Wo fängt Häusliche Gewalt an?

Häusliche Gewalt fängt nach den Aussagen in vielen Artikeln im Internet bereits früh an. Wenn der Partner beispielsweise kontrolliert, wofür sie Geld ausgeben darf, erzeugt er bereits Häusliche Gewalt.

Ich habe bereits mit einer Definition von Häuslicher Gewalt darauf hingewiesen, dass es nur 2 Handlungen gibt, mit denen Männer Häusliche Gewalt gegen ihre Partnerinnen, Ehefrauen und/oder Kinder erzeugen.

Nun wirst Du Dich vielleicht fragen, warum ich diesen Artikel schreibe.

Die Öffentlichkeit stellt bezogen auf Häusliche Gewalt viele Fragen. Eine davon lautet:

Wo fängt Häusliche Gewalt an?

Doch die Frage ist vorsichtig gesagt unglücklich gestellt. Denn sie suggeriert, dass Häusliche Gewalt frei von Entscheidungen, also ohne aktive Handlung, beginnt, entsteht oder eben auch anfängt. Das ist nicht der Fall. Die Folge solcher Fragen ist, dass sich der Blick auf die Täter, die allein verantwortlich für die Beendigung ihres Gewaltverhaltens sind, trübt.

In einem Artikel auf Nordbayern wird der Verlauf häuslicher Gewalt geschildert. Mit diesem Artikel wird ein Bild von Tätern gezeichnet, welches letztendlich ein Zerrbild darstellt. Dieses Zerrbild ’spielt Tätern in die Hände‘ und hindert sie, ihre Verantwortung zu erkennen und anzuerkennen.

Deshalb schreibe ich diesen Artikel, mit der Antwort auf die Frage, wo Häusliche Gewalt tatsächlich ‚anfängt‘.

Häusliche Gewalt und Zerrbild von Tätern

Ich habe von einem Zerrbild gesprochen, welches Artikel wie der bei Nordbayern zeichnen.

Im folgenden gehe ich darauf näher ein.

Verschiedene Gewaltformen

Entsprechend er allgemeinen Auffassung wird im Artikel von Gewaltformen gesprochen:

Wir haben bei häuslicher Gewalt eine sehr problematische und langwierige und daher oft lange nicht merkliche Verstrickung von verschiedenen Gewaltformen

https://www.nordbayern.de/region/hausliche-gewalt-darum-konnen-frauen-nicht-einfach-gehen-1.11036595

Häusliche Gewalt fängt mit Psychischer Gewalt an

Ich habe mich auch mit dem Begriff Psychische Gewalt auseinander gesetzt. Auch der oben verlinkte Artikel zeigt, wie notwendig dies ist.

Denn das Zerrbild von Tätern ist, dass sie grundsätzlich Kontrolle ausüben (wollen), eifersüchtig sind oder werden, ihre Partnerinnen beleidigen und abwerten und dann irgendwann, meistens nach Jahren, zuschlagen, also körperliche Gewalt ausüben.

Das mag auf den ein oder anderen Täter durchaus zu treffen. Doch keinesfalls auf jeden Täter, der Häusliche Gewalt erzeugt. Dennoch kursiert der Begriff Gewaltspirale im Internet und hat sich dort bereits festgesetzt.

Das Verhalten wird als Psychische Gewalt, soziale Gewalt und Ökonomische Gewalt entlarvt.

Doch diese Beschreibungen oder Erklärungen entstehen aus Sicht der Opfer und nicht aus Sicht der Täter. Denn die Täter, würde man sie fragen können, könnten in keiner Weise beschreiben oder erklären, warum und wozu sie sich in welcher Weise verhalten und dann durch Gewaltverhalten tatsächlich Häusliche Gewalt erzeugen.

Dies ist einer der entscheidenden Gründe, warum es Tätern nicht allein gelingt, aus dem Gewaltkreislauf auszusteigen.

Man kann sagen:

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Nur eines wissen die meisten Täter sehr genau. Mit ihren körperlichen Übergriffen und deren Androhung begehen sie eine Straftat.

Die Beschreibungen des Handelns der Täter durch die Opfer bildet außerdem nur das Hellfeld ab. Die meisten betroffenen Frauen werden im sogenannten Dunkelfeld geschlagen, kommen nicht zu Wort, weil sie sich nicht trauen. Und auch die jeweiligen Täter aus dem Dunkelfeld und ihre persönlichen Motive bleiben verborgen.

