Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit – Michael Winterhoff

Michael Winterhoff versucht in seinem Buch Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit zu erklären, warum Kinder Tyrannen werden. Ich habe mich gefragt, ob Kinder tatsächlich zu Tyrannen werden (können).

Um dieser Frage nachzugehen, schaue ich mir zunächst an, was einen Tyrannen ausmacht.

Anschließend gehe ich auf den Titel und die Kernaussagen des Buches ein.

Was ist ein Tyrann?

Tyrann steht für:

den Inhaber der Tyrannis, einer unumschränkten Einzelherrschaft, die auf einen gewaltsamen Umsturz zurückgeht, in Staaten der antiken griechischsprachigen Welt

einen Machthaber, der eine Tyrannei (Gewalt-, Willkür- und Schreckensherrschaft) ausübt

in der Zoologie die Vogelfamilie der Tyrannen

https://de.wikipedia.org/wiki/Tyrann

Wikepedia läßt also den Eindruck entstehen, dass der Begriff des Tyrann bei diesem Thema fehl am Platze ist.

Gewaltherrscher, Despot

https://www.duden.de/rechtschreibung/Tyrann

(im antiken Griechenland) ohne gesetzliche Bindungen herrschender Alleinherrscher; [grausamer] Gewaltherrscher

https://www.duden.de/rechtschreibung/Tyrann

autoritäre Person, die ihre Stellung, Macht dazu missbraucht, andere, besonders Abhängige, Untergebene, zu tyrannisieren

https://www.duden.de/rechtschreibung/Tyrann

Der Duden stellt fest, dass ein Tyrann eine autoritäre Person ist, die anderen Mitmenschen gegenüber ihre Macht missbraucht.

Kinder, die Tyrannen sind, müßten also Macht über Eltern, Lehrer oder Erwachsene im allgemeinen haben und diese gezielt einsetzen.

Geht es um Tyrannen?

Mir fehlt etwas wesentliches dafür, dass Kinder Tyrannen werden. Kinder sind keine autoritären Personen, sondern sie sind Kinder. Der Titel ist sicher dazu geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen und Kaufinteresse zu wecken.

Der zweite Teil des Titels gibt mehr Aufschluss darüber, was den Leser erwartet. Es geht tatsächlich um die Kindheit als Institution, die verloren geht. Allerdings wird hier nicht deutlich darauf hingewiesen, wer für die sogenannte Abschaffung der Kindheit* verantwortlich ist. Denn die Antwort ist unpopulär.

Beziehungsverhalten

Alle Erwachsenen, die Kinder erziehen, müssen mit dem Buch von Michael Winterhoff aufpassen, den ihnen anvertrauten Kindern nicht die Kindheit zu rauben. Dies können sie aktiv verhindern, indem sie ihr Beziehungsverhalten den Kindern gegenüber überprüfen und verändern.

Das ist die Kernaussage des Buches Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Denn heute ist es zunehmend so, dass Kinder* die Erwachsenen, also Eltern, Lehrer, Sozialpädagogen und andere Fachkräfte steuern.

Eltern, Erzieher, Sozialpädagogen, Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte sind also gefordert, wenn sie dieses Buch gelesen haben.

Eltern begegnen ihren Kindern heute (immer noch zunehmend) partnerschaftlich, unterwürfig oder symbiotisch.

Michael Winterhoff zeigt auf, dass sich das Beziehungsverhalten von Eltern gesellschaftlich entwickelt und zwar mit einer schädigenden Wirkung auf die Psyche von Kindern.

Der Autor weist eindrücklich darauf hin, dass Kinder auch ihre Psyche entwickeln müssen und dieser Umstand in öffentlichen Debatten viel zu kurz kommt.

Partnerschaftlicher Umgang mit Kindern

Wenn Eltern ihre ureigensten Probleme mit ihren Kindern besprechen, handelt es sich um einen partnerschaftlichen Umgang. Kinder werden damit massivst überfordert und ihre Psyche nimmt Schaden.

Unterwürfiger Umgang mit Kindern (Projektion)

Wenn Eltern ihr eigenes Glück und ihre Zufriedenheit an ihre Töchter und Söhne knüpfen, handeln sie ihren Kindern gegenüber unterwürfig. Die Folgen sind ebenfalls fatal.

Verschmelzender Umgang mit Kindern (Symbiose)

Wenn Eltern ihre Kinder nicht als Kind wahrnehmen, sondern als einen Teil von ihnen selbst, sind Eltern und Kind in einer Symbiose verhaftet. Kinder werden von Eltern als ein Körperteil verarbeitet, die Kinder selbst sind nicht in der Lage, Menschen als Wesen mit eigenen Bedürfnissen zu erfassen.

Grosseltern und Fachkräfte passen sich an

Michael Winterhoff* weist auch darauf hin, dass sich nicht nur Grosseltern, sondern auch KITA’s und Schulen zunehmend an die neue Generation von Kindern anpassen.

Für KITA’s und Schulen bedeutet dies die Aufgabe von Fachlichkeit. KITA und Schule bieten Kindern immer seltener ein Korrektiv.

Fazit

Das Buch Warum Kinder zu tyrannen werden ist definitiv kein Erziehungsratgeber*.

Es ist vielmehr ein Zustandsbericht, liefert damit Informationen und klärt darüber auf, dass sich die Psyche bei Kindern nicht von selbst entwickelt.

Für Eltern bietet das Buch wichtige Impulse zur Auseinandersetzung mit ihrem Erziehungs- und Beziehungsverhalten. Der Titel des Buches ist aus meiner Sicht mehr als unglücklich gewählt, denn er fokussiert negativ auf die Kinder, die für das Beziehungsverhalten ihrer Eltern nicht verantwortlich sind.

Für Fachkräfte handelt es sich um ein Buch, welches diese zwingend lesen sollten. Aber Achtung; den Arbeitsalltag in KITA’s und Schulen kann dieses mental erschweren oder erleichtern.

Warum unsere Kinder Tyrannen werden - Michael Winterhoff

7

Lesbarkeit

8.0/10

Verständlichkeit

7.5/10

Klärt Eltern auf

8.0/10

Klärt Fachkräfte auf

10.0/10

Gibt Eltern Rat

1.5/10

Gibt Fachkräften Rat

3.0/10

Autor ist Fachkraft

10.0/10

Preis/Leistung

8.0/10

Vorteile

  • Hoch aktuell (obwohl Erstveröffentlichung 2009)
  • Pflichtlektüre für Fachkräfte und Entscheidungsträger in der Bildung

Nachteile

  • Irreführender Titel
  • Für Laien teilweise recht anspruchsvoll

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 78 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

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