Erziehungsratgeber – Ein Informationsdschungel

Erziehungsratgeber* wollen Ratgeber für Eltern sein. Doch die Gefahr ist groß, dass Ratgeber mehr Verwirrung stiften als für Klarheit zu sorgen. Wenn Du Mutter oder Vater bist, wirst Du die unterschiedlichsten Ratgeber mit unterschiedlichsten Botschaften finden. Diese alle zu lesen, ist meines Erachtens keine gute Idee.

In diesem Artikel möchte ich den Informationsdschungel ein wenig lichten bzw. Erziehungsratgeber sortieren. Dabei unterscheide ich Erziehungsratgeber nach der proklamierten Erziehungsmethode und zum anderen nach der Zielsetzung.

Die Schwierigkeit beim Thema Erziehung ist zum einen, dass sich gesellschaftlich im Hinblick auf Kinder vieles verändert hat. Weitere Schwierigkeiten sind, dass:

  • das Internet Informationen zur Erziehung ungeprüft zur Verfügung stellt
  • jeder seinen ‚Senf‘ in einem Blog verbreiten kann
  • das Veröffentlichen von Büchern heute jedem gelingen kann

Erziehungsratgeber und die Motivation der Autoren

Selbstverständlich möchten Autoren mit ihren Büchern Einkommen erzielen. Das ist nicht verwerflich. Autoren sind entweder beruflich und/oder privat mit dem Thema Erziehung befasst. Von einem Autor, der einen Erziehungsratgeber veröffentlicht, erwarte ich allerdings, dass er eine einschlägige Ausbildung vorzuweisen hat.

Autoren von Erziehungsratgebern haben eine persönliche Motivation, ihre Ratgeber zu schreiben. Das liegt auf der Hand.

Dabei kommt es teilweise zu Überschneidungen, leider eben auch zu widersprüchlichen Ratschlägen oder Informationen. Je mehr unterschiedliche Autoren Du als Mutter oder Vater liest, desto größer ist die Gefahr, dass Dich Erziehungsratgeber verwirren.

Ratschläge und Umsetzbarkeit

Erziehungsratgeber sind keine reinen Informationsgeber. Mit einem Erziehungsratgeber wird verbunden, dass er konkrete Ratschläge für den Alltag präsentiert.
Mit Ratschlägen anderer ist es so eine Sache. Denn die Umsetzung setzt voraus, dass wir die Kompetenzen haben, die einzelnen Ratschläge umzusetzen, und unsere Persönlichkeit diesen Ratschlägen entspricht. Die Folgen des Lesens eines Ratgebers kann sein, dass Du als Ratnehmer zusätzlich unter Druck gerätst und in den Widerstand gehst. Es ist also grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dass Du einen Ratgeber nicht als hilfreich empfindest.

Erziehungsratgeber und ihre Ausrichtung

Grundsätzlich gibt es folgende Ausrichtungen bei Erziehungsratgebern; nämlich das Wohl:

  • der Gesellschaft
  • des Kindes/der Kinder*
  • der Eltern

Wohl der Gesellschaft

Diese Ausrichtung ist höchstproblematisch, weil die deutsche Gesellschaft eine sehr fragwürdige Leistungsgesellschaft geworden ist.

Wohl des Kindes

Eine Ausrichtung von Erziehungsratgebern auf das Wohl des Kindes ist leider nicht automatisch eine für die Kinder gute Ausrichtung. Denn was für Kinder heute wichtig ist, damit sie sich wohl fühlen, ist umstritten.

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Wohl der Eltern

Aus meiner Sicht sollte ein Erziehungsratgeber nicht nur die Kinder, sondern auch, mindestens gleichberechtigt, das Wohl der Eltern im Blick haben.

Wohl der Mutter

Da Mütter meistens den fürsorgenden Part innehaben, sollten Erziehungsratgeber dahingehend raten, wie Mütter aus der Rolle der Fürsorgerin rechtzeitig heraus treten und erzieherisch agieren können. Dabei sollte zwischen Töchtern und Söhnen differenziert werden.

Wohl des Vaters

Väter halten sich entweder aus der Erziehung (fast) komplett raus oder übernehmen (meistens) den reglementierenden Part in der Erziehung*. Ratgeber sollten Vätern Rat dahingehend bieten, wie sie Beziehung mit ihren Kindern, vornehmlich ihren Söhnen, herstellen.

Andererseits ist die Erziehung von Kindern in vielen Familien noch vornehmlich Aufgabe der Mutter.
Doch das ist kein Thema für einen Erziehungsratgeber.

Erziehungsratgeber und ihr Fokus

Erziehungsratgeber mit Methode

Beziehung statt Erziehung

Es ist schon bemerkenswert, dass in einem Erziehungsratgeber Beziehung* und Erziehung voneinander abgegrenzt werden. ich bin mir nicht sicher, dass sich Beziehung und Erziehung grundsätzlich trennen lassen. Dazu werde ich höchstwahrscheinlich mindestens einen Artikel veröffentlichen.

Nein sagen in der Erziehung

Nein zu sagen, also eigene Grenzen zu setzen, ist heute schwieriger denn je. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass wir zunehmend beobachten müssen, dass sich ‚wichtige‘ Personen in der Gesellschaft ohne Konsequenzen über die Grenzen anderer hinweg setzen dürfen. Dies führt zu Ohnmacht und Ohnmacht führt zu einer Handlungsunfähigkeit oder -bereitschaft. Das Setzen der eigenen Grenzen geht allerdings nur per Handlung.

