Erziehung und Erziehungsstile

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Erziehungsstile kategorisieren Erziehung beziehungsweise Erziehungsverhalten. Anders gesagt ergaben sich Erziehungsstile aus der Beobachtung von Erziehenden, also Erziehern, Lehrern und Eltern.

Welches Erziehungsverhalten empfehlenswert ist, diskutiert man auch heute anhand von Erziehungsstilen.

In meinem 2. Artikel meiner Artikelserie Was bedeutet Erziehung? gehe ich der Frage nach, ob die Wissenschaft mit der Beschreibung von Erziehungsstilen Eltern eine Orientierung bieten konnte.

Dazu schaue ich mir zunächst unterscheidliche Beschreibungen von Erziehungsstilen an und konzentriere mich dabei zunächst auf die Extemformen Autoritärer Erziehungsstil und Antiautoritäter Erziehungsstil. Anschließend untersuche ich den demokratischen Erziehungsstil.

Erziehungsstile und verschiedene Quellen

Autoritärer Erziehungsstil und Erziehung in der Praxis

Autoritärer Erziehungsstil bei msn.com

Auch hier werden Gehorsam und strenge Disziplin vorausgesetzt. Je nach Umsetzung folgen Belohnungen oder Bestrafungen. Erwartungen an das Kind werden beim autoritären Erziehungsstil klar definiert. Das hierarchische Gefälle zwischen Kind und Eltern wird in der Interaktion deutlich gemacht. Dazu gibt es eine strenge Kontrolle zum Beispiel, welchen Hobbys das Kind nachgehen oder mit welchen Freunden es sich umgeben darf. Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit des Kindes und das Selbstwertgefühl werden dabei unterdrückt.

https://www.msn.com/de-de/lifestyle/leben/erziehungsstile-welche-gibt-es-und-was-bedeuten-sie/ar-BB1bcZRu

Autoritärer Erziehungsstil bei familie.de

Was heißt eigentlich autoritär? Dieser Erziehungsstil ist geprägt von Strenge, Gehorsam, Disziplin und hohen Ansprüche. Lob erhalten die Kinder nur sehr selten und auch Liebe und Fürsorge erfährt der Nachwuchs (zu) selten.
Hört das Kind nicht prompt auf die Anweisungen, drohen Strafen und Konsequenzen. Die Bedürfnisse der Kinder werden ignoriert und die der Eltern darüber gestellt. Geprägt ist die autoritäre Erziehung durch ein extremes Machtgefüge, was die Eltern dem Kind auch entsprechend signalisieren.

https://www.familie.de/kleinkind/autoritaere-erziehung-definition-und-beispiel/

Autoritärer Erziehungsstil bei netpapa.de

Ein Kennzeichen des autoritären Erziehungsstils ist die strenge hirarchische Grundeinstellung. Der Erzieher bzw. die Eltern stellen den dominanten Part dar, das Kind hat bedingungslos zu gehorchen.
Die Meinung des Kindes wird nicht gehört, seine eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen nicht berücksichtigt. Hinter dem autoritären Erziehungsstil steht die Auffassung, dass ein Kind Führung und eine strenge Hand bräuchte, damit keine Disziplinlosigkeit Einzug hält. Diese Grundeinstellung des autoritären Erziehungsstils hat zur Folge, dass hier mit Methoden von Belohnung und Bestrafung gearbeitet wird. Strenge Regeln und Anweisungen bestimmen den Umgang mit dem Kind, Widerspruch wird nicht geduldet.  Bei „Fehlverhalten“ des Kindes drohen schwere Strafen und Maßregelungen. Dementsprechend herrscht in einem autoritären Elternhaus ein eher rauher und kühler Umgangston.

https://www.netpapa.de/vatersein/autoritaere-erziehung/

Zusammenfassung Autoritärer Erziehungsstil

Gehorsam, Disziplin, Belohnung und Bestrafung, Regeln, Kontrolle, Führung, Selten Lob, keine Liebe, keine Fürsorge

Gehorsam und Disziplin nennen alle 3 Beschreibungen. Es ist immer von einem Gefälle die Rede, die Eltern befinden sich über den Kindern.

