Gewaltkreislauf – Verantwortungsabgabe in Perfektion

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Der Gewaltkreislauf ist ein Modell von Joachim Lempert. Aufgrund von Erfahrungen in der freiwilligen Täterarbeit hat sich der Gewaltkreislauf heraus kristallisiert.

Der Gewaltkreislauf gibt darüber Aufschluss, womit Täter, die häusliche Gewalt erzeugen, beschäftigt sind. Er zeigt auch, wie sie daraufhin agieren bis zu ihrer nächsten Gewaltat gegen ihre Partnerin und/oder ihre Kinder.

Je länger sich Täter im Gewaltkreislauf befinden desto mehr perfektionieren sie ihre einzelnen Schritte innerhalb des Gewaltkreislaufs.

Deshalb möchte in dieser Artikelserie die einzelnen ‚Meilensteine‘, die ein Täter erlebt aufzeigen und beschreiben. Außerdem möchte ich zeigen, warum Täter gewisse Entscheidungen innerhalb des Gewaltkreislaufs treffen, sodass sie am Ende wieder zuschlagen.

Gewaltkreislauf vs Gewaltspirale

Bevor ich näher auf den Gewaltkreislauf eingehe, ist es notwendig, dass ich klarstelle, warum es sich um einen Kreislauf und nicht um eine Spirale handelt, in der sich Täter, und selbstverständlich auch die betroffenen Opfer, bewegen.

Für den Kreislauf spricht zum einen, dass sich Täter nach einem Gewaltverhalten, das kann auch die Androhung von Gewaltverhalten sein, sicher innerhalb eines bestimmten Zeitraums wieder gewalttätig verhalten.

Außerdem erleben Täter immer wieder dieselben Gefühle, sodass sie ihre Mechanismen starten, diese zu beseitigen. Ein Mittel ist die Tat selbst, ein anderes die Entschuldigung und später die Verantwortungsabgabe für das eigene Gewaltverhalten an das Opfer..

Zusätzlich verhält sich ein Täter nicht zwingend körperlich übergriffig und verursacht damit immer heftigere Verletzungen. Es kann sogar ausreichen, dass der Täter nur kurz die Hand erhebt und damit einen Übergriff androht. Auch dies ist Gewaltverhalten in Richtung Opfer.

Und schließlich gibt es Täter, die im weiteren Verlauf seltener zuschlagen und es gibt Täter, die sich in kürzeren Abständen körperlich übergriffig verhalten.

Der Begriff der Gewaltspirale suggeriert, dass sich etwas verengt oder zuspitzt. Doch das ist keineswegs generell der Fall. Sicher ist, dass Täter gewisse ‚Meilensteine‘ immer wieder erreichen und sich auf ihre nächste Tat zubewegen. Die Zeit, die vergeht bis ein Täter erneut zuschlägt, kann sich allerdings verkürzen, verlängern oder schwanken. Und auch die Form des Übergriffs kann sich verändern. Manche Täter schlagen im Gewaltkreislauf heftiger zu, andere bedrohen ihre Opfer nur noch.

Gewaltkreislauf – Eintritt durch die erste Tat

Die Grenze zwischen unproblematischen Verhalten und Gewaltverhalten ist sehr dünn.

Ehemann ist angespannt

Dazu ein Beispiel.

Ein Ehemann geht einer beruflichen Tätigkeit nach, die ihn frustrieren oder überfordern sollte. Da er solche Gefühle allerdings nicht merken darf, erzählt er seine Ehefrau auch nicht von seinen gefühlen. Seine Ehefrau merkt bei ihrem Ehemann seit einiger Zeit eine zunehmende Gereiztheit und mangelnde Bereitschaft, ihr zuzuhören.

Die Ehefrau spricht ihren Ehemann eines Tages darauf an, indem sie sagt:

Nach meinem Eindruck bist Du in letzter Zeit sehr angespannt.

