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Petition gegen Häusliche Gewalt – Mehr Unterstützer erforderlich

Petition gegen Häusliche Gewalt

Ich habe bereits vor einem Jahr einen Artikel zu einer Petition gegen Häusliche Gewalt bei change.org geschrieben. In der Petition geht es um die Umsetzung der Instanbul-Konvention, die Deutschland ebenfalls unterschrieben hat. Im Artikel stellte ich im Mai letzten Jahres fest, dass (nur) 82000 Personen die Petition unterstützen.

Heute, über ein Jahr später haben gute 120000 Mitmenschen diese Petition gezeichnet. In einem guten Jahr konnte die Petition also lediglich knappe 40000 weitere Unterstützer finden. Wie kann das sein? Häusliche Gewalt geht (doch) uns alle an!

In diesem Artikel, mit dem ich euch gleichzeitig bitten möchte, die Petition zu zeichnen, schreibe ich darüber, warum es diese Petition offenbar schwerer hat als andere Petitionen.

Häusliche Gewalt – Ein unbegreifliches Phänomen

Das Phänomen Häusliche Gewalt erzeugen Täter und Täterinnen gegenüber ihren Partnerinnen oder Partnern, Ehefrauen oder Ehemännern sowie ihren Kindern. Auch Verwandte wie Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten, Großväter oder Großmütter können Täter oder Täterin sein.

Damit erzeugen sie deshalb ein unbegreifliches Phänomen, weil die Familie als ein Ort der Sicherheit gilt. Außerdem ist unbegreiflich, dass Täter und Täterinnen ihre Opfer in den meisten Fällen lieben, also männliche Täter ihre Partnerinnen oder Ehefrauen. Es ist kaum verstehbar, wie Männer sich immer wieder dazu entscheiden, ihre Partnerinnen und Ehefrauen zu schlagen, zu schubsen, ihnen körperlichen Schaden zuzufügen.

Mit der Unbegreiflichkeit ist eine tiefe Ohnmacht verknüpft, die sich auch bei den Mitmenschen einstellt, die mehr oder weniger oder gar nicht beteiligt sind. Selbst wenn Täter weit weg von unserem Wohnort ihre (Ex)Partnerinnen oder (Ex)Ehefrauen schlagen oder sogar töten, stellt sich eine tiefe Ohnmacht bei uns ein, wenn wir davon Kenntnis bekommen.

Ohnmacht zutiefst unangenehm

Die Ohnmacht, die solche Nachrichten auslösen, ist extrem unangenehm. Denn mit dem Gefühl Ohnmacht ist auch verbunden, dass wir keinen Zugriff auf die Geschehnisse haben. Das hat zur Folge, dass wir alles daran setzen, diese Ohnmacht schnell wieder los zu werden. Denn wir möchten wirksam sein, etwas verändern, in irgendeiner Weise Einfluß nehmen können.

Mit uns selbst beschäftigt

Die Folge ist, dass wir uns vornehmlich mit uns selbst und nicht mit den Opfern, die zutiefst betroffen werden und den Tätern, die soviel Leid erzeugen, beschäftigen. Erfahren wir von erneuten Übergriffen von männlichen Tätern auf ihre Partnerinnen, Ehefrauen oder Expartnerinnen sowie Exfrauen, können wir direkt nichts tun.

Außer daran zu arbeiten, unsere Ohnmacht loszuwerden. Dies machen wir, indem wir uns aufregen, Ärger produzieren, der Politik Vorwürfe machen und allmählich zum Alltag übergehen, der sich für uns (hoffentlich) erfreulicher Weise ohne Gewalt erleben läßt.

Unser Interesse für die Opfer und zukünftige Opfer ebbt ab und löst sich für den Moment in Luft auf. Besser formuliert wenden wir uns ab.

Petition gegen Häusliche Gewalt ist dennoch wichtig

Nun könntet ihr einwenden, dass eine Petition zur Instanbul Kovention zu zeichnen, auch nur ein Ablenkungsmanöver von der eigenen Ohnmacht sein kann. Da wäre insofern etwas dran als wir die einzelne Tat mit einer solchen Petition nicht verhindern können.

Das kann nur jeder (zukünftige) Täter selbst schaffen, wenn er dies will.

Dennoch bedeutet, diese Petition zu zeichnen, auch, sich dahingehend zu positionieren, dass wir Häusliche Gewalt nicht wollen. Es geht auch um Signale an alle männlichen Täter. Es geht auch darum, diesen zu zeigen, dass die Mehrheit der Gesellschaft Gewalt gegen Frauen und Kinder ablehnt.

Und es geht darum, den Opfern viele Stimmen für einen klareren Umgang mit Tätern zu geben. Da geht es auch um die Ausstattung von Frauenhäusern oder das Umgangsrecht oder um die Justiz.

Bei 120000 bisherigen Zeichnern der Petition entsteht dieser Eindruck eher nicht; und offenbar auch bei der Politik.

Also zeichnet bitte die Petition!

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