Belohnung und Bestrafung sind ebenfalls Teil sämtlicher Beschreibungen. Die 1. Beschreibung erwähnt auch Kontrolle als Teil des autoritären Erziehungsstils, die 3. Beschreibung weist darauf hin, dass Kinder gar nicht oder (zu) selten gelobt werden und dass strenge Regeln und Anweisungen vorhanden bzw. gemacht werden.

Die Befürfnisse des Kindes spielen laut 2. und 3. Beschreibung keine Rolle.

Während laut 1. Beschreibung die Entfaltung der Persönlichkeit von Kindern unterdrückt wird, betont die 2. Beschreibung, dass Eltern Macht über ihre Kinder ausüben. In der 3. Beschreibung wird Führung als Erziehungsverhalten betont.

Antiautoritärer Erziehungsstil und Erziehung in der Praxis

Antiautoritärer Erziehungsstil bei kinderinfo.de

Ein starres Konstrukt ist bei der antiautoritären Erziehung nicht vorhanden, vielmehr verbirgt sich hinter der Erziehungsmethode eine Art Lebensform. Dabei geht der antiautoritäre Erziehungsstil in erster Linie auf die Annahme der Begründer zurück, dass der Mensch von Natur aus gut sei und demzufolge keine elterliche Beeinflussung nötig ist, um sich als Kind frei entfalten zu können. Die antiautoritär erzogenen Kinder sollen somit selbst entscheiden, was gut für sie ist, und sich den Erwachsenen nicht mehr unterordnen müssen.

Bei Problemen oder Fragen bieten die Eltern diverse Entscheidungsmöglichkeiten an, aus welchen schon junge Kinder frei wählen dürfen. Als Gegenpol zur autoritären Erziehungsmethode läuft die antiautoritäre Art der Kindererziehung ohne Zwänge ab, was wiederum die Selbstentfaltung des Kindes fördern soll. Indem die Kinder mehr oder weniger freie Hand haben und selbst bestimmen können, was sie tun möchten, soll unter anderem die Spontanität, die Kreativität, die Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein, die Selbstständigkeit sowie die Unabhängigkeit positiv beeinflusst werden.

Somit steht die antiautoritäre Erziehung vor allem für die Selbstentfaltung der Kinder und kommt dabei mit wenigen Regeln und weitestgehend ohne starre Grenzen aus. Allerdings sieht diese Form der Kindererziehung vor, dass die Eltern motivierend und zugleich einlenkend agieren, sollte dies nötig sein. Gleichzeitig zielt die antiautoritäre Erziehung darauf ab, die Gemeinschaftsfähigkeit auszubauen und somit das soziale Miteinander zu fördern.

https://www.kinderinfo.de/ratgeber/antiautoritaerer-erziehungsstil/

Antiautoritärer Erziehungsstil bei kita.de

Starre Grenzen, ein geregelter Alltag und jede Menge Vorschriften, auf all dies verzichten Eltern, die sich für den antiautoritären Erziehungsstil entscheiden.
Das große Ziel der in den 1960er und 1970er Jahren entstandenen Methodik liegt in der freien Persönlichkeitsentwicklung ohne jedwede Zwänge.
Insbesondere bei den bis dahin üblichen sehr starren Erziehungskonzepten ist die Entstehung des kompletten Gegenstücks fast eine logische Konsequenz der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Blinder Gehorsam und ein straff organisiertes Leben nach den Vorstellungen der Eltern sollte nicht mehr länger maßgebend sein.
Nach der Definition der antiautoritären Erziehung sollen Kinder nicht bloß erzogen werden, sondern sich vielmehr selbst erziehen. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen lernen Kinder, eigene Regeln zu entwickeln und sich gleichzeitig ganz ohne Vorgaben entsprechend ihrer eigenen Wünsche auszuprobieren. Besonders in kreativer Hinsicht bieten sich hier viele Möglichkeiten.

https://www.kita.de/wissen/antiautoritaere-erziehung/

Zusammenfassung Antiautoritärer Erziehungsstil

Art Lebensform, keine Unterordnung, sich selbst erziehen, keine oder wenig starre Grenzen, keine Zwänge, freie Entfaltung

Dieser Erziehungsstil ist als Gegenentwurf der Anpassung im autoritären Erziehungsstil als eine Art Lebensform entstanden. Keine Unterordnung und keine Erziehung in irgendeine Richtung, sondern Kinder sollten oder durften sich vornehmlich selbst erziehen. Dieser Aspekt kommt in beiden Beschreibungen des Antiautoritären Erziehungsstils vor.

