Helikopter-Eltern stehen Kindern im Wege

Helikopter-Eltern ist ein Begriff, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Sinnbildlich schweben sie über ihren Kindern und sind immer zur Stelle.

Helikopter-Eltern fallen vor Schulen auf, behindern scheinbar den Verkehr, erregen mit ihrem überfürsorglichen Verhalten sehr viel Aufmerksamkeit. Gehen Sie damit ihren Kindern eher auf die Nerven?

Oder finden Töchter und Söhne Gefallen daran, dass ihre Väter und Mütter ihnen alles abnehmen? Diese Frage schaue ich mir in diesem Artikel an.

Was macht Helikopter-Eltern aus?

Wenn Kinder auf die Welt kommen, ist die Freude bei den Eltern im allgemeinen groß. Neugeborene sind klein und brauchen im wesentlichen Fürsorge in Form von Ernährung, Körperkontakt und Aufmerksamkeit. Sie sind also auf ihre Eltern angewiesen.

Um das 2. Lebensjahr beginnt ein Kind mit der Erkundung des eigenen Körpers und der Außenwelt. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Abhängigkeit von den Eltern stetig ab bis Kinder* die meisten Dinge selbst können, wenn Eltern sie lassen. Helikoptereltern gelingt es nicht, ihre Fürsorge sukzessive zu reduzieren.

Überfürgliche Eltern blenden Eigenständigkeit ihrer Kinder aus

Helikopter-Eltern blenden diesen Umstand aus, gestehen Kindern nicht zu, dass sie zwar auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sind, allerdings dennoch eigene Erfahrungen machen müssen und wollen.

Helikopter-Eltern wollen ihren Töchtern und Söhnen unangenehme Erfahrungen ersparen; doch das ist nicht das Leben. Kinder von Helikopter-Eltern bleiben also in einer Art Blase gefangen.

Helikopter-Eltern lassen Psyche ihrer Kinder außer Acht

Das ist für die Entwicklung der Kinder schädlich, wie Michael Winterhoff* in seinem Buch Warum unsere Kinder Tyrannen werden eindrücklich beschreibt. Leider ist der Titel missverständlich, zumindest mit dem ersten Teil. Der zweite Teil des Titels ist Die Abschaffung der Kindheit* und beschreibt die Ausführungen des Autors wesentlich treffender.

Es ist angemessen, dass Eltern ihrer 3-jährigen Tochter die Jacke anziehen. Ein 8-jähriger Junge muss das selbst können und machen.

Es ist wohl unumstritten, dass Kinder Bewegung brauchen. Der Begriff der Helikopter-Eltern ist heute so populär, weil viele Eltern ihre Söhne und Töchter auch im fortgeschrittenen Grundschulalter noch in die Schule fahren. Das ist schlichtweg unangemessen und der psychischen Entwicklung nicht zuträglich.

Helikoptereltern behindern Kompetenzerwerb

Es gibt für Kinder vor der Schule vieles zu lernen. Dazu gehört die Nutzung eines WC’s, das Schuhe zubinden, mit Messer und Gabel essen, Kleidung selbst anziehen, Zähne putzen und einiges mehr. Diese Kompetenzen erlangen Kinder nur, wenn Eltern ihre Kinder machen lassen und ihnen nicht alles abnehmen. Eltern haben die Aufgabe, ihren Kindern zu zeigen wie das eine oder andere geht.

Helikopter-Eltern wollen Kinder vor unangenehmen Gefühlen schützen

Gefühle zu erleben ist ein wesentlicher Aspekt unserer menschlichen Existenz. In unserer Gesellschaft hält sich hartnäckig eine abwehrende Haltung gegenüber unangenehmen Gefühlen, mit daraus resultierenden Entscheidungen.

Überfürsorgliche Eltern nehmen an, dass unangenehme Gefühle zu erleben schädlich für ihre Kinder ist. Das Gegenteil ist der Fall, denn ohne die Wahrnehmung eigener angenehmer und unangenehmer Gefühle sind wir nicht komplett.

Helikopter-Eltern verweigern Beziehung

Auch Kinder haben Grenzen, die sie anhand ihrer Gefühle merken und entdecken können. Da überfürsorgliche Eltern Kindern das Erleben unangenehmer Gefühle auch mit ihnen als Bezugsperson ersparen wollen, geben Eltern ihre Authentizität auf.

Kinder erleben ihre Eltern somit nicht im Original, sondern ein auf das vermeintliche Wohl ausgerichtetes Abziehbild ihrer Mutter und ihres Vaters.

Eltern, die ihre eigenen Grenzen nicht klar haben, können keine Beziehung zu ihren Kindern gestalten.

Fazit

Nur Neugeborene brauchen Fürsorge. Ab dem 2. Lebensjahr brauchen Kinder auf der einen Seite eher Aufmerksamkeit, gleichzeitig das Zutrauen in ihre bereits angelegten Fähigkeiten.

Auf der anderen Seite bewegen sich Kinder von ihren Müttern und Vätern weg, weil sie eigenständig werden wollen und müssen, wenn sie als Erwachsene ihr Leben gestalten (können) sollen.

Nur Eltern, die durch Kontakt zu sich selbst mit ihren Kindern in Beziehung* treten, können diesen Prozess der Verselbständigung angemessen begleiten und unterstützen.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 78 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

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