Häusliche Gewalt und das Erleben der Opfer

Es ist immer wieder zu lesen, dass Opfer die körperlichen Übergriffe durch ihre Partner oder Ehemänner als weniger belastend erleben. Auch in Dokumentarfilmen erzählen betroffene Frauen darüber, dass die Psychische Gewalt, die soziale Gewalt und die ökonomische Gewalt ihnen weit mehr zugesetzt hat.

Zur psychischen Gewalt habe ich wie bereits erwähnt einen Artikel verfasst.

Soziale Gewalt

Soziale Gewalt wird als Teil der psychischen Gewalt aufgefasst.

Der Begriff soziale Gewalt vermittelt uns, dass Täter bereits gewalttätig sind, wenn sie das soziale Leben ihrer Partnerinnen oder Ehefrauen einschränken.

In einem Infoblatt heißt es:

Soziale Gewalt umfasst Einschränkungen im sozialen Leben einer Person wie Bevormundung, Verbot oder strenge Kontrolle von Familien- und Aussenkontakten, Einsperren oder auch das Verbot des Erlernens der Landessprache.

https://www.humanrights.ch/cms/upload/pdf/170307_informationsblatt1definitionformenundfolgenhaeuslichergewalt.pdf

In einer gleichberechtigten Partnerschaft oder Ehe sind solche sozialen Einschränkungen nicht vorstellbar. Da Täter dieses Verhalten kaum in der Kennenlernphase zeigen, werden betroffene Frauen mit einer Vielzahl äußerst unangenehmer Gefühle wie Einsamkeit, Fassungslosigkeit, Entsetzen, Ohnmacht, Verwirrung oder Irritation konfrontiert, um nur einige der möglichen Gefühle zu nennen.

Es ist schlichtweg kaum vorstellbar, dass die betroffenen Frauen sich von ihrem Partner oder Ehemann vorschreiben lassen, welche Entscheidungen sie treffen. Wenn ihnen dieses wiederfährt, dann ergeben sich daraus unangenehmste Erfahrungen, die den eigenen Selbstwert dauerhaft in Frage stellen.

Es stellt sich die Frage, wie Männer dahin kommen, ihren Partnerinnen den Kontakt zu Personen zu verbieten. Und es stellt sich die Frage, wie sie sich damit durchsetzen. Dies gilt im besonderen auch für das Einsperren oder das Verbot zum Erlernen der Landessprache.

Wie auch immer es den Männern gelingt, vielleicht auch mit tatsächlichem Gewalverhalten, sind die Auswirkungen auf die Betroffenen Frauen fatal.

Ökonomische Gewalt

Auch ökonomische Gewalt wird als Teil der psychischen Gewalt begriffen.

Im Infoheft heißt es:

Ökonomische Gewalt umfasst Arbeitsverbote oder Zwang zur Arbeit, Beschlagnahmung des Lohnes, wie auch die alleinige Verfügungsmacht über finanzielle Ressourcen durch einen der Partner/-innen oder Zwang zur Mitunterzeichnung von Kreditverträgen.

https://www.humanrights.ch/cms/upload/pdf/170307_informationsblatt1definitionformenundfolgenhaeuslichergewalt.pdf

Auch hier ist nur schwer vorstellbar, dass Männern gelingt, ihren Partnerinnen oder Ehefrauen Arbeit zu verbieten oder sie zu dieser zu zwingen ohne Gewalt. Die Beschlagnahmung des Lohnes, die alleinige Verfügung über Finanzen sowie der Zwang zur Unterschrift sind unglaubliche Phänomene. Deshalb ergeben sich für die betroffenen Frauen unsagbar unangenehme Gefühle gepaart mit der Infragestellung der eigenen Person.

Während das eigene Erleben der Opfer durch die

Der Mythos Macht ausüben

Aus Sicht von Opfern sind alle beschriebenen Handlungen fatal, denn damit verweigern die ‚Täter‘ erwachsenen Frauen ein selbstbestimmtes Leben.

Doch die Motivation der Männer ist entgegen der allgemeinen Auffassung nicht, Macht auszuüben. Diese Behauptung basiert nicht auf den Aussagen der sich selbst reflektierenden Männer, sondern entspringt Erklärungsversuchen aus Sicht der mit Opfern arbeitenden Hilfesysteme und der Opfer selbst.

Wo fängt Häusliche Gewalt für Täter an?

