Verhütungsmittel. Paare können kinderlos bleiben, wenn sie dies möchten. Sie können entscheiden, ob sie Kinder bekommen möchten oder nicht.

Kinder sind eine Projektionsfläche

Heute sind Kinder mehr als nur Kinder. Gut, auch früher schon wollten Eltern, dass es den Kindern einmal besser geht. Wahrscheinlich wurden Kinder auch früher bzgl. ihres beruflichen Werdegangs unter Druck gesetzt.

Doch Kinder sind heute oft der Fixstern im Leben der Eltern. Kinder sind nicht einfach nur da und die Freude darüber ist gross.

Kinder sind heute oft ein Förder-Projekt, welches es optimal zu supporten gilt. Dass Eltern grundsätzlich nicht alles richtig machen können, gerät dabei in den Hintergrund.

Kinder sind mehr Status als Kinder. Sie sind oft nicht auf der Welt, weil sie geboren wurden, sondern weil sie Aufgaben zu erfüllen haben. Diese ihnen übertragenen Aufgaben entsprechen nur selten dem, was gut für sie wäre.

Kinder sind unsere Zukunft

Kinder sind die Zukunft der Gesellschaft. Das können wir doch bereits mitsingen, dieses Mantra.

Es führt auf der einen Seite dazu, dass sich der Druck auf Eltern erhöht. Leider wird dieser Druck an Kinder weiter gegeben, was eigentlich nicht sein sollte.

Auf der anderen Seite kann es passieren, dass Eltern glauben, sie haben genug getan. Sie haben ja schließlich ein oder mehrere Kinder auf die Welt gebracht und damit die Zukunft gesichert.

Kinder sind eine Zielgruppe

Kinder sind also wichtig. Lernplattformen, Nachhilfeplattformen und Erziehungsratgeber sind vermeintlich auf Kinder und ihre Bedürfnisse ausgerichtet.

Kinder verfügen über mehr ‚Einkommen‘ und sind somit eine Zielgruppe.
Es scheint eindeutig, dass Kinder mit digitalen Medien ausgerüstet sein müssen; Spielkonsole, Tablet und Smartphone.

Die Kosten für all das tragen die Eltern, wenn sie dies können.

Kinder sind Erwachsene

Kinder sind wichtig und damit haben sie auch mehr mit zu entscheiden. Kinder sind längst keine Kinder mehr, sondern kleine Erwachsene.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn Erwachsene würden Kinder nicht ständig wie ein rohes Ei behandeln, wenn diese erwachsen wären. Das Projekt Kind ist fragil. Frühzeitiger Schaden muss vermieden werden.

Kindheit ade

Kindheit war erst gute 100 Jahre alt. Und nun ist sie mehr oder weniger verschwunden. Wenn Kinder Erwachsene sind, sind sie keine Kinder mehr.

Kindheit als Schonraum, als ein ‚Ort‘ der Ruhe, in dem junge Menschen ihre Entwicklungsschritte* machen können, ist quasi weg.

Kinder- und Jugendschutz ade

Die Folge ist, dass Kinderschutz und Jugendschutz ausgehebelt sind.

Kinder bekommen heute Dinge zu sehen, die für sie nicht gedacht und nicht geeignet sind.

Aber sie sind ja schließlich kleine Erwachsene!

Erziehung im Wandel

Es wird wohl deutlich, dass sich die Ausrichtung von Erziehung in den letzten 10 Jahren nachhaltig verändert hat.

Erziehungsstile* fassen Handlungsweisen zusammen, die im Laufe der Zeit im Erziehungsverhalten zu beobachten waren. Neuester Trend scheint zu sein, Kinder nicht zu erziehen.

Es gibt diverse Autoren, die sich diesen Veränderungen annehmen und sie auf ihre spezielle Weise problematisieren.

Erziehung und Autoren (Auszug)

  • Jesper Juul* drängt in seinen Büchern auf klare Eltern, die auch Nein sagen.
  • Katharina Saalfrank* empfiehlt, ohne Strafen weniger zu erziehen als mehr Beziehung zu Kindern herzustellen.
  • Michael Winterhoff* ist Kinder- und Jugendpsychiater und nimmt seine Erfahrungen aus der Praxis zum Anlass, den Umgang mit Kindern zu hinterfragen.
  • Nicola Schmidt* rät Eltern, ihren Kindern eigene Erfahrungen zu ermöglichen und mit Kindern nicht zu schimpfen.

Erziehungsratgeber mit unterschiedlicher Ausrichtung

Wer das ein oder andere Buch der AutorInnen bereits lesen konnte, wird eines feststellen.

Der Fokus der Autoren unterscheidet sich. Doch eines bleibt immer erkennbar.

Kinder sind wichtig; entweder weil sie eigene Lebewesen sind oder weil sie unsere Zukunft sind. Fehler müssen vermieden werden. Eltern benötigen Unterstützung bei der Erziehung. Ohne Ratschläge und Tipps geht es nicht.

Erziehungskompetenz – Gesunder Menschenverstand

Wo ist er hin, der gesunde Menschenverstand, der erziehende Männer und Frauen einst gelenkt hat?

Erziehungsratgeber* werden nicht nur unzählig geschrieben, sondern sie werden scheinbar auch gekauft und gelesen; ein recht klares Indiz dafür, dass Eltern verunsichert sind.

Fragen über Fragen, die beantwortet werden wollen oder zumindest beantwortet werden, obwohl sie vielleicht nie gestellt wurden (Auszug):

  • Darf ich mein Kind anschreien?
  • Darf ich NEIN sagen?
  • Ist es verwerflich, wenn ich mit meinem Kind schimpfe?
  • Ab wann sollte mein Kind eine Spielkonsole, einen Fernseher, ein Tablet, ein Notebook oder ein Smartphone sein Eigen nennen dürfen?
  • Wann sollte mein Kind im Bett sein?
  • Wie fördere ich mein Kind richtig?
  • Wieviel Förderung braucht mein Kind?
  • Ab wann sollten Kinder Messer und Gabel in die Hand nehmen dürfen?
  • Ist ein Klaps auf den Po meines Kindes Häusliche Gewalt?

Sämtliche Fragen sind mit dem gesunden Menschenverstand zu beantworten. Und doch erlauben sich Eltern immer seltener, sich selbst zu befragen. Die Angst, etwas falsch zu machen, dem eigenen Kind schaden zuzufügen, ist offenbar bei vielen Eltern groß.

Fazit

Es ist keine Frage, dass Kinder in den ersten Lebensjahren Fürsorge im Sinne von Versorgung und körperlicher Nähe benötigen.

Doch ab ca. dem 2. Lebensjahr beginnt der Abnabelungsprozess. Dann beginnen Kinder, die Welt zu entdecken. Dabei sind sie selbstverständlich auch Gefahren ausgesetzt.

Scheinbar fällt es Eltern heute schwer, einen Mittelweg zu finden und altersgemäß mit Kindern umzugehen.

Darum wird es bei Aufklärung tut Not hinsichtlich Erziehung gehen.

Post Author: Michael Ueberschaer

Diplom Sozialpädagoge (Uni)
Gewaltberater (GHM)
Gewaltpädagoge (GHM)

Erfahrungen in der Begleitung von Jugendlichen, psychisch erkrankten Menschen, der Beratung von Tätern und Täterinnen, der Einzelberatung und in der Paarberatung.
Unsere Beziehungsgestaltung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen beeinflußt unsere Lebensqualität.

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