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Häusliche Gewalt verharmlosen

Häusliche Gewalt zu verharmlosen ist weit verbreitet. Es stellt sich die Frage, warum das so ist. Die ausgerutschte Hand findet sich immer wieder in Artikeln.

In dem verlinkten Artikel werden im übrigen zudem Behauptungen aufgestellt, die fragwürdig sind. Doch hier soll es um die Verharmlosung von Gewaltverhalten gehen.

Häusliche Gewalt passiert?

Obwohl es klar ist, sei es hier gesagt. Häusliche Gewalt wird zu einem Phänomen, wenn sich jemand aus der Familie einem anderen Familienmitglied gegenüber gewalttätig verhält. Wenn der Ehemann seine Frau schlägt, erzeugt dieser Häusliche Gewalt. Schlägt die Mutter ihren Sohn, erzeugt sie Häusliche Gewalt. Wenn der Onkel seine Nichte schlägt, ist er für Häusliche Gewalt verantwortlich.

1. Gewaltverhalten verharmlosen

Es ist wichtig, Gewaltverhalten zu differenzieren. Täter schlagen entweder das erste Mal zu oder zum wiederholten Male. Wenn Täter das erste Mal zuschlagen, sind sie im allgemeinen extrem überrascht, schockiert und entsetzt.

Denn für sie war es nicht vorstellbar, dass sie zuschlagen könnten. Gleichzeitig wissen sie, dass sie eine Straftat begehen.

Täter beginnen nach ihrer ersten Tat damit, ihre Überraschung, Schockiertheit und ihr Entserzen zu beseitigen. Diese Gefühle stehen ihnen dann nicht mehr zur Verfügung. Sie sind deshalb daran gehindert, ihre eigene Verantwortung anerkennen. Andernfalss würden sie sich Unterstützung organisieren. Sie würden anerkennen, dass ihre Entscheidung zum Zuschlagen mit ihnen selbst zu tun hat.

Damit würden sie direkt aus dem Gewaltkreislauf aussteigen und hätten die Möglichkeit, aktiv weitere Übergriffe zu vermeiden.

Gewaltverhalten und enge Beziehung

In unserer Gesellschaft hält sich leider die Auffassung, dass Gewaltverhalten und enge Zuneigung einander ausschließen. Das Gegenteil ist der Fall. Besonders in engen Beziehungen schlagen Täter zu.

Wenn eine Mutter ihrem Kind* einen Klaps auf den Po gibt, steckt in dieser Formulierung bereits eine Verharmlosung. Jeder Mutter sollte klar sein, dass sie damit ein persönliches Problem offenbart.

Häusliche Gewalt entschuldbar?

Doch nicht nur im verlinkten Artikel wird vermittelt, dass Gewaltverhalten entschuldbar ist.

Dies ist nicht der Fall.

Eine Entschuldigung beinhaltet einen weiteren Schritt im Gewaltkreislauf. Von einer Entschuldigung ist aus diesem Grund dringend abzuraten. Denn sie beinhaltet ebenfalls eine Verharmlosung des Übergriffs. Doch es ist natürlich viel einfacher, davon auszugehen, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handelt.

Täter glauben, sie machen es sich selbst einfacher, wenn sie sich nach ihrer ersten Tat entschuldigen. Dies ist ein tragischer Trugschluss.

2. Gewaltverhalten verharmlosen?

Nach der 2. Gewalttat, einem Schlag in den Bauch oder einem Schubsen, einer Ohrfeige oder einem Klaps auf den Po des Sohnes oder der Tochter, ist es eigentlich nicht mehr möglich, die Häusliche Gewalt zu verharmlosen.

Und dennoch kommen Täter genau damit durch. Sie lügen sich selbst in die Tasche. Und Täter muten ihren Opfern ein Leben in Ohnmacht, Angst und Verunsicherung zu.

Opfer nehmen Entschuldigungen aufgrund ihrer Ohnmacht an. Sie sind nicht in der Lage, die Verantwortung bei ihrem Ehemann, Partner, ihrem Vater oder ihrer Mutter zu belassen.

Täter werden zu Opfern der Umstände. Zu viel Arbeit, Stress auf der Arbeit, Alkohol, Drogen oder Spielsucht, Schulden etc. werden zu den ‚Auslösern‘ des Gewaltverhaltens auserkoren.

Die weitere Verharmlosung des eigenen Gewaltverhaltens dient dem aufrecht erhalten eines Bildes (Auszug):

  1. Ich bin kein Schläger
  2. Ich bin eine gute Mutter
  3. Ich bin ein guter Mensch
  4. Ich bin ein richtiger Mann
  5. Ich bin kein Monster

Dabei handelt es sich entweder um die Ansprüche an die eigene Person oder um gesellschaftliche Stigmata. Diesen wollen Täter im besonderen Maße entsprechen oder sich distanzieren.

Fazit

Artikel, die Tätern raten, sich zu entschuldigen, sind fatal. Denn sie animieren dazu, im Gewaltkreislauf den nächsten Schritt zu machen.

Verharmlosung von Gewaltverhalten dient der Beseitigung von unangenehmen Gefühlen.

Verharmlosung von Gewaltverhalten macht die nächste Gewalttat wahrscheinlich. Mit ihr geht das Verschwenden von Zeit für mögliche Veränderungen einher.

Post Author: Michael Ueberschaer

Diplom Sozialpädagoge (Uni)
Gewaltberater (GHM)
Gewaltpädagoge (GHM)

Erfahrungen in der Begleitung von Jugendlichen, psychisch erkrankten Menschen, der Beratung von Tätern und Täterinnen, der Einzelberatung und in der Paarberatung.
Unsere Beziehungsgestaltung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen beeinflußt unsere Lebensqualität.

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