Eines wird vollkommen außer Acht gelassen. Viele Täter befinden sich bereits oder immer noch im Gewaltkreislauf. Eines Tages entscheiden sich Täter zu ihrer ersten Gewaltat und erzeugen Häusliche Gewalt. Da sie sich nicht mit ihrem Fehlverhalten beschäftigen, verbleiben sie im Gewaltkreislauf.

Wenn sie sich nicht in einer Partnerschaft befinden, verharren sie in diesem Kreislauf. Treten Sie in eine neue Beziehung ein, setzen sie alles daran, nicht mehr zuzuschlagen.

Ihre Mittel muten an wie das Ausüben von Kontrolle und Macht. Doch ihre Handlungen sollen einem einzigen Zweck dienen.

Der Aufrechterhaltung Ihres eigenen Bildes von sich als Mann. Denn als Mann dürfen sie auf keinen Fall die Kontrolle verlieren und/oder ohnmächtig werden. Dass sie damit ziemlich sicher scheitern werden, ist den Männern in ihrem Gewaltkreislauf nicht bewußt. Sie merken nicht, welchen Aufwand sie betreiben und geraten dennoch an ihre Leistungsfähigkeit. Ihre Gefühle drängen permanent an die Oberfläche und schleißlich greifen sie zu dem extrmesten Mittel und werden gewalttätig, um ihre Ohnmacht zu beseitigen sowie weitere unangenehme Gefühle.

Häusliche Gewalt durch tätliche Übergriffe und Androhung

Sobald ein Mann (dann) droht, zuzuschlagen oder tatsächlich zuschlägt, erzeugt er Häusliche Gewalt. Die Handlungen, die unter dem Begriff psychische Gewalt erklärt werden, sind vielerorts jedoch ohne Androhungen von Schlägen nicht durchsetzbar, sodass sie mit häuslicher Gewalt einhergehen.

Niemand lässt sich einsperren, wenn er nicht schlimmeres befürchten muss.

Obwohl der Täter sein Opfer schon lange mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert, erzeugt er häusliche Gewalt erst, wenn er sich körperlich übergriffig verhält oder dies androht. Vorher versucht er auf andere Weise, seine Männlichkeit zu bewahren und überschreitet dabei bereits massiv die Grenzen seiner Partnerin oder Ehefrau.

Es ist erschreckend, wenn Opfer die tatsächliche häusliche Gewalt, die ihre Partner oder Ehemänner durch Zuschlagen oder Androhung erzeugen, mehr oder weniger relativieren. Wenn sie formulieren, dass sie das vorherige Verhalten ihres Partners oder Ehemannes, welches nicht die Kriterien für Häusliche Gewalt erfüllt, für sich als wesentlich problematischer erleben, dann ist dies aus Sicht der Opfer nachvollziehbar. Denn ihre Lebensqualität schränken die ‚Täter‘ oftmals seit vielen Jahren massiv ein.

Doch eines muss gesagt sein. Mit den Grenzverletzungen, die nicht mit körperlicher Gewalt einher gehen, erzeugen Männer sehr unangenehme Gefühle. Doch sie sind mit körperlichen Übergriffen oder deren Androhung keinesfalls zu vergleichen und dementsprechend nicht gleich zu setzen.

Wo fängt häusliche Gewalt also an?

Zusammenfassung (Auszug):

  • Häusliche Gewalt fängt nicht an, sondern Täter erzeugen sie, wenn sie zuschlagen oder dies androhen
  • Männer erzeugen Häusliche Gewalt nicht, wenn sie beleidigen oder abwerten
  • Männer erzeugen keine Häusliche Gewalt, wenn sie das Smartphone ihrer Partnerin oder Ehefrau kontrollieren, es sei denn, sie drohen mit Schlägen oder schlagen tatsächlich zu, um an das Smartphone zu kommen.
  • Täter erzeugen Gewalt, wenn sie mit der Androhung eines tätlichen Übergriffs ihre Partnerinnen oder Ehefrauen einsperren
  • Täter erzeugen Gewalt, wenn sie unter Androhung oder mit körperlichen Übergriffen ihre Partnerinnen oder Ehefrauen zu etwas zwingen oder ihnen etwas verwehren; zum Beispiel Unterschriften, Arbeit bzw. soziale Kontake.

Es ist wichtig zu differenzieren. Wenn sich zum Beispiel die Auffassung hält, dass eine Beleidigung bereits häusliche Gewalt darstellt, dann bekommen Täter die Legitimation, aus Notwehr zuzuschlagen. Denn sie würden sich aus ihrer Sicht lediglich gegen die Häusliche Gewalt ihrer Partnerin oder Ehefrau wehren.

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