Kontakt

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Wie bereits von mir erläutert, ist Kontakt unsere Motivation für das Eingehen von Beziehungen. Wir begeben uns in Beziehungen und pflegen sie gegebenenfalls, weil wir Kontakt brauchen und suchen.

Für unsere Beziehung in Partnerschaft oder Ehe ist es deshalb wichtig, dass der Kontakt nicht dünner wird, sondern sich auf einem recht fetten Niveau einpendelt.

Das bedeutet auch, dass der Kontakt in Deiner Beziehung relevant für deren Qualität ist. Anders formuliert bleibt Deine Beziehung zu Deinem Partner fade, wenn es Dir nicht gelingt, mit ihm Kontakt herzustellen und den Kontakt aufrecht zu erhalten, indem Du den Kontakt mit Deinem Partner immer wieder erneuerst.

Unsere Beziehungen bleiben also nur bestehen und wir selbst in Partnerschaft oder Ehe bleiben nur lebendig, wenn wir kontaktreiche Begegnungen haben.

Andrenfalls kann eine Trennung mit der Begründung Wir haben uns auseinander gelebt die Folge sein.

Im folgenden erläutere ich anhand von 3 Beispielen, warum Selbstwahrnehmung für Deine Kontaktgestaltung Grundvorraussetzung ist.

Kontakt und Selbstwahrnehmung

Ich habe bereits ausgeführt, wie wichtig es ist, Gefühle nicht zu bewerten. Dies betrifft uns alle. Je weniger wir unsere Gefühle anerkennen, desto weniger nehmen wir uns selbst wahr.

Wenn Du nicht in der Lage bist, Deine Gefühle zu merken, nimmst Du Dich also selbst nicht wahr.

Enttäuschung

Gefühl zeigen oder benennen?

Darfst Du enttäuscht sein, darfst Du dies auch zeigen? Deine Enttäuschung ist gleichfalls ein Hinweis darauf, dass jemand Deine Grenze unangenehm berührt oder überschritten hat.

Ein Beispiel:

Dein Partner sagt Dir zu, für das Abendessen Dein Lieblingsgericht, sagen wir Rinderrouladen, zu kochen. Du kommst abends nach Hause und erfährst, dass es Spaghetti gibt.

Es gibt für Dich nun wahrscheinlich mindestens 3 Gründe, enttäuscht zu sein:

  • Du mußt auf Dein Lieblingsgericht an diesem Abend verzichten
  • Du mußt oder kannst an diesem Abend Spaghetti essen
  • Dein Partner hat sein Versprechen nicht eingehalten

Wenn einer der beiden Gründe bei Dir vorliegt, solltest Du Dein Gefühl benennen oder zeigen. Nur dann gibst Du Dich Deinem Partner zu erkennen und dieser kann Dich wiederum mit Deinem Gefühl erkennen.

Kontakt mit Dir selbst

Trifft der 3. Grund auf Dich zu, hat Dein Partner Deine Grenze wahrscheinlich überschritten, da Du erwartest, dass eine Zusage eingehalten wird.

Vorraus gesetzt, dass Dein originäres Gefühl, damit ist das Gefühl gemeint, welches sich bei Dir in dieser Situation tatsächlich einstellt, Enttäuschung ist, traue Dich, Deine Enttäuschung zu leben und dann auch zu zeigen oder mit zu teilen.

Kontakt an den Grenzen

Damit gibst Du zum einen zu erkennen, dass Du Grenzen hast und zum anderen, dass Dein Partner Deine Grenze unangenehm überschritten hat. Damit eröffnest Du Deinem Partner ein Kontaktangebot, welches dieser seinerseits annehmen sollte (aber nicht muss).

Wenn Dein Partner seinerseits nicht in der Lage ist, selbst Enttäuschung zu merken, wird er es eventuell schwer haben, mit Dir mitzufühlen und Dein Kontaktangebot auf eine gewisse, sehr persönliche Weise, ablehnen.

Irritation

Ein weiteres Beispiel:

Ihr verfügt über ein gemeinsames Konto, dass ihr für die Finanzierung Eurer Ernährung, Wohnung und der Nebenkosten nutzt.

Als Du die Kontoauszüge eines Tages in den Händen hälst, stellt Du fest, dass Dein Partner einen ungewöhnlich hohen Betrag abgehoben hat. Dieser Betrag ist derart aus der Reihe, dass Du irritiert sein könntest.

Wenn Du tatsächlich irritiert bist und Deine Irritation erlebst, weil Du sie nicht aktiv beseitigst, kannst Du Deinem Partner Kontakt anbieten, indem Du zum Beispiel zu ihm sagst:

„Ich bin irritiert, denn scheinbar hast Du außer der Reihe Geld abgehoben.“

Dein Partner hat nun die Möglichkeit, Deine Irritation zu merken, und Dir mit einer (hoffentlich) annehmbaren Erklärung oder Begründung Deine Irritation zu nehmen. Damit würde er Dein Kontaktangebot annehmen. Dazu braucht er allerdings die Fähigkeit, Irritation selbst zu leben.

Hast Du allerdings Mechanismen entwickelt, unangenehme Gefühle zu beseitigen, merkst Du Deine Irritation vielleicht nicht. Die Folge ist, dass Du auf Deiner Irritation sozusagen sitzen bleibst.

Angst und Erleichterung

Ein weiteres Beispiel:

Dein Partner ist 1 Woche mit Freunden zu einem Wanderurlaub in einem deutschen Mittelgebirge. Es ist gegen 17 Uhr und Du erwartest Deinen Partner um 19 Uhr zum Abendessen zurück.

Es wird 19 Uhr und 20 Uhr und Dein Partner ist weder zuhause noch telefonisch erreichbar. Du könntest nun Unruhe oder Verunsicherung merken oder auch Irritation sowie Angst.

Um 21.15 Uhr wird Deine Haustür aufgeschlossen und Dein Partner steht vor Dir. Du könntest Dich nun freuen oder auch erleichtert sein und sagen:

„Ich bin erleichtert, dass Du hier bist. Ich hatte Angst, dass Dir etwas passiert ist!“

Damit würdest Du Deinem Partner Kontakt anbieten, da Du Dich mit Deinem Gefühl zeigst. Gleichzeitig lieferst Du ihm noch eine Begründung, indem Du ihm mitteilst, mit welchem Gefühl Du konfrontiert warst bevor er gekommen ist.

Dein Partner steht nun seinerseits vor der Entscheidung, Dein Kontaktangebot anzunehmen oder abzulehnen. Annehmen wird Dein Partner Dein Kontaktangebot, wenn ihm die Gefühle Erleichterung und Angst nicht fremd sind, er also in der Lage ist, diese bei sich selbst wahr zu nehmen.

Fazit

Um Kontakt in Deiner Beziehung* zu erleben, brauchst Du die Fähigkeit, Deine eigenen originären (zur Situation passenden) Gefühle wahrzunehmen. Nur dann kannst du Deine Gefühle leben und Deinem Partner zeigen und/oder mitteilen.

Hast Du Dich allerdings in der Vergangenheit selbst daran gehindert, gewisse Gefühle zu merken, indem Du sie aktiv beseitigt hast, kann es sein, dass Du nicht mehr mitbekommst, wenn sie sich einstellen.

Dahinter steckt Deine Anstrengung in der Vergangenheit, das Beseitigen von Gefühlen zu perfektionieren.

Merkst Du Dich selbst nicht, bist Du mit Deinen Grenzen für Deine Mitmenschen nicht erkennbar und Kontakt bleibt Dir verwehrt.

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Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 85 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

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