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Kinderschutz im Internet?

Der Wandel in der Erziehung bezieht sich auch auf den Kinderschutz*, so heißt es in meinem verlinkten Artikel.

Doch handelt es sich hierbei um eine Tatsache oder lediglich um eine Behauptung meinerseits? Dieser Frage gehe ich im folgenden Artikel nach.
Anlass hierfür ist folgender Artikel im Internet, auf den ich noch zu sprechen komme.

Kinderschutz im Jugendschutzgesetz

Der Kinderschutz ist in Deutschland mit dem Jugendschutzgesetz umgesetzt.

Alkohol und Rauchen

Im Paragraph 9 ist zum Beispiel geregelt, ab welchem Alter an Kinder und Jugendliche welcher Alkohol verkauft werden darf. Auch zum Rauchen gibt es klare Regelungen.

Filme und Spiele

(1) Bespielte Videokassetten und andere zur Weitergabe geeignete, für die Wiedergabe auf oder das Spiel an Bildschirmgeräten mit Filmen oder Spielen programmierte Datenträger (Bildträger) dürfen einem Kind oder einer jugendlichen Person in der Öffentlichkeit nur zugänglich gemacht werden, wenn die Programme von der obersten Landesbehörde oder einer Organisation der freiwilligen Selbstkontrolle im Rahmen des Verfahrens nach § 14 Abs. 6 für ihre Altersstufe freigegeben und gekennzeichnet worden sind oder wenn es sich um Informations-, Instruktions- und Lehrprogramme handelt, die vom Anbieter mit „Infoprogramm“ oder „Lehrprogramm“ gekennzeichnet sind.

https://www.gesetze-im-internet.de/juschg/__12.html

Im Paragraph 12 (siehe Zitat) finden sich Ausführungen, die sich mit Filmen und deren Eignung für Kinder und Jugendliche befassen. Tatsächlich ist dort noch von Videokassetten die Rede. Im Paragraph 14 geht es um die Kennzeichnung von Trägermedien, heute eher DVD’s BluRay’s und das Internet.

Kinderschutz und Internet

Klar ist, dass heute Kinder immer jünger sind, wenn sie das erste Smartphone oder auch Tablet ihr Eigen nennen dürfen. Kinder sind wie bereits festgestellt eine Zielgruppe.

Doch wie bereits oben angedeutet bin ich durch einen Artikel dazu angehalten, diesen Artikel zu schreiben.

Dort heißt es in der Einleitung:

Was Kinder in Onlinepornos sehen, finden ihre Eltern oft schrecklich. Das Format „Mütter machen Porno“ auf Sat.1 zeigt Frauen auf der Suche nach gesunder Sexualität.

https://www.zeit.de/kultur/film/2020-07/muetter-machen-porno-jugendliche-pornokonsum-sat1

Es ist genau diese Einleitung zu dieser Sendung auf SAT 1, auf die ich eigentlich nicht weiter eingehen wollte, die mich diesen Artikel schreiben läßt. Es ist Fakt, Kinderschutz ist in Deutschland ganz offensichtlich ausgehebelt.

Die Einleitung zeigt deutlich, dass es in der deutschen Gesellschaft völlig normal zu sein scheint, dass bereits 11-Jährige Pornos zu Gesicht bekommen. Während wir früher nur mit großem Aufwand an das verbotene Material kamen, ist es heute für Kinder ein leichtes, diese Inhalte auf das eigene Smartphone zu holen. Und niemand scheint es zu stören.

Na, niemand ist erfreulicher Weise nicht richtig, denn es gibt sie, die Diskussionen über den Zugang zu Handys und Smartphones für Kinder. Es ist erschreckend zu lesen, dass bereits unter 9 – 11-Jährigen einschlägige Videos kursieren. Die Forderung nach einem Handyverbot für Kinder ist die logische Konsequenz, oder?

Aber das kann keine Lösung sein, da diese Geräte auch für Kinder zum Alltag gehören. Das ist also nicht umsetzbar, so wird behauptet.

Doch damit nicht genug.

Kinderschutz und Sendezeit

Das ZDF beispielsweise schützt den Zugriff auf Inhalte seiner Mediathek durch die Notwendigkeit einer Registrierung und einem Verfahren zum Nachweis des Alters.

Inzwischen ist der erste Teil dieser unsäglichen Sendung auf SAT 1 gelaufen. In einem Artikel wird darüber berichtet, dass Medienprüfer im Vorfeld über die Ausstrahlungszeit diskutiert haben. Am Ende haben sie eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt. Dies machte die Ausstrahlung um 20.00 Uhr möglich. SAT 1 erklärte diese Sendung mit einem pädagogsichen Ansatz?