Grenzen waren verpönt, ebenso Zwänge, denn Kinder sollten sich in erster Linie selbst entfalten können, so heißt in allen Beschreibungen mehr oder weniger.

Demokratischer Erziehungsstil und Erziehung in der Praxis

Demokratischer Erziehungsstil bei Kita.de

Der Begriff des demokratischen Erziehungsstils ist weitgehend selbsterklärend. Per Definition sollen Kinder lernen, gemeinsam mit ihren Eltern oder aber der jeweiligen Kindergartengruppe Entscheidungen zu fällen.

Im Vergleich mit anderen Erziehungsstilen befindet sich die demokratische Kindererziehung im mittleren Spektrum. Es existieren auf der einen Seite klare Regeln, sodass Kinder lernen, sich an Grenzen zu halten. Auf der anderen Seite soll die möglichst freie Entwicklung eines Kindes nicht gefährdet werden. Regeln sind also nur notwendig, um dem Leben einen Rahmen zu geben, in welchem sich die Kinder möglichst frei bewegen können.

Die demokratische Erziehung setzt auf weitgehende Mitbestimmung von Kindern. Die Eltern oder Erzieher geben zwar eine generelle Richtung an, ermöglichen es den Kindern allerdings stets, ihre eigenen Ideen zum Thema zu äußern.
Mit zunehmendem Alter finden die Belange der Kinder mehr Berücksichtigung. Jedoch gilt es für Eltern und Erzieher kleiner Kinder, Verständnis zu zeigen und die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen.

https://www.kita.de/wissen/demokratischer-erziehungsstil/

Demokratischer Erziehungsstil bei familie.baby.de

Die Hierarchie zwischen Eltern und Kind ist bei diesem Erziehungsstil ebenfalls eher flach. Es dominiert das demokratische Prinzip der Gleichberechtigung. Daher wird auch das Kind in seinen Sichtweisen berücksichtigt und in viele Entscheidungen mit einbezogen. Das Ziel ist auch hier, dass es sich zu einem selbstständig denkenden Erwachsenen entwickelt. Dennoch werden dem Kind klare Regeln vermittelt, die es einzuhalten gilt. Innerhalb dieser Regeln gestehen die Eltern ihm aber viel Freiraum zu. Typisch demokratisch: Innerhalb der Familie wird viel kommuniziert, erklärt, diskutiert.

https://familie.baby/erziehungsstile/

Demokratischer Erziehungsstil focus.de

Der demokratische Erziehungsstil vereint die Regeln und Gebote des autoritären Erziehungsstils und die Freiheiten des Laisser-faire-Stils. Kinder treffen Entscheidungen zusammen mit ihren Eltern. So können sich die Kinder zu selbstständigen und selbstdenkenden Persönlichkeiten entwickeln. Diskussionen zwischen Eltern und Kind sollten auch an der Tagesordnung stehen.

https://praxistipps.focus.de/erziehungsstile-das-sind-die-3-bekanntesten-formen-der-kindererziehung_110694

Zusammenfassung Demokratischer Erziehungsstil

Mit diesem Erziehungsstil gibt es Grenzen. Diese kommen in allen Beschreibungen vor. Kinder werden in Diskussionen einbezogen und dürfen Entscheidungen laut aller 3 Beschreibungen selbst treffen oder gemeinsam mit ihren Eltern treffen.

Im Vordergrund steht, dass Kinder zu selbständigen und selbstdenkenden Persönlichkeiten werden. Die freie Entwicklung von Kindern soll somit nicht gefährdet werden.