Erziehung ohne Schimpfen

Da ich mir nicht sicher bin, was Schimpfen konkret bedeutet, bemühe ich den Duden. Dieser kennt 4 verschiedene Bedeutungen:

1.

seinem Unwillen, Ärger mit heftigen Worten [unbeherrscht] Ausdruck geben

https://www.duden.de/rechtschreibung/schimpfen

Ja, diese Handlung habe ich mit Schimpfen auch verbunden. Allerdings kann ich nicht sagen, dass das Dir als Mutter oder Vater nicht zugestanden werden kann. Wenn Ärger das grundlegende Gefühl ist, Du also nicht ein anderes Gefühl merken solltest, dann ist Schimpfen als Beziehungsverhalten unschädlich für Dein Kind.

2.

jemanden schimpfend zurechtweisen, ausschimpfen

https://www.duden.de/rechtschreibung/schimpfen

Auch eine Zurechtweisung kann in bestimmten Situationen durchaus geboten sein; zum Beispiel im Straßenverkehr bei bewußt gefährlichem Verhalten Deines Sohnes oder Deiner Tochter; natürlich nur bei einem entsprechenden Alter.

3.

jemanden herabsetzend, beleidigend als etwas bezeichnen

https://www.duden.de/rechtschreibung/schimpfen

Ein solches Handeln ist kein Schimpfen, sondern eine Abwertung. Dieses Handeln ist weder für Dein Beziehungsverhalten noch Dein Erziehungsverhalten angemessen.

4.

etwas Bestimmtes zu sein vorgeben, sich als etwas nennen, bezeichnen

https://www.duden.de/rechtschreibung/schimpfen*

Diese Bedeutung passt nicht in den Kontext Erziehung.

Grenzen setzen

Wer hat nicht bereits gehört, dass das Setzen von Grenzen wichtig ist. Unklar bleibt allerdings in Erziehungsratgebern oft, was damit konkret gemeint ist. Welche Grenzen gesetzt werden sollen, sollte ein Erziehungsratgeber klar und deutlich beantworten. Doch genau das bleibt oft aus. Gehört dazu auch, Nein zu sagen?

Zum Thema Grenzen setzen werde ich sicher den ein oder anderen Artikel veröffentlichen, denn dabei handelt es sich um einen wesentlichen Aspekt von Erziehug bzw. Erziehungsverhalten.

Keine Strafen

Ja ja, mit den Strafen oder dem Bestrafen ist das so eine Sache. Es hieß einmal, dass eine Strafe im Kontext der jeweiligen Situation zu finden sein bzw. zum jeweiligen Handeln passen muss.

Konsequenz muss sein

Eine Konsequenz ist die moderne Form der Strafe. Dabei soll Dein Kind sich bei mindestens 2 Handlungsoptionen entscheiden können. Im Gegensatz zur Strafe, die eher abstrakt daher kommt, erwächst die Konsequenz aus der Entscheidung einer Handlungsoption, die Du Deiner Tochter oder Deinem Sohn eröffnest.

Welche Erziehungsmethoden sagen Dir am meisten zu? (max. 3 Methoden auswählbar)

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Erziehungsratgeber mit Zielen

Glückliche und entspannte Jungs

Die Ausrichtung auf Jungen in einem Erziehungsratgeber ist etwas besonderes. Denn vielen ist nicht klar, dass Jungen besondere Herausforderungen zu meistern haben. Relativ sicher wird es dazu von mir einen Artikel geben.

Beziehungs- und arbeitsfähige Menschen

Beziehungsfähig zu sein ist eine wichtige Kompetenz für die eigene Lebensgestaltung. Mit den arbeitsfähigen Menschen kann ich mich dagegen nicht ohne weiteres anfreuden. Denn insbesondere für abhängig Beschäftigte kann das (im wesentlichen bedeuten), sich kritiklos anpassen zu sollen.

Grossartige Erwachsene

Bei dieser Ausrichtung geht es um eine Zielausrichtung, die etwas dehnbar erscheint. Für mich ist es schwierig, mir unter grossartigen Erwachsenen jemanden vorzustellen. Das Ziel ist in die Zukunft der Kinder gerichtet. Damit wird wie bei der vorherigen Ausrichtung indirekt die These aufgestellt, dass anhand von Erziehung ein planbares Ergebnis zu erreichen ist. Ich bin diesbezüglich nicht nur skeptisch, sondern auch vorsichtig.

Verfolgst Du mit Deiner Erziehung ein Ziel? (max. 3 Optionen wählbar)

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Fazit

Dies waren einige Schlagworte im Zusammenhang mit Erziehungsratgebern. Die Ausrichtung der Ratgeber ist nicht nur sehr unterschiedlich, sondern zumindest mit Vorsicht zu betrachten.

Auffällig ist, dass das Wohl der Eltern bei Erziehungsratgebern im allgemeinen nicht in den Blick genommen wird. Das ist bedauerlich, denn Druck ist meines Erachtens bereits genug im Kessel.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich blogge zu den Themen Beziehung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Häusliche Gewalt und Kommunikation. Bis jetzt habe ich 55 Artikel veröffentlicht, wobei Häusliche Gewalt noch im Vordergrund steht. Zu den Themen Beziehung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Häusliche Gewalt und Kommunikation findest Du bereits Leitsartikel im oberen Menü.  

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