Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht

Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht ist das Ergebnis einer Studie. Damit ist zunächst einmal zweierlei gemeint.

Zum einen haben viele Kitas mit einem Personalmangel zu tun. Dadurch ist es vielen Einrichtungen nicht möglich, ihre räumlichen Kapazitäten zu nutzen.

Zum anderen sind Kitas in Teilen alt, also ihre Gebäude, und somit schlecht ausgestattet.

Das geht aus einer Studie hervor, die laut Spiegel Online im Sommer 2021 vom paritätischen Wohlfahrtsverband durchgeführt wurde.

Ich gehe auf diese Studie in meinem Artikel näher ein. Dabei versuche ich auch zu illustrieren, warum ich es ganz und gar nicht für erstaunlich halte, dass deutsche Kitas alarmierend schlecht sind.

Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht durch den gesellschaftlichen Anspruch

Der Anspruch an deutsche Kitas ist in den letzten Jahren in mehrfacher Hinsicht gewachsen.

Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht durch Rechtsanspruch

Ein wesentlicher Anspruch an Kitas ergibt sich durch den Rechtsanspruch von Kindern ab dem 1. Lebensjahr, also letztendlich ihrer Eltern, auf Betreuung. Wenn Kitas diesem Anspruch nicht genügen oder besser gesagt die zuständige Behörde, können Eltern den Platz für ihren Nachwuchs einklagen. Es liegt auf der Hand, dass dies zu Verwerfungen und Unzufriedenheiten führen muss. Wenn es Eltern gelingt, ihren Anpruch dennoch durchzusetzen, singt in der jeweiligen Kita der Personalschlüssel, zulasten der Erzieherinnen und Erzieher. Dabei beklagen viele Fachkräfte auch ohne diese Schwierigkeiten die vorgesehenen Personalschlüssel.

Die aktuellen Personalschlüssel sind offenbar teilweise auch nicht mehr zeitgemäß, weil die Standorte unterschiedliche Anforderungen an die betreuerische Arbeit nach sich ziehen. Kinder aus armen Verhältnissen hätten laut Aussagen in der Studie mehr entwicklungsbezogene Defizite. Diese Kinder benötigen mehr Aufmerksamkeit als Kinder aus weniger belasteten Elternhäusern. Dies ist selbstverständlich längst kein Geheimnis mehr.

Rechtsanspruch auf Stunden in Kitas

Der Rechtsanspruch bezieht sich auch auf die Stunden, die eine Kita Betreuungszeit für ein Kind anbieten muss. So haben Kinder Anspruch auf mindestens 20 Stunden pro Woche. Im Extremfall, zum Beispiel bei entsprechender beruflicher Situation der Eltern, kann ein Anspruch von 45 Stunden pro Woche gegeben sein!!!

Man muss doch kein Prophet sein, dass dieses Anpruchsdenken Probleme verursacht. Es kann doch keine Überraschung sein, dass die Zahl der Menschen in Deutschland, die Lust auf eine Tätigkeit in einer Kita haben, ihre Grenzen hat.

Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht durch pädagogischen Anspruch

Gleichzeitig wächst der Anspruch an die pädagogische Arbeit in deutschen Kitas.

Sollten deutsche Kitas früher einfach nur den Kontakt zu Gleichaltrigen unter Beobachtung Erwachsener ermöglichen, sollen Kitas heute zunehmend das leisten, was Aufgabe der Mütter und Väter von Kindern ist. Da geht es um grundlegende Erziehung und die Sprachentwicklung. Um Gruppenfähigkeit und Impulssteuerung, um nur einige Aspekte zu benennen.