Erfahrungen mit autoritärem und antiautoritären Erziehungsstil

Die Erfahrungen mit dem autoritären und antiautoritären Erziehungsstil liegen lange zurück. Die Gesellschaft hat allgemein anerkannt, dass diese als nicht mehr zeitgemäß anzusehen sind.

Somit beinhalten diese Erziehungsstile keine für die Erziehung ggeigneten Erziehungsverhalten. Dazu gehören also (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Gehorsam einfordern
  • Disziplin einfordern
  • Strenge Regeln
  • Anweisungen
  • Kein Lob
  • Belohnung
  • Bestrafung
  • Kontrolle
  • Unterdrückung
  • Machtausübung
  • Führung
  • Keine Grenzen setzen
  • Unterordnung nicht fordern
  • Keine Zwänge vermitteln
  • Selbsterziehung

Erziehungsstile und Auswirkungen auf neuzeitliche Erziehung

Ich bekomme nun eine Ahnung, warum beispielsweise ernsthaft hinterfragt wird, ob Eltern ihren Kindern Regeln vermitteln dürfen oder Grenzen setzten sollten. Führung ist nach den Erfahrungen mit dem autoritären Erziehungsstil verboten, wird allerdings unter anderem von Jesper Juul in seinen Büchern eingefordert.

Da entsteht ziemlich offensichtlich ein Widerspruch.

Außerdem ergeben sich also aus der Zusammenfassung von Erziehungsverhalten in Erziehungsstilen für die Erziehung bestimmte No Go’s.

Dieser Ausschluß von Erziehungsverhalten verkompliziert und erschwert für Eltern die Erziehung.

Demokratischer Erziehungsstil als Lösung?

Grundsätzlich gilt der demokratische Erziehungsstil als anerkannter Kompromiss zwischen autoritärem und antiautoritärem Erziehungsstil. Für den ein oder anderen mag dies auch der Autoritative Erziehungsstil sein. Bei diesem steht der Dialog zwischen Eltern und Kindern im Vordergrund.

Beide Erziehungsstile fassen lediglich zusammen, dass Eltern nun doch gewisse Grenzen setzen sollten und eine Einbeziehung der Kinder in Diskussionen und im Dialog gewährleisten sollten. Konkretes Erziehungsverhalten ergibt sich aus diesen Erziehungsstilen nicht.

Wie bereits gesagt fassen Erziehungsstile Verhaltensweisen zusammen. Mit der Kategorisierung durch Erziehungsstile werden für heute und jetzt bestimmte Erziehungsverhalten für Eltern schlichtweg verunmöglicht, wollen sie nicht als schlechte Eltern dastehen.

Erziehungsmethoden in der privaten Erziehung

Empfehlungen bieten Erziehungsstile grundsätzlich nicht. Durch die Idee der Erziehungsstile sind vielmehr Erwartungen seitens der Eltern und andere auf ihre Kinder ausgerichtete ‚Ansätze‘ zweifelhaft geworden.

Für Eltern bedeuten Erziehungsstile eindeutig ein Mangel an Handlungsalternativen und keine Orientierung für die eigene Erziehung.

Erziehungsstile erschweren Erziehung auch für Dich?

Erziehungsstile machen aus Erziehung etwas statisches. Erziehung verliert durch Erziehungsstile das Persönliche, welches sich aus der jeweiligen Konstellation zwischen Mutter und Tochter, Mutter und Sohn, Vater und Tochter sowie Vater und Sohn ergibt.

Erziehungsstile mögen bestenfalls Hinweise darauf geben können, welche Erziehungsverhalten Erzieher, Lehrer, Mütter oder Väter jeweils als Einzelperson auf sich vereinen.

Tatsächlich sind sie indirekt mitverantwortlich für die kaum gewinnbringenden Diskussionen zur Erziehung. Damit erzeugen auch sie Verunsicherung bei den Eltern.

Wie erlebst Du die Erschaffung von Erziehungsstilen? Erlebst Du dies als hilfreich oder hast Du den Eindruck, dass Erziehungsstile Dir als Mutter oder Vater Probleme bereiten?

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