Psychische Gesundheit als Teil der Säule Gesundheit und Körperlichkeit

Unsere Identität wird auch durch die Säule Gesundheit und Körperlichkeit getragen, wobei unsere psychische Gesundheit ein Teil dieser Säule ist. Den anderen Teil macht unsere körperliche Gesundheit aus.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Durch einen Artikel bei Zeit Online, an dessen Ende eine Podcast Folge aus der Reihe ‘Smarter Leben’ zu finden ist, bin ich auf das Thema Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz gestoßen worden. Nun ist es nicht so, dass unsere Gesundheit am Arbeitsplatz ausschließlich von den konkreten Arbeitsbedingungen abhängt. Doch sie spielen selbstverständlich eine gravierende Rolle.

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit unserer psychischen Gesundheit, werfe dazu auch einen genaueren Blick auf die Aussagen des Artikels und der Podcast Folge.

Psychische Gesundheit im Job

So ist der Artikel bei Zeit Online übertitelt. Und er stellt gleich 2 Fragen:

  • Wie kann ich auf der Arbeit mitteilen, dass es mir nicht gut geht?
  • Was ist, wenn wir dort, von Vorgesetzten oder Kollegen, kein Verständnis bekommen?

Sollte ich mich überhaupt mitteilen?

Das Klima in Betrieben welcher Art auch immer ist keinesfalls einheitlich. Ich selbst habe bereits die unterschiedlichsten Bedingungen vorgefunden.

Grundvoraussetzung für alles weitere ist erst einmal, dass wir bzw. Du merken bzw. merkst, dass es uns bzw. Dir nicht gut geht. Und da fängt das Dilemma bereits an. Arbeit ist kein Ponyhof. Ganz im Gegenteil. Arbeit verdichtet sich zusehends und zwar durch weit verbreiteten Personalmangel. Dazu passt ein weiterer Artikel bei Zeit Online zum Personalmangel an Schulen und KITAS, der exemplarisch für viele Bereiche der deutschen Arbeitswelt steht, in denen defizitäre Personalausstattung vorherrscht.

Wenn Du also merkst, dass es Dir nicht gut geht, dann gibt es grundsätzlich auch die Möglichkeit, dies bei Deinem Arbeitgeber anzusprechen. Doch was heißt eigentlich gut gehen oder schlecht gehen?

Gefühle als Barometer unseres Wohlbefindens

In meinem Grundsatzartikel zu Gefühlen und unserer Gesundheit kannst Du erfahren, was Dich eventuell daran hindert, Deine Gefühle als Barometer Deines Wohlbefindens zu nutzen. Wenn es Dir nicht gut geht, solltest Du eher unangenehme Gefühle merken.

Ein unangenehmes Gefühl, welches Deine psychische Gesundheit schützen will, ist Überforderung. Überforderung ist heute im Job an der Tagesordnung; und zwar auch aufgrund mangelnden Personals. Doch ist es wohl wenig sinnvoll, dem Arbeitgeber mitzuteilen, aufgrund dessen überfordert zu sein. Denn Arbeitgeber wissen selbstverständlich um die personelle Ausstattung ihres Betriebes.

Im Artikel bei Spiegel Online heißt es auch, dass Fehlzeiten meistens auf Psychischen Problemen und Erschöpfung basieren. Im Podcast heißt es weiter, dass Psychische Erkrankungen die längsten Fehlzeiten verursachen.

Wer oder was verursacht unangenehme Gefühle?

Im Podcast wird auch erwähnt, dass sich auch im Privatleben mehr oder weniger unvorsehbare Belastungen ergeben können. Damit wird untermauert, dass wir privatleben und berufsleben hinsichtlich unserer psychsichen Gesundheit nicht trennen sollten.

Besondere Situationen im Alltag können der Verlust eines geliebten Mitmenschen sein, ein Unfall oder auch besonderes Verhalten der eigenen Kinder sein. Auch Kommunikationsprobleme in unserer Partnerschaft oder Ehe und Beziehungsprobleme können erhebliche Belastungen durch das Erleben unangenehmer Gefühle verursachen.

Auch Unzufriedenheit ist ein Gefühl, welches uns signalisieren kann, dass wir etwas verändern sollten. Ob dies in unserem Privatleben oder im Beruf erforderlich ist, ist manchmal nicht so einfach zu ermitteln.

Kein Zwang, mit dem Arbeitgeber über Deine Psychische Gesundheit zu sprechen

Im Podcast wird ausdrücklich betont, dass es eine persönliche Entscheidung bleiben muss, ob Du mit Deinem Arbeitgeber über Deine Situation, Deine psychischen Belastungen oder Deine Psychische Gesundheit sprichst.

Grundlage der Idee, den Arbeitgeber mit einzubeziehen, ist die Ausrichtung der im Podcast zu Wort kommenden Psychotherapeutinn. Sie berät Unternehmen zur psychischen Gesundheit ihrer Beschäftigten.

Beruhigend ist, dass wir, also auch Du, nicht gezwungen sind, mit unserem Arbeitgeber über unser Privates zu sprechen. Denn unsere psychische Gesundheit geht den Arbeitgeber tatsächlich nichts an. Deswegen beinhaltet im Falle einer Krankschreibung das Exemplar für den Arbeitgeber auch keine Diagnose.

Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern.

