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Mangelnder Opferschutz auch in Österreich

Mangelnder Opferschutz in Österreich gerät jetzt in den Fokus, weil die Häusliche Gewalt in Österreich offenbar genauso wie in Deutschland zunimmt.

Aufgrund zweier weiterer Frauenmorde in Österreich beklagen mehrere Stellen den mangelnden Opferschutz in Österreich.

Im folgenden gehe ich auf diese Kritik näher ein. Bei meiner Recherche bin ich auf Vorgänge in Salzburg gestoßen, die mich fassungslos gemacht haben.

Runder Tisch in Österreich

Die Politik verweist laut Artikel auf einen runden Tisch, der stattfinden soll.

Bundeskanzler Kurz wird mit den Worten zitiert:

Gewalt an Frauen hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/2103267-Heftige-Kritik-an-Gewaltschutz-nach-Faellen-in-Salzburg.html

Ich frage mich, wer mit dieser Aussage was konkret anfangen soll. Denn die Realität ist ganz offensichtlich auch in Österreich eine andere.

Dies erweckt nicht den Eindruck, dass Herr Kurz bereit ist, die Realitäten anzuerkennen. Denn nachweislich erfährt jede 3. -4. Frau irgendwann in ihrem Leben Häusliche Gewalt. dies gilt sicherlich auch in Österreich.

Angemessener Opferschutz macht zunächst einmal notwendig, dieses Phänomen anzuerkennen und nicht durch Phrasen beiseite zu wischen.

Der Runde Tisch, der angekündigt wurde, hat inzwischen stattgefunden.

Hintergründe der Tat

Die aktuelle Frauenministerin weist laut Artikel auch darauf hin, die Hintergründe der Tat aufklären zu wollen. Das ist für die Festsetzung eines Strafmaßes sicher notwendig. Doch den betroffenen Opfern und auch anderen betroffenen Frauen hilft dies kaum.

Außerdem sind die Hintergründe hinsichtlich der verantwortung der Täter vollkommen irrelevant. Vielmehr eignen sich Hinweise auf Hintergründe einer Tat eher dazu, die jeweilige Tat zu relativieren; dies dient eher den Tätern.

Gewaltschutzeinrichtungen zum Opferschutz einbinden

Diese Forderung ist deshalb sinnvoll, weil zum Beispiel Frauenhäuser die Nöte der betroffenen Frauen sher gut kennen. Diese können wichtige Hinweise geben, was betroffene Frauen in ihrer jweiligen Situation benötigen.

Hochrisikofallkonferenzen zum Opferschutz

Im weiteren Verlauf wird die SPÖ-Frauenvorsitzende zitiert. Sie spricht von Hochrisikofallkonferenzen. Dieses Instrument zur Gefahrenabwägung steht offenbar momentan nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung.

Denn die aktuelle Regierung hat dieses Instrument offensichtlich gestoppt. Danach haben Männer wieder vermehrt Frauen ermordet.

Mich hat überrascht, dass Österreich hier schon einmal einen Schritt weiter war.

Mehr Mittel für den Opferschutz in Österreich

Ein gravierendes Problem ist in Österreich wie in Deutschland offenbar die mangelnde finanzielle Unterstützung relevanter Stellen wie Frauenhäuser und Beratungsstellen für Frauen und Mädchen.

Über Frauenhäuser in Deutschland und ihre Bedeutung habe ich bereits einen Artikel veröffentlicht.

Es ist von jeher schwierig, Gelder für diese Arbeit zu bekommen, da sie sie aus Sicht der Entscheidungsträger keinen finanziellen Mehrwert erzeugt, sondern letztendlich nur Kosten verursacht. Die Forderung ist deshalb umso wichtiger.

Opferschutz durch Täterarbeit

Männer, die sich ihrer Partnerin gegenüber gewalttätig verhalten, entscheiden sich dafür. Das bedeutet, sie haben grundsätzlich auch die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden. Täterarbeit wird im Artikel erwähnt, nimmt allerdings nur einen kleinen Teil des Artikels ein.

Dies ist kein Zufall, denn sich mit Tätern zu beschäftigen, ist wenig populär. Dabei wäre es wichtig, allen Männern, die zuschlagen, deutlich zu machen, dass eine Beratung bei einem qualifizierten Gewaltberater durchaus dazu geeignet ist, das eigene Gewaltverhalten zu beenden.

Der Blick auf Täter kommt scheinbar auch in Österreich zu kurz. Die Folge ist mangelnder Opferschutz auch in Österreich. Denn nur ein Täter, der sein Gewaltverhalten dauerhaft beendet wird Frauen nicht mehr zu Opfern machen.

Auf der einen Seite lobenswert ist die Idee des österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, Tätern ein standardisiertes psychotherapeutisches Angebot zu machen. Doch dies ist symptomatisch, denn die meisten Täter benötigen Beratung durch qualifizierte Gewaltberater und keine Gruppentherapien oder Einzelpsychotherapien.

Denn die Motive des einzelnen Täters sind individuell und nur in der Einzelarbeit zu ermitteln und dann für den Täter hinterfragbar.

Mangelnder Opferschutz und die Finanzierung von Fauenhäusern in Österreich

Österreich beziehungsweise Salzburg hat gezeigt, wie wenig Wertschätzung die Arbeit von Frauen, die in Frauenhäusern arbeiten, erfährt.

Durch meine Recherche bin ich auf äußerst fragwürdige Vorgänge in Salzburg gestoßen. Dort hat die zuständige Frauenlandesrätin Andrea Klambauer eine Ausschreibung initiiert, die die Zerschlagung der bestehenden Fraunhäuser zur Folge hatte.

Dadurch stehen weniger Plätze für schutzbedürftige Frauen zur Verfügung.

Das Beispiel Salzburg zeigt, wie wacklig die Finanzierung von Frauenhäusern sein kann. In Frauenhäusern arbeiten Frauen scheinbar oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen, andauernd bedroht durch Arbeitsplatzverlust.

Mangelnder Opferschutz in Österreich momentan im Fokus

Auch in Österreich erzeugen unfassbare Taten von Männern Aufmerksamkeit. Die mit diesem Phänomen regelmäßig konfrontierten Fachkräfte werden lauter und stellen alte und durchaus richtige Forderungen auf.

Für betroffene Frauen ist der Zugang zu Frauenhäusern viel zu schwierig. Dies hat auch damit zu tun, dass Frauenhäuser oft über Tagessätze finanziert werden und die Opfer einen entsprechenden Anspruch haben müssen.

Doch sowohl in Österreich als auch in Deutschland läßt die gesellschaftliche Aufmerksamkeit schnell wieder nach. Nachhaltige Veränderungen sind auch deshalb schwierig zu erreichen.

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