Da passt ganz offensichtlich irgendetwas nicht mehr zusammen. Doch auch damit nicht genug.

Kinderschutz und Missbrauch

Nun komme ich wie versprochen auf den ersten verlinkten Artikel zurück. Dort heißt es im zweiten Absatz:

Tja, die beteiligten Jugendlichen wollen es wohl irgendwie. So sah man sie in der ersten Folge des Zweiteilers Mütter machen Porno zumindest bedachte Sätze über Gewaltpornos und Kondomdarstellung in Sexfilmen sagen…

https://www.zeit.de/kultur/film/2020-07/muetter-machen-porno-jugendliche-pornokonsum-sat1

Es geht fast ein bißchen unter.

Da werden Jugendliche für ein Format eingespannt, dass es augenscheinlich nicht geben dürfte. Da werden Jugendliche missbraucht. Ja, auch bei Jugendlichen ist das möglich; und keiner scheint es zu merken.

Doch es kommt noch ‚besser‘!

Freiwilligkeit des Konsums

Auf der Seite von SAT 1 beantwortet eine Sexualtherapeutin Fragen. Auf die Frage „Welche Auswirkungen haben Pornos auf Kinder & Jugendliche?“, antwortet diese:

Pornos können verschiedene Auswirkungen haben. Entscheidend ist nicht nur die Art der Pornographie, sondern auch die Häufigkeit, das Alter und dass der Konsum freiwillig ist.

https://www.sat1.de/tv/sexucation/welche-auswirkungen-haben-pornos-auf-kinder-jugendliche-109826

Solange Kinder und Jugendliche diese Inhalte freiwillig schauen sind die Auswirkungen also was?

Hier zeigt sich eine eindeutige Haltung der Erwachsenenwelt hinsichtlich Kinderschutz. Kinderschutz liegt nicht mehr an.

Dies wird bestärkt durch die Antwort auf die Frage „Kann man vermeiden, dass sich Kinder & Jugendliche Pornos ansehen?“

Nein, verhindern kann man das nicht und es ist auch häufig eher kontraproduktiv, das zu versuchen. Da muss man durch.

https://www.sat1.de/tv/sexucation/welche-auswirkungen-haben-pornos-auf-kinder-jugendliche-109826

Ja, das ist wohl die Haltung der Erwachsenenwelt. Jedem ist klar, dass Smartphones und Tablets Internetzugang ermöglichen.

Auch früher konnte man es nicht gänzlich verhindern, dass Kinder selten und Jugendliche öfter Zugang zu Pornos bekamen. Und es wurde ihnen schwer gemacht. Es wurde Kindern erschwert und nicht wie heute erleichtert.

Fazit

Ja! Es ist heute eine Tatsache. Kinderschutz wird heute unterwandert bzw. spielt schlichtweg keine Rolle mehr. Kinder* haben eben Zugang zum Internet und damit zu schädlichem Videomaterial; schädlich, weil Kinder solche Inhalte nicht gesund verarbeiten können.

Im Artikel vom Tagespiegel tritt das ganze Dilemma zu Tage. Bestimmte Fragen werden heute nicht mehr gestellt. Und wenn jemand sie stellt, ist er ein ewig Gestriger, der gegen den Fortschritt aufbegehren will.

Doch was ist daran fortschrittlich, wenn die Erwachsenenwelt ihre Aufgaben nicht wahrnimmt. Richtig! Es ist ein Rückschritt und hat mit Fortschritt so gar nichts gemein. Die Kindheit* und der damit verbundene KInderschutz und auch Jugendschutz war eine Errungenschaft der Moderne. Diese Erungenschaft haben die Erwachsenen geopfert.

Deshalb fordere ich dazu auf, Kindern bis 16 Jahre kein Smartphone oder Tablet mit Internetzugang zur Verfügung zu stellen.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dem Thema? Schreibe gerne in die Kommentare!

Post Author: Michael Ueberschaer

Diplom Sozialpädagoge (Uni)
Gewaltberater (GHM)
Gewaltpädagoge (GHM)

Erfahrungen in der Begleitung von Jugendlichen, psychisch erkrankten Menschen, der Beratung von Tätern und Täterinnen, der Einzelberatung und in der Paarberatung.
Unsere Beziehungsgestaltung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen beeinflußt unsere Lebensqualität.

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