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Wieso immer noch Elterntaxis?

Wieso immer noch Elterntaxis

Es ist nach wie vor unklar, wieso es immer noch Elterntaxis in Hülle und Fülle gibt. Ich habe bereits darauf hingewiesen, welche Folgen das Verhalten von Helikopter-Eltern für die betroffenen Kinder hat. Umso mehr habe ich mich über einen Artikel gewundert, in dem über eine Schule in Stolberg bei Aachen berichtet wird.

Es ist offenbar, dass Kinder oder Jugendliche mit den Umständen rund um Elterntaxis unzufrieden sind oder sein können. Im folgenden setze ich mich deshalb noch einmal umfassender mit dem Phänomen Elterntaxis in der Neuzeit auseinander.

Getakteter Alltag und deshalb Elterntaxis

Im verlinkten Artikel wird als Erklärung herangezogen, dass Eltern heute einen durchgetakteten Alltag haben. In diesem Alltag soll es für Eltern einfacher sein, ihre Töchter oder Söhne zur Schule zu fahren anstatt diese selbst dorthin gehen oder fahren zu lassen.

Ich denke, dass dies bei der Mehrheit der Eltern nicht der Fall ist. Denn es muss folgendes zusammen kommen:

  • Schulanfang 8 Uhr (Beispiel)
  • Beide Eltern berufstätig
  • Bei mindestens einem Elternteil Arbeitsbeginn passend zum Schulbeginn und Schulweg entlang des Weges zur Arbeit

Es ist wohl klar, dass die Gründe nur auf wenige Elternpaare zutreffen. Doch wie kann es sein, dass Mütter und Väter selbst am Gymnasium wie in Stolberg ihre Kinder fast in die Schule fahren?

Die Entwicklungen hinsichtlich Erziehung untersuche ich derzeit in einer großen Artikelserie mit dem Titel Was bedeutet Erziehung?. Ich denke, ein wesentlicher Aspekt ist, dass Eltern verunsichert sind und nicht mehr wissen, ob und wann sie ihre Fürsorge für ihre Kinder minimieren sollten.

Wieso immer noch Elterntaxis am Gymnasium

Kinder am Gymnasium sind mindestens 10 Jahre alt. Eltern setzen Kinder den Gefahren durch Inhalte im Internet aus. Sie sind allerdings nicht in der Lage, Kindern das ‘Abenteuer’ Schulweg zuzutrauen, obwohl sie 10 Jahre und älter sind? Im Artikel wird über ein Gymnasium berichtet, an dem 18-jährige Schüler aktiv werden, um Eltern auszubremsen.

Ich habe bereits einen Leitfaden erstellt, in dem auch nachzulesen ist, was Kinder benötigen, die zwischen 6 und 12 Jahren alt sind. In dieser Altersspanne spielt Fürsorge zwar eine Rolle, allerdings abnehmend. Das bedeutet, dass ein Kind mit 6 Jahren mehr Fürsorge braucht als ein 10-jähriges Kind.

Wiedersprüchliches Elternverhalten in der Erziehung

Es ist ein Widerspruch, dass Kinder für eine ‘gute’ Bildung das Gymnasium besuchen und gleichzeitig daran gehindert werden, sich hinsichtlich ihrer Körperlichkeit und Lebenstüchtigkeit zu bilden.

Einen ersten Hinweis bietet ein Artikel bei Buten und Binnen. Dieser berichtet aus der Gemeinde Oyten bei Bremen, in der eine Zufahrtsstraße zu einer Schule gesperrt wurde. Damit möchte man dem Phänomen Elterntaxis begegnen.

Dort heißt es auch:

Die Verkehrswacht empfiehlt Eltern daher, ihre Kinder zur Einschulung ein paar Wochen auf dem Schulweg zu begleiten und sie behutsam darauf vorzubereiten, eigenständig zur Schule zu laufen oder zu fahren: mit Bus, Bahn oder Fahrrad.

https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/elterntaxi-verkehrswacht-bremen-schulzentrum-oyten-100.html

Verkehrsexperte: Kinder fahren schlechter Rad

Aber das ist doch selbstverständlich die Aufgabe von Eltern? Das nennt man Verkehrserziehung, wenn ich mich nicht irre. Weiter heißt es:

Allerdings könnten Bremens Schüler oftmals gar nicht mehr richtig Rad fahren, stellt Biniok fest. So fielen die Ergebnisse beim Fahrradtraining der Kinder seit Jahren immer schlechter aus. “An die Stelle des Opas, der den Kindern früher das Radfahren beigebracht hat, sind inzwischen leider oft Computer und Handys getreten”, sagt Biniok. Viele Kinder besäßen noch nicht einmal mehr ein eigenes Fahrrad. “Fatal” nennt Biniok diese Entwicklung. Er findet, dass jedes Kind möglichst früh das Radfahren lernen sollte.

https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/elterntaxi-verkehrswacht-bremen-schulzentrum-oyten-100.html

Fahrrad fahren gehört zur sogenannten Allgemeinbildung; besonders in Zeiten von Klimawandel und der Suche nach ‘alternativen’ Fortbewegungsmitteln. Für die Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Fahrrad ist das Beherrschen des Fahrrades gleichzeitg essentiell.