Diese neuen Ansprüche in pädagogischer Hinsicht ergeben sich auch, weil Erziehung heute mehr oder weniger in der Krise steckt. Die elterlichen Aufgaben nehmen, ja wie soll man es sagen, längst nicht alle Eltern wahr. Das liegt auch an den Diskussionen, die rund um Erziehung in der Gesellschaft stattfinden. Da ist von Erziehung auf Augenhöhe die Rede. Es gibt Eltern, die daraus ableiten, ihren Kindern keine Grenzen mehr aufzeigen zu dürfen oder wollen. Eine Folge kann beispielsweise sein, dass das ein oder andere Kind überhaupt nicht sozialfähig ist.

Mangelnde Sprachfähigkeiten machen deutsche Kitas schlecht

Während die Sprache bei Kleinkindern keine Rolle spielt, wird diese bei der Betreung von Kindern ab dem 2. Lebensjahr zunehmend wichtiger. Die Bildung der Sprache obliegt normaler Weise den Eltern. Es liegt auf der Hand, dass Kleinkinder so früh wie möglich durch Ansprache die eigene Muttersprache hören sollten, um ihre eigene Sprache entwickeln zu können.

Doch eine Entwicklung trägt hier ihren Teil dazu bei, dass immer mehr Kinder mangelnde Sprachfähigkeiten entwickeln. Die immer frühere Zugänglichkeit zu digitalen Medien wie Spielkonsole oder Tablet verhindert in vielen Familien den wahren Kontakt zwischen Kindern und Eltern. Es ist immer wieder erschreckend, zu beobachten, wenn Mütter oder Väter sich mit ihrem Smartphone beschäftigen anstatt mit ihren Söhnen oder Töchtern.

Selbstverständlich wachsen die Schwierigkeiten hinsichtlich der Sprachfähigkeiten überproportional je mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Kita besuchen. Wenn diese Kinder selbst ihre Muttersprache nicht optimal erlernen, werden sie auch mit der deutschen Sprache eher zusätzliche Probleme haben.

Schwieriges Klientel – Höhere Anforderungen an das Personal

Je gravierender die Entwicklungsverzögerungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern sind desto höher wird der Anspruch an die fachliche Kompetenz des Personals.

Im Klartext heißt dies, dass die eine oder der andere Erzieher(in) nachvollziehbar überfordert wird. Eine dauerhafte fachliche Überforderung wirkt sich wiederum auf die Arbeitszufriedenheit und dann auch auf die Betreuungsarbeit für andere Kinder aus.

Es ist auch zu lesen, dass Leitungen von Kitas mit Arbeit zugeschüttet werden. Damit sind sie in der deutschen Arbeitslandschaft jedoch nicht allein.

Auch die Elternschaft ist in mehrlei Hinsicht ein Faktor. Eltern bringen ihre Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen in die Kita. Sind Eltern dazu ‘gezwungen’, weil sie beide berufstätig sind, sind die Vorraussetzungen für die Zusammenarbeit mit einer Kita andere als bei Eltern, die andere Gründe oder Motive haben.

Alarmierend ist nicht, dass deutsche Kitas schlecht sind

Es ist nicht verwunderlich, dass Kitas den Anprüchen nicht genügen können. Denn die Anforderungen sind qualitativ und quantitativ seit Jahren kontinuierlich gestiegen. Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht, weil sie systematisch überfordert werden. Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht, weil sie niemals das erforderliche Personal beschäftigen werden und können. Deutsche Kitas sind alarmierend schlecht, weil sie zunehmend die Aufgaben der Sozialämter übernehmen müssen.

Also ist es vielemehr auch alarmierend, dass die deutsche Gesellschaft die komplette Verantwortung für Kinder in Deutschland auf das Personal der Kitas legt ohne die eigenen Anteile auch nur im Ansatz zu hinterfragen.

Die Anteile sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Zunehmende Notwendigkeit der beruflichen Tätigkeit beider Elternteile
  • Erziehung findet oft nicht mehr statt
  • Kindheit geht verloren
  • Ruf nach Medienkompetenz und früher Heranführung von Kindern durch die IT Branche
  • Rechtsanspruch auf Kitaplatz und Einklagbarkeit

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