Wenn Du länger im Betrieb bist, wirst Du Dir ein Bild gemacht haben, ob Dein Arbeitgeber seinen Pflichten nachkommt oder nicht, ob er überhaupt ein Interesse daran hat, dass Du nicht dauerhaft überfordert oder unzufrieden bist.

Überforderung durch den Arbeitgeber

Faktoren für eine stetige Überforderung sind meistens (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Regelmäßig Überstunden ohne Freizeitausgleich
  • Rufbereitschaft und dadurch häufige, kurzfristige Arbeitseinsätze
  • kein klar umrissendes Aufgabengebiet
  • Zusätzliche Anforderungen und Aufgaben jenseits der eigenen Profession
  • Kommunikation per mail auch in der Freizeit
  • Mangelnde Fachlichkeit bei der Umsetzung der Aufgabenerfüllung

Wenn Du mit diesen Faktoren durch Deinen Arbeitgeber konfrontiert bist, ist offensichtlich, dass dieser nicht Dein erster Ansprechpartner sein kann, um über Deine Überforderungen oder Unzufriedenheiten zu sprechen. Denn Dein Arbeitgeber gefährdet dann Deine psychische Gesundheit als Teil Deiner Säule Gesundheit und Körperlichkeit.

Damit wirkt er auf unangemessene Weise auf Deine Identität ein, denn er verursacht, dass Deine Säule Gesundheit instabil wird.

Leistungsfähigkeit und eigene Grenzen

Für die Bewältigung unseres privaten und beruflichen Alltags stehen uns 100% zur Verfügung. Idealer Weise benötigen wir regelmäßig nicht mehr als 80 – 90% unserer Leistungsfähigkeit.

Dann können wir auch mit Anforderungsspitzen durch besondere Umstände gut, also ohne Gefährdung unserer Gesundheit, umgehen. Die große Herausforderung ist es, zu merken, wenn wir uns dauerhaft 110%, 120% oder sogar mehr abverlangen, um alles zu schaffen, was wir vermeintlich schaffen sollen oder müssen.

Unsere Gefühle sollten uns wie bereits angedeutet Hinweise geben.

Wo sind die Unternehmen, denen die Psychische Gesundheit ein Anliegen ist

Ich frage mich ich das ernsthaft. Für die Arbeitnehmer, die ersichtlich für einen Arbeitgeber arbeiten, bei dem Fürsorge für seine Arbeitnehmer wichtig ist, mag es vielleicht sinnvoll erscheinen, mit dem Arbeitgeber über psychische Probleme zu sprechen.

Wenn Du Dich dazu entscheidest, dann sollte zweierlei erfüllt sein:

  • Du hast die Gewissheit, dass Dein Vorgesetzter oder Kollegen Verständnis aufbringen werden
  • Dein Arbeitgeber kann Dich auch praktisch entlasten

Andernfalls, das gilt besonders, wenn Deine Belastungen oder psychischen Probleme im Privaten Nahrung finden, gibt es meines Erachtens zu bevorzugende Ansprechpartner. Den Hausarzt, Deine(n) Partner(in), Deine(n) Ehefrau/Ehemann oder auch beratungsangebote zu anderen Lebensaspekten wie Paaarberater, Lebensberater oder auch das Jugendamt oder die Krankenkasse.

Energie tanken auf der Arbeit?

Ich frage mich auch, bezüglich welcher Arbeitswelt im Podcast die Idee des Auftankens bei der Arbeit die Rede ist. Ein(e) Kassierer(in) kann hoffentlich die ihr/ihm zustehenden Pausen nutzen, um ein wenig Abstand herzustellen. Ansonsten wird er oder sie an der Kasse sitzen und ihrer Aufgabe nachgehen. Ein Paketfahrer ist heute froh, wenn er aufgrund der Flut von Paketen halbwegs pünktlich Feierabend machen kann. Pflegekräfte in Krankenhäusern und Heimen wären froh, wenn sie ihrer eigentlichen Arbeit am Menschen angemessen nachkommen könnten. Lehrer und Pädagogen wäre damit gedient, wenn ihnen nicht ständig Unqualifizierte in die Arbeit hineinreden würden oder etwas von digitaler Bildung ‘faseln’ würden.

Doch oft sind Vorgesetzte gar nicht in der Lage, Verbesserungen zu erreichen, da sie nicht an den passenden Stellschrauben sitzn.

Schleichende Anpassung und Gefährdung der Säule Gesundheit und Körperlichkeit

Unsere psychische Gesundheit ist da gefährdet und beeinträchtigt unserere Säule Gesundheit und Körperlichkeit, wo wir schleichend in eine dauerhafte Überforderung hinein geraten. Dabei ist es zunächst einmal unerheblich, ob dies im Privaten oder Beruflichen der Fall ist.

Es mag die ein oder andere Branche geben, in der es, wie es im Podacst den Anschein hat, eine Art von Unternehmenskultur gibt, das Wohlergehen der Mitarbeiter(innen) in den Blick zu nehmen. Ob dies immer im Sinne der Arbeitnehmer ist, mag ich zumindest bezweifeln.

Es ist nicht mehr gängig in unserer Gesellschaft, die eigenen Gefühle zu merken. Es wird vielmehr oft erwartet, sie beiseite zu schieben. Auch deshalb nehmen die psychischen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen vieler Arbeitnehmer(innen) offenbar zu.

Wenn Du dauerhaft durch Deinen Arbeitgeber überfordert (siehe Liste oben) wirst, dann solltest Du wachsam sein.

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