Gesundheit und Gefühle

Gesundheit ist eine wichtige Säule, die uns tragen, aber eben auch brüchig werden kann. Die Auswirkungen auf unsere Lebenssituation können enorm sein.

Doch was haben Gefühle mit unserer Gesundheit zu tun? Oder anders gefragt:

Beeinträchtigen Gefühle unsere Gesundheit?

Diese Frage versuche ich zu beantworten. Dazu gehe ich zunächst darauf ein, warum sich bei uns Gefühle einstellen. Anschließend fasse ich zunächst offensichtliche Techniken zum Beseitigen von Gefühlen zusammen. Danach erkläre ich, was mit verborgenen Techniken gemeint ist.

Phänomene erzeugen Gefühle

Gefühle stellen sich ein, wenn wir mit Phänomenen konfrontiert werden. Wenn es plötzlich zu regnen anfängt, sind wir überrascht oder erstaunt. Das setzt natürlich vorraus, dass wir mit Regen nicht gerechnet haben. Können wir aus bestimmten Gründen Regen gerade nicht gebrauchen, sind wir vielleicht enttäuscht.

Es ist uns allen klar, dass wir einen Regenschauer oder ein Gewitter nicht verhindern können. Die daraus resultierende Ohnmacht nehmen wir also an und spannen einen Regenschirm auf, stellen uns unter, bringen uns auf andere Weise in Sicherheit.

Je gravierender die Folgen von Natur-Phänomenen sind desto stärker ist unsere Ohnmacht.

Mitmenschen erzeugen Phänomene

Ganz anders ist es bei Gefühlen, die direkt oder indirekt von unseren Mitmenschen erzeugt werden. Mitmenschen erzeugen bei uns durch ihr Verhalten oder aufgrund ihrer Aussagen angenehme sowie unangenehme Gefühle.

Gefühle beseitigen

Wir neigen dazu, Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ratlosigkeit, Verzweiflung, Enttäuschung und andere unangenehme Gefühle aktiv zu beseitigen. Die Gründe hierfür habe ich im Artikel zur Häuslichen Gewalt und Gefühlen erläutert.

Auch wenn wir nicht zur extremsten Variante neigen, nämlich Gewaltverhalten, verfügen wir doch über einige Techniken, Mittel und Wege, Gefühle zu beseitigen.

Offensichtliche Techniken

Die folgenden Techniken wirken sich direkt auf Deine Gesundheit* aus, wenn Du sie dazu auserkoren hast, unangenehme Gefühle zu beseitigen.

Gesundheit und Drogen

Der regelmäßige Konsum von Drogen wird für die Beseitigung unterschiedlichster Gefühle genutzt. Einige Drogen führen lediglich zu einer Entspannung, während andere Müdigkeit beseitigen oder angenehme Gefühle erzeugen. Die Folge des Konsums ist in den meisten Fällen eine starke Abhängigkeit.

Gesundheit und Alkohol

Gesundheit und Alkohol

Der Konsum von Alkohol ist nach wie vor ein anerkannter Weg, unangenehme Gefühle zu beseitiegen, Entspannung und Gelasssenheit zu erzeugen. Ein überhöhter Konsum kann bekannter Maßen in den Alkoholismus münden, mit einer großen Abhängigkeit und Folgen für diverse Organe.

Gesundheit und Tabletten

Tabletten werden bei Kopfschmerzen, Schlaf- und Durchschlafstörungen, Ermattung und anderen Symptomen des Körpers eingenommen. Auch hier ist die Gefahr einer Abhängigkeit nicht zu unterschätzen.

Gesundheit und Rauchen

Nikotin ist ein Nervengift, sodass Rauchen direkt im Gehirn wirkt. Raucher nutzen eine Zigarette, Zigarre oder Pfeife, um sich zu entspannen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind hinlänglich bekannt.

Gesundheit und Ernährung

Gesundheit und Ernährung

Unsere Ernährung sollte eingentlich dazu dienen, den Körper zu ernähren. Das bedeutet, ihm die Nährstoffe zuzuführen, die er benötigt.

Bei der Ernährung wird es insofern schwierig als sich die Auffassungen zu bestimmten Nachrungsmitteln schnell ändern können.

Unstrittig ist inwischen unter anderem, das Zucker, der sich fast in allen industriell hergestellen Nahrungsmitteln befindet, nicht gesund ist. Auch die Aufnahme von zu viel Fett gilt logischer Weise als problematisch. Überhöhter Coffein-Konsum mit Tee oder Kaffee ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Dennoch nehmen viele Mitmenschen das ein oder andere zuviel zu sich, um die eigene Befindlichkeit zu verbessern.