Reaktion A des Ehemannes

Der Ehemann schaut seine Ehefrau an und schreit laut:

Ja, ich bin angespannt. Darf ich das nicht, oder was?

Der Ehemann tritt dabei gegen einen Stuhl, der dadurch umfällt.

Reaktion B des Ehemannes

Der Ehemann schaut seine Ehefrau an und sagt nichts. Die Ehefrau wartet auf eine Reaktion und fragt nach:

Ist mein Eindruck richtig?

Der Ehemann reagiert nun laut mit den Worten:

Das muss Dich nicht interessieren. Lass mich damit in Ruhe, sonst knall ich Dir eine!

Mit Reaktion B erzeugt der Ehemann Häusliche Gewalt

Während Reaktion A eventuell bei der Ehefrau auch unangenehme mit einer größeren Intensität, zum Beispiel Angst oder Irritation, auslösen kann, erzeugt der Ehemann mit seinem Verhalten keine Häusliche Gewalt. Er begeht damit lediglich eine Sachbeschädigung.

Mit Reaktion B droht der Ehemann seiner Ehefrau mit einem körperlichen Übergriff. Damit verursacht er Häusliche Gewalt und macht seine Ehefrau zum Opfer.

Erster Körperlicher Übergriff und Eintritt in den Gewaltkreislauf

Meistens treten Täter durch einen körperlichen Übergiff und nicht lediglich durch eine Bedrohung in ihren Gewaltkreislauf ein.

Wenn ein Mann das erste Mal überhaupt seine Partnerin oder Ehefrau schlägt, tritt er damit in seinen persönlichen Gewaltkreislauf ein. Es ist egal, ob er seiner Ehefrau oder Partnerin ins Gesicht schlägt, ihr durch hartes Anfassen Schmerzen bereitet oder ob er sie in den Rücken boxt. Mit seinem ersten körperlichen Übergriff in seinem Leben tritt er in seinen Gewaltkreislauf ein, dem von nun an auch seine Ehefrau oder Partnerin ausgesetzt ist.

Denn sowohl er als auch sein Opfer gerät immer wieder zu den selben ‚Meilensteinen‘. An diesen Meilensteinen ist der Mann, der nun Täter ist, immer wieder mit denselben Gefühlen konfrontiert, mit denen er dahingehend umgeht, beizeiten erneut zuzuschlagen.

Der Täter nach der Tat – Ruhe – 1. Phase

Mit seinem körperlichen Übergriff erreicht der Täter, dass das Opfer, also seine Ehefrau oder Partnerin von ihm abläßt bzw. ihn in Ruhe läßt. Der Täter hat sich nicht mitgeteilt, nicht darüber gesprochen wie es ihm geht, sondern dem Opfer nur eines übermittelt. Ich verletzte Dich und mache Dich ohnmächtig.

Das Opfer nach der Tat – Ohnmacht, Hilflosigkeit – 1. Phase

Das Opfer ist durch den körperlichen Übergriff mit einer Vielzahl an Gefühlen allein gelassen. Die Ehefrau oder Partnerin ist ohnmächtig, hilflos, konsterniert, fassungslos, verzwiefelt, überrascht, verwirrt und irritiert.

Je nach Schwere des körperlichen Übergiffs ist sie körperlich verletzt und empfindet körperlichen Schmerz.

Diese erste Phase nach der Tat kann unterschiedlich lange dauern.

Im nächsten Artikel bechreibe ich die 2. Phase nach der Tat, in der der Täter sich seines Tuns bewußt wird.

Gewaltkreislauf des Täters und des Opfers

Entscheidet sich ein Mann zu einem körperlichen Übergriff gegen seine Partnerin oder Ehefrau, tritt er, wenn er vorher noch nicht zugeschlagen hat (auch keine vorherige Partnerin), in seinen Gewaltkreislauf ein.

Das Opfer, die Ehefrau oder Partnerin, ist an den Gewaltkreislauf des Täters gebunden und erlebt dadurch ihren eigenen Gewaltkreislauf.

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