Wie mit Gefühlen umgehen?

Mit Gefühlen umgehen zu können ist eine wichtige Kompetenz. Denn wir benötigen sie für unsere Lebensgestaltung und zur Gestaltung von Kontakt in unseren Beziehungen.

Es ist weit verbreitet, Gefühle mit offensichtlichen und verborgenen Techniken zu beseitigen. Das ist keine gute Idee, denn die Folgen sind nicht nur hinsichtlich Deiner Gesundheit schädlich.

Wie ich bereits in meinem Artikel zum Thema Häusliche Gewalt und Gefühle gesagt habe, ist es wichtig, Gefühle nicht zu bewerten.

In diesem Artikel geht es um die Frage, was anstatt dessen sinnvoll ist.

Phänomene durch Mitmenschen erzeugen Gefühle

Als erstes ist es für Dich wichtig zu begreifen, dass Deine Mitmenschen entweder durch ihr Verhalten oder ihre Aussagen Phänomene erzeugen. Diese Phänomene ihrerseits verursachen bei Dir Gefühle, sodass Du mit diesen Gefühlen umgehen musst.

Ein Beispiel:

Du bist mit Deinem besten Freund verabredet. Ihr wollt Euch in eurer Lieblingskneipe treffen und ihr habt euch für 19.30 Uhr verabredet. Da ihr euch lange nicht gesehen habt, bist Du aufgeregt und freust Dich auf euer Wiedersehen.

Du triffst um 19.25 Uhr in der Kneipe ein und findest erfreulicher Weise einen freien Tisch. Da Dein Freund immer pünktlich ist, orderst Du für euch beide jeweils das bevorzugte Getränk.

Um 19.45 Uhr ist Dein Freund allerdings noch nicht da. Durch die außergewöhnliche Verspätung Deines Freundes bist Du mit einem Phänomen konfrontiert; und somit automatisch auch mit unangenehmen Gefühlen.

Originäre Gefühle zulassen ist nicht notwendig

Folgende originäre Gefühle könnten sich aufgrund dieses Phänomens bei Dir einstellen (Auszug):

  • Erstaunen
  • Irritation
  • Überraschung
  • Verwunderung
  • Verunsicherung
  • Enttäuschung

Erstaunen oder Überraschung wären originäre, also passende Gefühle, denn Du hast noch nicht die Erfahrung gemacht, dass sich Dein Freund verspätet. Verunsicherung oder Verwunderung könnte sich aufgrund dessen ebenfalls bei Dir einstellen. Vielleicht bist Du aber auch enttäuscht, weil Dein Freund noch nicht da ist und Du Dich auf ein Wiedersehen freust.

Je nachdem wie Du in dieser beispielhaften Situation aufgestellt bist, wird sich bei Dir ein Gefühl oder mehrere Gefühle einstellen. Dazu musst Du nichts weiter beitragen. Gefühle kommen einfach, wenn Du sie nicht aktiv beseitigst.

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung musst Du diese Gefühle nicht zulassen, damit Du sie merkst. Wenn die Gefühle sich einstellen, sind sie da. Du musst also nicht etwas tun, sondern etwas lassen.

Aktive Beseitigung von Gefühlen vermeiden

Wenn Du keine der von mir beschriebenen verborgenen Techniken startest, wirst Du mindestens eines der Gefühle oder vielleicht auch ein anders Gefühl bei Dir merken. Das heißt, dass Du mit Gefühlen dahingehend umgehen musst, diese nicht mit einer der Techniken, die ich beschrieben habe, zu beseitigen. Es ist wichtig zu begreifen, dass einer aktiven Beseitigung Deiner Gefühle Deine Entscheidung zugrunde liegt, dies zu tun.

Du solltest also in einer ähnlichen Situation mindestens erstaunt, irritiert oder überrascht sein und dies auch merken. Und auf das Merken kommt es an.

Wenn Du nichts merkst, also weder überrascht, erstaunt oder irritiert bist, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Du Deine Gefühle aktiv beseitigst.