Ziel ist dabei oft, unangenehme Gefühle wie zum Beispiel Einsamkeit oder Mutlosigkeit beiseite zu schieben, sodass sie nicht mehr merkbar sind.

Gesundheit und Sport

Gesundheit und Sport

Grundsätzlich soll Sport unserer Gesundheit zuträglich sein. Doch der Schein trügt. Denn auf der einen Seite gibt es viele Sportarten, bei denen das Risiko, sich zu verletzten oder später gesundheitliche Probleme zu bekommen, alles andere als unerheblich ist.

Wer lange und intensiv Fußball spielt, setzt sich der Gefahr von Knieverletzungen oder Spätfolgen an den Kniegelenken aus. Der Tennissport ist aufgrund der möglichen Folgen für Arme und Rücken während alpiner Skisport für seine Knieverletzungen und Bruchverletzungen bekannt ist. Jede Sportart birgt ein mehr oder weniger großes Verletzungsrisiko in sich. Selbst beim Wandern kann eine übersehene Wurzel zu Verletzungen führen.

Auf der anderen Seite ist abhängig von der eigenen Fitness und anderen Faktoren nur ein konkretes Maß an sportlicher Betätigung sinnvoll. In unserer Leistungsgesellschaft ist der Glaube weit verbreitet, dass viel auch viel hilft. Dem ist nicht so.

Problematisch ist auch, dass der ein oder andere in gewissen Sportarten der eigenen Leistungsfähigkeit mit Präparaten auf die Sprünge helfen will.

Und zu guter Letzt setzen Mitmenschen den Sport auch dazu ein, um Anspannungen oder ’störende‘ Gefühle zu beseitigen.

Verborgene Techniken

Gesundheit und Ärger produzieren

Ärgerlich zu sein und sich ärgerlich zu zeigen ist eine vornehmlich männliche Technik, um andere, hauptsächlich unangenehme Gefühle zu beseitigen.

Ein Beispiel:

Du bist mit dem PKW auf einer Dir hinlänglich bekannten Hauptstraße unterwegs, hast Dein Radio an und hörst einen Deiner Lieblingstitel relativ laut und freust Dich Deines Lebens (hoffentlich).

Nach einer gewissen Zeit näherst Du Dich einer Seitenstraße auf der rechten Seite. Aus dieser schießt ein PKW an den Rand der Hauptstraße und bremst erst als seine Front bereits einen halben Meter in Deinen Fahrbereich ragt. Du mußt ausweichen, also ein wenig um den anderen PKW herumfahren. Während Du dies machst, nimmst Du den anderen Fahrer ins Visier und fluchst aufgebracht: „Mann, Du Idiot!“

Mindestens 3 Gefühle könnten sich bei Dir einstellen:

  • Angst
  • Erschrockenheit
  • Überraschung

Doch Du produzierst Ärger und fluchst, beseitigst diese Gefühle aktiv, sodass Du sie nicht merkst.

Wenn Du diese Technik als Mann oder als Frau schon lange anwendest, hast Du sie in all den Jahren bereits derart perfektioniert, dass Du andere Gefühle schlimmstenfalls nicht mehr mitbekommst.

Sämtliche 3 von mir benannten Gefühle würden allerdings zu dieser Situation passen.

Gesundheit und Interpretieren

Die Interpretation ist eine durchaus bekannte Technik, mit der Personen versuchen, dass Handeln oder Aussagen von Mitmenschen zu verstehen.

Weniger präsent ist, dass wir beim Interpretieren gleichzeitig auch Gefühle beseitigen.

Ein Beispiel:

Du sitzt mit Deinem Partner am Samstag Nachmittag bei einer Tasse Kaffee oder Tee zusammen. Nachdem ihr gemeinsam einkaufen wart, genießt ihr nun, ohne weitere Aufgaben Eurer Zusammensein.

Nach einer gewissen Zeit sagt Dein Partner:

„Es müßte noch der Müll rausgebracht werden!“

Wenn Du meinen Artikel zum 4 Ohren Modell gelesen hast, dann wird Dir klar, dass eine solche Aussage zum Interpretieren einlädt, ja gerade dazu auffordert.

Wenn Du auf die Einladung bzw. Aufforderung eingehtst, versucht Du nun heraus zu bekommen, was Dein Partner mit Dieser Aussage mitteilen möchte.

