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Runder Tisch nach Frauenmorden in Österreich

Runder Tisch nach Frauenmorden in Österreich

Ein runder Tisch hat nach den erneuten Frauenmorden in Österreich stattgefunden. Dieser war offensichtlich bereits vorher geplant. Ein runder Tisch ist grundsätzlich aus meiner Sicht fast immer problematisch. Denn an diesem Tisch sitzen meistens diverse Interessenvertreter. Beim runden Tisch in Österreich sollte es eigentlich um Frauen gehen, die (zukünftig) von häuslicher Gewalt bertroffen sind.

Ich schaue mir an, ob und wenn ja welche Ergebnisse zustande gekommen sind.

Runder Tisch in Österreich nach Frauenmorden mit Politik und Gewaltschutzorganisationen

Zunächst einmal fällt auf, dass ein runder Tisch in Österreich nach den Frauenmorden auch mit Vertretern der Täterarbeit stattgefunden hat.

Dies ist wichtig. Denn nur die Arbeit mit den schlagenden Männern kann Häusliche Gewalt eindämmen. Nur so können die Fallzahlen dauerhaft gesenkt werden.

Gewaltschutzeinrichtungen fordern 228 Millionen

Gewaltschutzorganisationen haben am runden Tisch 228 Millionen an zusätzlichen finanziellen Mitteln gefordert.

Größte Gewaltschutzoffensive der letzten Jahrzehnte

Verkündet wurde nun, dass es nur 10% dieser Forderung geben wird. 24,6 Millionen will man zusätzlich zur Verfügung stellen. Die Frauenministerin Susanne Raab verteidigte diese lächerliche Erweiterung des Budjets. Es würde schließlich auch um eine bessere Vernetzung gehen. Sie sprach von der größten Gewaltschutzoffensive in Österreich seit Jahrzehnten.

5 Millionen für Gewaltschutzzentren in Österreich

Während die Politik Gewaltschutzzentren mit 5 Millionen Euro abspeist, erhält die Justiz 3 Millionen für die Prozessbegleitung von betroffenen Frauen.

Für den Ausbau der Männerberatung will man 4 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Gewalt an Frauen kein Migrationsthema

Der Sozialminister Österreichs weist darauf hin, dass Männer aller sozialen Schichten gewalttätig sind. Es sei eben kein Phänomen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Tatsächlich ist Häusliche Gewalt, die Männer verursachen, eine Thema von Männern.

Gefahr mangelnder dauerhafter Aufmerksamkeit

Ein wesentliches Problem beim Umgang mit Häuslicher Gewalt problematisiert die Justizminsterin. Ähnlich wie in Deutschland gibt es offenbar immer wieder ein Aufflammen des öffentlichen Interesses, welches schnell wieder abebbt.

Interessanter Weise spricht sie von einem Kreislauf, der durchbrochen werden müsste. Dies gilt auch für den Gewaltkreislauf.

Runder Tisch in Österreich und Opferarbeit vs Täterarbeit

Auch Österreich investiert zwar in die Täterarbeit, doch der Schwerpunkt liegt im Reagieren anstatt im Agieren. Die meisten Täter haben keine Idee, ob und wie sie ihr Gewaltverhalten beenden können. Und doch wollen die meisten Täter ihre Partnerinnen oder Ehefrauen nicht schlagen.

Die Aufklärung für Täter soll nun mithilfe einer Kampagne forciert werden. Doch eine Kampagne ist hier deutlich zu wenig Engagement seitens der Politik.

Runder Tisch nach Frauenmorden in Österreich und Tropfen auf den heißen Stein

Am Ende des Artikels heißt es:

Und FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker bezeichnete das Ergebnis des heutigen Runden Tisches mit 24,6 Millionen Euro als „Tropfen auf den heißen Stein“, da Gewaltschutzeinrichtungen von notwendigen 228 Millionen Euro sprechen.

https://www.sn.at/panorama/oesterreich/25-millionen-zusaetzlich-fuer-gewaltschutz-nach-frauenmorden-103701391

Um viel mehr als den berühmten Tropfen kann es sich beim Ergebnis des runden Tisches nicht handeln. Die Ansätze sind dennoch durchaus sinnvoll. Besonders hinsichtlich des juristischen Umgangs mit (potentiellen) Tätern ist Österreich mindestens einen Schritt weiter als Deutschland, so mein Eindruck.

Dennoch wird eines missachtet. Häusliche Gewalt braucht permanente Aufmerksamkeit; und zwar in der Öffentlichkeit. Doch diese ist nicht so ohne weiteres dauerhaft herzustellen.

Hinzu kommt, dass sich auch in der Arbeit mit Tätern zu viele mangelhaft ausgebildete Mitmenschen ausprobieren können. Dies beginnt bereits mit der Benennung von Angeboten. Denn eine Antiaggressionstraining kann kein Angebot gegen Gewaltverhalten sein.

Selbstverständlich sind die zusätzlichen Millionen besser als nichts. Doch wenn man berücksichtigt, dass die Lufthansa 9 Milliarden bekommen hat, läßt sich die zusätzliche Förderung entsprechend einordnen.

10% der geforderten Summe sind einfach viel zu wenig.

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