Eigentlich sollte ein Erstklässler spätestens nach den Herbstferien seinen Schulweg allein schaffen, zumindest wenn die Schule nicht allzu weit von zu Hause entfernt ist. Das fördert auch die Selbstständigkeit der Kinder. Sie sind aktiv und bewegen sich draußen an der frischen Luft. Am Anfang kann Mama oder Papa ja ruhig noch mitgehen, so lange, bis der Weg selbstverständlich geworden ist. Hauptsache, die Kinder werden nicht mit dem Auto bis vors Schultor gefahren.”

https://www.zeit.de/hamburg/2019-02/elterntaxi-verkehrserziehung-transportservice-schulkinder-schule-rushhour

Verkehrssicherheit als Argument gegen Elterntaxis

Die Sicherheit vor den Schulen ist das tragende Argument, um gegen Elterntaxis vorzugehen. Entsprechend werden alle möglichen Maßnahmen ergriffen, um Eltern ‘schmackhaft’ zu machen, ihre Kinder nicht mehr zur Schule zu fahren. Mit mäßigem Erfolg.

Unsere Schule liegt in einem Innenhof mit drei Zufahrtswegen, zwei davon Sackgassen. Es ist völlig unnötig, die Kinder bis ans Tor zu fahren. An jedem der drei Wege gibt es eine Kiss-and-go-Zone. Da können die Eltern kurz anhalten, um ihr Kind rauszulassen. Von da sind es noch 80 Meter bis zum Schulhof, ohne weitere Kreuzung. Das schafft jeder Grundschüler allein! Für die Eltern ist es auch stressfreier. Sie sind sogar schneller, weil sie sich das mühsame Hin und Her auf dem Wendehammer ersparen. Trotzdem gibt es Eltern, die weiter bis ans Schultor fahren. Das sind die Unbelehrbaren! Die machen vielleicht so zehn bis 15 Prozent aus.

https://www.zeit.de/hamburg/2019-02/elterntaxi-verkehrserziehung-transportservice-schulkinder-schule-rushhour

15 % der Eltern bieten dennoch ihr Elterntaxi

Das bedeutet, dass an einer weiterführenden Schule mit 400 Kindern jeden Morgen mindestens 60 Autos vorfahren. An einer Schule mit 800 Kindern kommen mindestens 120 Elterntaxis zusammen. Da diese alle gleichzeitig ankommen, ist klar, dass es auch zu Unfallgefahren kommt.

Elterntaxis schon 2013 ein Problem

Einem weiteren Artikel bei der Zeit ist zu entnehmen, dass das Phänomen Elterntaxis nicht mehr ganz so neu ist. Dort wird auch gesagt:

Leven hat im Rahmen einer ADAC-Studie empirische Untersuchungen zu den Motiven ausgewertet und daraufhin Eltern in drei Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe finden sich die sportlich-pragmatischen Eltern, die ihre Kinder “nur mal eben rausschmeißen” wollten. Diese Eltern finden es einfach praktisch, ihre Kinder zur Schule zu bringen, weil sie vielleicht sowieso dort vorbeifahren. In der zweiten Gruppe begründeten Eltern die Fahrt zur Schule mit der Angst vor Verkehrsunfällen. Der Schulweg sei zu unsicher. Eine dritte Gruppe wiederum belaste die Angst, dass ihre Kinder auf dem Schulweg belästigt oder überfallen werden könnten.

https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-04/elterntaxis-schulweg-sicherheit-verkehrsplanung-mobilitaet

Es gibt also angeblich 3 Argumente für das Elterntaxi:

  • Kind mal eben rausschmeißen
  • Angst vor Verkehrsunfällen
  • Angst vor Belästigungen und Überfällen

Der 1. Aspekt ist natürlich kein wirkliches Argument. Denn das Kind muss ja auch irgendwie ins Auto gekommen sein. Also ist bei den Eltern ebenfalls eine bestimmte Motivation vorhanden.

Elterntaxis aufgrund erzeugter (derivater) Angst

Angst ist ein Gefühl und auf der einen Seite nicht diskutierbar. Wenn Eltern allerdings Unfälle, Belästigungen und Überfälle sozusagen vorwegnehmen, dann erzeugen sie ihre Angst selbst.

Selbstreflexion und Verantwortungsübernahme

Eltern, die ihre Kinder auch heute (noch) zur Schule fahren, sollten sich fragen, wieso sie immer noch Elterntaxis bieten. Ist für den eigenständigen Weg zur Schule ein Fahrrad notwendig, sollten Eltern ihrem Kind das Fahrrad fahren beibringen.

Wenn Du als Mutter oder Vater ‘betroffen’ bist, dann beginne Dich selbst zu hinterfragen und beginne, Deine Verantwortung für die Lebenstüchtigkeit Deiner Tochter oder Deines Sohnes sukzessive an sie oder ihn zu übertragen!

Ironie zu Elterntaxis an

Elterntaxis: Bloß keinen Meter zu Fuß zur Schule | extra 3 | NDR
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Ironie zu Elterntaxis aus

Mit dem Video wird vieles auf die Schippe genommen, was man sich vor 20 Jahren nicht hätte vorstellen können.

Wieso immer noch Elterntaxis und eure Erfahrungen als Eltern

Die Hauptmotivation bei Eltern, immer noch Elterntaxi zu sein, ist Angst. Diese Angst ist allerdings nicht aufgrund konkreter Gefahren da, sondern Eltern produzieren diese Angst aus persönlichen Gründen meistens selbst.

Wie ist es bei Dir als Mutter oder Vater? Hast Du Angst und fährst deshalb Deinen Sohn oder Deine Tochter zur Schule? Oder darf Dein Sohn oder Deine Tochter den Weg zur Schule selbst gehen oder fahren?

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