Männer und Gefühle – Kosten für alle

Obwohl ich über Männer und Gefühle bereits viel auf Aufklärung tut Not geschrieben habe, gibt es nun einen Anlass, dies erneut zu tun.

Über einen Freund bin ich auf die Sendung 3 nach 9 am 13.05.2022 aufmerksam geworden. Dort kam ein Männerberater zu Wort, der ein Buch veröffentlicht hat. Das Buch heißt:

Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats

Es sei gleich gesagt, dass ich hier kein Review des Buches schreiben werde. Denn ich habe das Buch, welches am 9.05.2022 veröffentlicht wurde, (noch) nicht gelesen.

Männer kosten viel Geld

Es mutet zunächst fragwürdig an, das Männer daraufhin in den Fokus geraten, was sie kosten. Doch in der Sendung 3 nach 9 erzählt der Autor von seiner Motivation, über die Kosten eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen.

So wird denn beispielsweise darüber gesprochen, dass Männer pro Jahr 3,02 Milliarden Euro mehr als Frauen durch ihre Gefängnisaufenthalte verursachen.

Ohne große Schwierigkeiten bin ich auf eine Statistik gestoßen, die dieses Phänomen für den Jugendstrafvollzug bestätigt.

Ein wesentlicher Ansatz des Autors, das ungesunde ‚Wirken‘ von Männern deutlich zu machen, ist, die vielen recht eindeutigen Statistiken öffentlicher zu machen.

Das mache ich nun mit der Statistik der Strafgefangenen im Jugendvollzug:

Statistik: Anzahl der Strafgefangenen und Verwahrten im Jugendstrafvollzug (geschlossener und offener Vollzug) in Deutschland nach Geschlecht und Alter am 31. März 2021 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

6242 Insassen – Davon nur 2,88 % weiblich

6062 männliche Jugendliche oder Männer

180 weibliche Jugendliche oder Frauen

2,88 % sind demnach weibliche Jugendliche oder Frauen.

Hier zeichnet sich deutlich das Phänomen ab, dass bereits viele männliche Jugendliche keine angemessenen Lösungen finden, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Oder anders gesagt scheinen sie an der doppelten Herausforderung, Erwachsener und Mann zu werden bzw. zu sein, zu scheitern.

Bereits im Jugendalter und bei den jungen Heranwachsenden sind fast 97% der Insassen männlich.

Männer und Krisen und ihre Gefühle

Es ist wichtig, bei solch sensiblen Themen der Gesellschaft genau zu sein. Deshalb weise ich hier ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Männer einen sehr destruktiven Umgang mit ihren Gefühlen hegen und pflegen.

Und es sind viele Männer, die genau das tun. Es heißt, Männer können nicht über ihre Gefühle sprechen und nicht mit ihren Gefühlen umgehen. Das eine trifft auf viele Männer zu. Das andere entspricht nur halb dem, was wirklich ist.

Denn wir haben grundsätzlich keine Wahl. Gefühle fragen nicht, ob wir mit ihnen umgehen wollen. Sie stellen sich ein, ob wir dies wollen oder nicht. Demzufolge müssen wir mit Gefühlen umgehen.

Andauernde Krise mit Überforderung

Besonders Männer nehmen an, dass die meisten Gefühle ihr Mannsein gefährden. Also setzen sie alles daran, die vermeintlich negativen Gefühle nicht zu haben. Dadurch erzeugen sie für sich eine dauerhafte Krise. Obwohl sie dies kaum merken, sind viele Männer allein dadurch bereits andauernd überfordert.

Denn der notwendige Aufwand für das Beseitigen ihrer Gefühle ist enorm und dauerhaft nicht aufzubringen.

Die andauernde Krise zeigt sich auch, weil Männer ihre Gefühle schlichtweg nicht mehr merken. Sie haben keinen Zugriff auf ihre Gefühle, weil sie ihre persönlichen Techniken über Jahre perfektioniert haben. Die abgewerten Gefühle drängen ständig an die Oberfläche und wollen gelebt werden. Sie brauchen Raum, den ihnen Männer nur selten gewähren.

Besonders im Kontakt mit ihrer Partnerin oder Ehefrau werden Männer mit Gefühlen konfrontiert, die ihr Mannsein gefährden. In ihrer Partnerschaft oder Ehe haben diese Gefühle oft eine große Energie. Der Aufwand für Männer wird größer, diese Gefühle zu beseitigen.

Krisenverschärfendes Verhalten verursacht die Kosten

Exemplarisch sei erwähnt, dass Männer beim Konsum harter Drogen laut Autor des Buches weit vorne liegen. Es liegt auf der Hand, dass dies Kosten verursacht.

Doch die Kosten entstehen vielmehr im persönlichen Bereich und innerhalb von Partnerschaft, Ehen und Familien. Denn Männer beleidigen ihre Partnerinnen oder Ehefrauen. Sie erzeugen Häusliche Gewalt und/oder töten im Extremfall ihre Partnerinnen oder Ehefrauen und/oder Kinder.

Männer lehnen ihre Gefühle ab

Damit lehnen sie auch sich selbst ab, denn ihre Gefühle oder ihre Gefühlswelt sind Teil ihrer Persönlichkeit.

Männer nehmen an, dass sie für ihre Identität als Mann die meisten Gefühle nicht haben dürfen. Das hat nicht nur etwas mit Stereotypen zu tun. Und es hat schon gar nichts mit dem Patriachat zu tun. Deshalb halte ich den Untertitel des Buches für verfehlt.

Nein! Männer kommen da hin, weil sie in ihrer Kindheit einen Mangel erfahren. Sie erhalten nur wenig Hinweise, welche Gefühle ein Mann haben und wie sich ein Mann verhalten darf. Deshalb konstruieren sie sich im Extremfall ein Bild vom Mannsein als das komplette Gegenteil von Weiblichkeit.

Dieses Verhalten verursacht Kosten, allerdings nicht nur im materiellen Sinne, sondern viel mehr im zwischenmenschlichen und psychischen Bereich.

Das Buch Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats soll ein Weckruf sein. Dieser Weckruf ist dringend erforderlich.

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