Dann halte inne und frage Dich, was bei Dir jetzt ist. Frage Dich, was sich bei Dir einstellt. Nimm Dir Zeit, Dich selbst wahrzunehmen. Eventuell musst Du dies auch üben.

Andererseits ist es nicht verpflichtend, dass Du erstaunt, irritiert oder überrascht bist. Vielleicht bist Du bei einer viertel Stunde Verspätung auch immer noch aufgeregt und freust Dich, Deinen Freund wiederzusehen.

Keine derivaten Gefühle produzieren

Es ist grundsätzlich wichtig, bei Dir zu bleiben, Dich nicht zu fragen, warum Dein Freund zu spät kommt, denn dann bist Du bereits dabei, zu spekulieren und Dich von Dir selbst zu entfernen.

Wenn Du dich von Dir selbst entfernst und spekulierst, kann es sein, dass Du folgende derivate Gefühle bei Dir erzeugst:

  • Sorge
  • Angst
  • Ärger

Aufgrund des Umstands, dass Dein Freund ein verläßlicher Mensch ist, wäre Deine Sorge bei einer Verspätung von 15 Minuten vermeintlich durchaus passend.

Wenn Du Dir Sorgen machst, bist Du allerdings höchstwahrscheinlich mit der Idee beschäftigst, dass Deinem Freund etwas zugestoßen sein könnte. Wenn dies der Fall ist, wärst Du bereits dabei, ein derivates Gefühl zu produzieren, indem Du spekulierst und dabei in Gedanken zu Deinem Freund wechselst. Deine Sorge würdest Du Dir also selbst auferlegen und damit Deine passenden, orginären Gefühle beiseite schieben.

Auch wenn Du Angst bekommst oder ärgerlich wirst, würdest Du von Deinen originären Gefühlen ablenken. Ärger produzierst Du in solchen Situationen vorzugsweise, wenn Du ein Mann bist.

Obwohl sich Ärger situationsbedingt auch als passendes Gefühl einstellen kann, neigen wir dazu, Ärger in vielen Situationen zu produzieren.

Gefühlen Raum geben

Nehmen wir also an, dass sich bei Dir in dieser Situation Überraschung einstellt. Dann geht es darum, dass Gefühl zu merken und diesem Gefühl Raum zu geben. Da Gefühle auch körperlich merkbar sind, bedeutet Raum geben auch, dem Gefühl zu erlauben, sich in Deinem Körper auszubreiten.

Wenn Du bisher gewisse unangenehme Gefühle beseitigt hast, wirst Du üben müssen, in Dich hinein zu horchen. Vermeide die von mir beschriebenen Techniken. Wenn Du diese schon lange anwendest, wirst Du daran arbeiten müssen, dies nicht mehr zu tun. Denn hast Du eine der Techniken perfektioniert, wirst Du kaum mitbekommen, dass sich ein Gefühl einstellt.

Du kannst Dir auch im Stillen sagen Ich bin überrascht oder Ich bin enttäuscht, wenn Du zum Beispiel doch enttäuscht bist. So gibst Du Deinem Gefühl ebenfalls Raum.

Wenn es dir gelingt, ein Gefühl zu merken und ihm Raum zu geben, wird es abhängig von seiner Energie größer werden und nach einer gewissen Zeit, Sekunden, Minuten oder Tagen wieder kleiner und dann verschwinden. dafür mußt Du nichts weiter tun.

Eventuell kannst Du auf dem Hintergrund Deines Gefühl eine Handlung vollziehen; zum Beispiel Deinen Freund anrufen und ihm sagen, dass Du überrascht bist, weil er noch nicht da ist.

Fazit – Wie mit Gefühlen umgehen

Es geht nicht darum, Gefühle zuzulassen, sondern darum, sie nicht zu beseitigen. Daran zu arbeiten, die eingeübten Techniken nicht mehr einzusetzen, ist der erste Schritt für einen gesunden Umgang mit Deinen Gefühlen.

Da Du diese Techniken über die Jahre eingeübt hast, brauchst Du Zeit, sie nicht mehr zu nutzen. Je eher Du Gefühlen Raum gibst desto eher können Sie sich entfalten und sich auflösen.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 70 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Memüs.  

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