Freiwillige Täterarbeit

Freiwillige Täterarbeit wird vielerorts angeboten und sie wird von Tätern auch genutzt.

Warum ist Freiwillige Täterarbeit so wichtig?

Verantwortungsabgabe perfektioniert

Männliche Täter können eines sehr gut, nämlich ihre Verantwortung abgeben. Nein, das drücke ich zu schwach aus. Männliche Täter haben es perfektioniert, ihre Verantwortung für ihr Gewaltverhalten ab zu geben.

Das bedeutet, dass sie es aus dem effeff beherrschen, entweder ihre Opfer oder äußere Umstände für die Häusliche Gewalt, die sie mit jeder Tat erzeugen, verantwortlich zu machen.

Tätern gelingt es sogar, die allgemeine Öffentlichkeit und die Justiz davon zu überzeugen, dass ihre Opfer ihren Teil zu ihrem Gewaltverhalten beitragen.

Häusliche Gewalt - Opfer provozieren Täter
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Täterarbeit per Auflage spielt Tätern in die Hände

Tätern wird von Gerichten immer wieder auferlegt, ein Täterprogramm zu absolvieren. Für die Teilnahme wird den Tätern eine mildere Strafe oder auch der Umgang mit den eigenen Kindern in Aussicht gestellt.

Das ist gut für die Täter, denn sie brauchen damit lediglich an den jeweiligen Programmen teilnehmen. Verändern müssen sie sich selbst allerdings nicht. Selbstverständlich schließt dies nicht aus, dass sich der ein oder andere Teilnehmer tatsächlich verändert.

Die Kontrolle bzgl. der regelmäßigen Teilnahme obliegt allerdings dem Durchführer des Programms. Damit ist der Täter seine Verantwortung wieder einmal los geworden.

Eine Auseinandersetzung mit sich selbst, den Gründen für sein Gewaltverhalten bleibt eher dem Zufall überlassen.

Wenige Täter nehmen freiwillig eine Beratung in Anspruch

Der Einwand ist selbstverständlich, dass nur wenige Täter die freiwillige Täterarbeit in Anspruch nehmen. Die Ursache hierfür ist, dass das Gewaltverhalten für Täter vermeintlich funktioniert.

Darüber hinaus gelingt es betroffenen Frauen nur selten, die eigenen Grenzen im nachhinein wieder herzustellen. Sie werden zu Kontakten mit dem Täter gezwungen, weil dies angeblich gut für ihre Kinder ist. 80% der Verfahren wegen Häuslicher Gewalt werden in Deutschland eingestellt.

Dass Häusliche Gewalt nicht nur auf dem Papier eine Straftat ist, erleben Täter selten.

Warum wird Freiwillige Täterarbeit in der Öffentlichkeit kaum erwähnt?

Täter sind Monster

So lautet ein immer noch kursierender Mythos über Täter.

Häusliche Gewalt - Täter sind Monster
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Dass es Täter gibt, die ihrerseits in Not sind und lediglich das passende Angebot zur Unterstützung benötigen, ist damit in der Öffentlichkeit kaum vorstellbar.

Täter wollen Macht ausüben

Ein weitere Mythos läßt vermuten, dass jeder Täter einen ausgeklügelten Plan haben und anhand dieses Plans ihr Gewaltverhalten durchführen.

Häusliche Gewalt - Täter wollen Macht ausüben
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Warum sollte ein Mensch mit einem derart verwerflichen Plan Unterstützungsbedarf haben?

Täter sind krank

Auch kursiert die Idee, dass Täter generell krank sind und in die Psychiatrie gehören oder eine anderweitige ärztliche Behandlung benötigen.

Häusliche Gewalt - Täter sind krank
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Täterarbeit, und das auf freiwilliger Basis, ist auf diesem Hintergrund überhaupt nicht sinnvoll, oder?

Diese Mythen dienen einem Zweck. Dieser Zweck beinhaltet, die Ohnmacht, die Häusliche Gewalt nicht nur bei den betroffenen Opfern auslöst, zu beseitigen.

Mythen bieten vermeintliche Erklärungen für das Gewaltverhalten gegen Ehefrauen, Partnerinnen und Kinder*, die nur der jeweilige Täter kennt, wenn sie ihm auch nicht bewußt sind.

Fazit

Für wirkliche Veränderungsprozesse ist es für Täter notwendig, dass die Öffentlichkeit über qualifizierte Angebote der freiwilligen Täterarbeit umfassend informiert.

Freiwillige Täterarbeit und nur diese bietet Tätern einen Raum, in dem sie ohne Anpassungspflicht in den Spiegel schauen können.

Eine Datenbank über Angebote der freiwilligen Täterarbeit und eine regionale Öffentlichkeitsarbeit über Fernsehen, Radio und andere Kanäle ist dringend geboten.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 78 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.