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Warum schlagen männliche Täter immer wieder zu?

Warum männliche Täter immer wieder zuschlagen

Warum männliche Täter immer wieder zu schlagen, beschäftigt nicht nur die Opfer Häuslicher Gewalt. Auch die meisten männlichen Täter haben keine Ahnung, warum es ihnen nicht gelingt, ihr Gewaltverhalten gegen ihre Partnerinnen oder Ehefrauen und/oder Kinder zu beenden.

Im folgenden werde ich diese Frage ausführlich beantworten.

Der Gewaltkreislauf und die Täter

Jedem, der sich aus welchen Gründen auch immer näher mit dem Phänomen Häusliche Gewalt beschäftigt, wird irgendwann auf den Gewaltkreislauf stoßen. Zum Gewaltkreislauf von Joachim Lempert habe ich eine Artikelserie gestartet, in der noch einige Artikel erscheinen werden.

In aller Kürze sei hier zum Gewaltkreislauf gesagt, dass dieser wichtige Meilensteine auf dem Weg des Täters zu seiner nächsten Tat benennt. Wesentlich ist im Gewaltkreislauf die Verantwortungsabgabe des Täters für sein Gewaltverhalten an sein Opfer. Die Folge ist, dass der Täter nach ca. 3/4 seines Weges im Gewaltkreislauf ohne Verantwortungübernahme ist. Und ohne Verantwortungsübernahme kann es ihm nicht gelingen, sein Gewaltverhalten zu beenden.

Täter entpersonalisieren ihre Partnerin oder Ehefrau

Es stellt sich selbstverständlich erst einmal die Frage, wie männliche Täter überhaupt in der Lage sind, ihre Partnerin oder Ehefrau zu schlagen. Wenn sie sich dazu entschließen, zuzuschlagen, haben sie ihre Pertnerin oder Ehefrau längst entpersonalisiert. Das bedeutet, dass diese in ihrer Wahrnehmung nicht mehr ihre Partnerinnen oder Ehefrauen sind. Sie nehmen diese auch nicht mehr als verletztliche Person wahr, die sie lieben.

Häusliche Gewalt ist immer wieder nur ein Ausrutscher

Jeder Täter schlägt eines Tages das erste Mal zu. Die meisten Täter sind der festen Überzeugung, sie würden ihre Partnerin nur dieses eine Mal schlagen, weil es sich aufgrund der Umstände um einen unangenehmen Ausrutscher handelte.

Weil sie dies annehmen, haben sie keine Veranlassung, sich näher und ausgiebiger mit ihrem ersten körperlichen Übergriff zu beschäftigen. Der erste Übergriff spielt als Ausrutscher bald keine Rolle mehr und Täter und Opfer sprechen auch nicht wieder über dieses Fehlverhalten.

Männliche Täter schaffen das alleine

Männer, die ihre Partnerinnen schlagen, sind sich zunächst sicher, wenn sie die ersten Male übergriffig werden, dass sie es allein schaffen werden, nicht mehr zuzuschlagen. Im Laufe der Zeit müssen sie eigentlich erkennen, dass ihnen dies allein nicht gelingen kann und wird.

Doch sie sind oder wollen Männer sein. Und ‘richtige’ Männer regeln alles selbst ohne Hilfe oder Unterstützung von außen. Die notwendige Unterstützung von außen holen sie deshalb nicht ein und entscheiden sich immer wieder, ihre Partnerin oder Ehefrau zu schlagen.

Männliche Täter und Selbstabwertung

Wenn männliche Täter zuschlagen befinden sie sich (erneut) am Anfang ihres Gewaltkreislaufes. Zu ihrem Erleben nach ihrem Übergriff gehört auch, dass sich bei ihnen unangenehme Gefühle einstellen. Um diese nicht erleben zu müssen, beginnen sie immer wieder, sich selbst abzuwerten.

Ihre Selbstabwertung umfasst ihre gesamte Person. Deshalb sind sie immer weniger in der Lage, mit ihrem Gewaltverhalten in irgendeiner Form offen umzugehen. Der Gang zu einem externen Dritten erscheint ihnen damit immer schwieriger. Und sie entscheiden sich entweder dauerhaft oder sehr, sehr lange, dagegen.

Männliche Täter schlagen ohne Verantwortung zu

Wir können unser Verhalten nur verändern, wenn wir dafür auch die Verantwortung haben.

Männliche Täter entledigen sich ihrer Verantwortung, indem sie diese auch an die Opfer abgeben. Damit sind ihnen die Hände gebunden, sodass sie ohnmächtig werden. Ohnmacht ist für männliche Täter immer auch ein Grund, zuzuschlagen, damit sie Kontrolle zurückgewinnen.

Mit ihrer eigenen Abgabe ihrer Verantwortung machen sie sich selbst ohnmächtig. Damit verleiten sie sich, auf dem Hintergrund ihres Umgangs mit ihren vornehmlich unangenehmen Gefühlen, selbst zu ihrem nächsten Gewaltverhalten ihrer Partnerin oder Ehefrau gegenüber.

Männliche Täter schlagen aus mehreren Gründen immer wieder zu

Männliche Täter verhalten sich innerhalb ihres Gewaltkreislaufs. Es gibt mehrere Gründe, warum es ihnen nicht gelingt, aus diesem auszusteigen, sodass sie immer wieder zuschlagen.

Die Entpersonalisierung ihrer Opfer, die Bewertung eines Übergriffs als Ausrutscher ohne eigene Verantwortung sowie der auferlegte Zwang zum richtigen Mannsein und die eigene Selbstabwertung sind Faktoren.

Darüber schwebt sozusagen der eigene Umgang mit Gefühlen, die sich einstellen und von Tätern nicht gelebt werden (können).

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