Die Folge ist, dass Du Dich nicht mehr mit Dir selbst und den Gefühlen, die sich bei Dir einstellen, beschäftigst. Du beschäftigst Dich mit der Aussage. Du selbst spielst also keine Rolle mehr. Gefühle stellen sich dennoch ein und Du wirst auf ihnen sitzen bleiben.

Mögliche Gefühle auf Deiner Seite wären:

  • Inrritation
  • Erstaunen
  • Überraschung

Darüber hinaus würde es passen, wenn Du nicht verstehen würdest, was Dein Partner sagen möchte oder warum er diese Aussage (gerade) jetzt macht.

Gesundheit und zum Gegenüber springen

Sehr verbreitet, insbesondere auch bei Häuslicher Gewalt, ist die Beschäftigung mit dem Gegenüber.

Bei dieser Technik ist das Ziel nicht nur, eigene Gefühle zu beseitigen, sondern auch, wieder Zugriff auf das eigene Leben zu erhalten.

Ein Beispiel:

Dein Partner kommt seit einiger Zeit abends später von der Arbeit nach Hause als gewöhnlich. Du hat ihn bereits mehrmals darauf angesprochen. Die Begründung für die regelmäßig späte Heimkehr war jedes Mal ein erhöhtes Arbeitsaufkommen.

Obwohl Du mehrmals darum gebeten hast, dass Dein Partner wenigstens zweimal die Woche um 18 Uhr zuhause sein möge, ist er immer erst um 19, 20 oder 21 Uhr zuhause.

Bie Dir könnten sich einstellen:

  • Misstrauen
  • Zweifel
  • Irritation

Wenn Du dich allerdings mit der Frage beschäftigst, warum Dein Partner sehr spät nach Hause kommt und daran nichts ändert, bist Du bei Deinem Partner und nicht bei Deinen Gefühlen.

Gefühle bleiben und wollen gelebt werden

Grundsätzlich ist es nicht so, dass wir Gefühle erst zulassen müssen, damit sie sich einstellen. Sie stellen sich ein, ob wir wollen oder nicht.

Wenn Du allerdings offensichtliche oder verborgene Techniken nutzt, um Gefühle zu beseitigen, merkst Du diese Gefühle nicht mehr, sie sind allerdings dennoch da.

Diese Gefühle, die Du quasi in Schach hälst, sind da und sie drängen an die Oberfläche. Sie möchten Raum bekommen und Du bist gefordert, sie zu leben.

Solange Du Dich dagegen entscheidest, bringst Du eine Menge Energie auf. Diese Energie fehlt Dir an anderer Stelle oder Du bringst mehr Energie auf als Dir zur Verfügung steht.

Eine mögliche Folge kann unter anderem eine Depression, heute auch Burnout genannt, sein.

Gesundheit und Umgang mit Gefühlen

Gefühle zeigen uns, dass das Verhalten oder Aussagen unserer Mitmenschen uns etwas angehen. Wir bekommen Hinweise.

Wenn wir mit unseren Gefühlen dahingehend umgehen, dass wir sie ‚unterdrücken‘, präziser gesagt aktiv beseitigen, wirkt sich dies auf die Dauer negativ auf unsere Gesundheit aus.

Gefühle, auch wenn sie unangenehm sind, beeinträchtigen unsere Gesundheit nicht per se.

Fazit

Die Auswirkungen unseres Umgangs mit Gefühlen auf unsere Gesundheit werden unterschätzt. Die Bewertung von Gefühlen in negative und positive Gefühle macht diesen Umgang zu einer weit verbreiteten Gepflogenheit, die unsere Gesundheit beeinträchtigen kann.

Das ist besonders tragisch, weil uns als Menschen auszeichnet, dass wir Gefühle haben.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 77 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

2 Kommentare

  1. Hallo Michael,
    wow, was für eine gute Zusammenstellung zum Thema! In aller Regel werden die Gefühle absolut vergessen. In unserer Gesellschaft gilt immer noch, was man nicht sehen und messen kann, hat keinen Einfluss auf die Gesundheit. Allerdings, wenn man sich selbst beobachtet, wird man leicht merken, wie z. B. bei Ärger der Blutdurck hoch geht, oder man sich bei Traurigkeit einfach schlecht und ohne Energie fühlt. Hat man langfristig diese Gefühle, z. B. auch unterdrückt, wirken sie sich natürlich auf die Gesundheit aus.

    • Gefühle werden insofern vergessen als die beschriebenen Techniken im Laufe der Jahre perfektioniert werden. Die Folge ist, dass bestimmte Gefühle, im wesentlichen unangenehme Gefühle, nicht mehr erlebt werden können.

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