Eltern in der Leistungsgesellschaft

Eltern erziehen Kinder in einer nie dagewesenen Leistungsgesellschaft. Die Folgen sind massiv, für die Kinder und vor allem für die Eltern.

Die Rahmenbedingungen in der deutschen Gesellschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten andauernd verschärft. Eltern sind nicht nur veränderten Bedingungen hinsichtlich Erziehung ausgesetzt. Auch im Bildungsbereich sind die Veränderungen enorm, sodass nicht nur Du als Elternteil stöhnst, sondern Deine Kinder und Lehrer ebenfalls.

In diesem Artikel werfe ich einen kurzen Blick auf die Veränderungen in der Leistungsgesellschaft und die direkten oder indirekten Folgen auf Deine Elternschaft.

Leistungsgesellschaft

Als ich für diesen Artikel recherchiert habe, musste ich feststellen, dass eine Leistungsgesellschaft laut Definition gar nicht das ist, was ich mir darunter vorstelle.

Was ist eine Leistungsgesellschaft?

Der Duden gibt darauf eine Antwort:

Gesellschaft (1), in der vor allem die persönlichen Leistungen (2a) des Einzelnen für seine soziale Stellung, sein Ansehen, seinen Erfolg usw. ausschlaggebend sind

https://www.duden.de/rechtschreibung/Leistungsgesellschaft

Ich verbinde mit einer Leistungsgesellschaft etwas völlig anderes. Vielleicht wurde dieser Begriff anhand gewisser Annahmen oder Vorstellungen so definiert. Wir alle wissen, dass heute der Begriff der Leistung in eine erhebliche Schieflage geraten ist.

Leistungsgesellschaft und Folgen

Für mich ist eine Leistungsgesellschaft eine Gesellschaft, in der verlangt wird, Anforderungen jeder Art ohne sie zu hinterfragen zu entsprechen. In einer solchen Leistungsgesellschaft müssen sich auch Eltern, also Du als Mutter oder als Vater zurecht finden. Die Veränderungen hinsichtlich Erziehung hängen unter anderem mit den Veränderungen in unserer Leistungsgesellschaft zusammen.

Veränderungen für Deine Elternschaft

Leistungsgesellschaft und veränderter Arbeitsmarkt

Die Faktoren für einen veränderten Arbeitsmarkt und eine Marktwirtschaft, die in Deutschland nicht mehr sozial ist, sind vielfältig.

Hartz VI erzeugt Druck

Die Rahmenbedingungen bei Hartz VI sind zwar durch ein Grundsatzurteil abgemildert, das macht Hartz VI allerdings kaum weniger Druck erzeugend.

Zeitarbeit drückt Löhne

Durch die Agenda 2010 sind Zeitarbeitsfirmen in Hülle und Fülle möglich gemacht worden. Diese dürfen sich aufführen wie sie wollen. Einhalt wird ihnen kaum geboten.

Die Folge ist, dass viele Mitmenschen mit unteridischen Löhnen zurecht kommen müssen.

Überstunden fressen Zeit und Planbarkeit

Arbeitgeber setzen heute voraus, dass man als gewillter Arbeitnehmer Überstunden in Kauf nimmt. Eine Bezahlung von Überstunden ist aber selbst verbeamteten Lehrern, Polizisten oder Feuerwehrmännern nicht mehr so ohne weiteres vergönnt.

Für Eltern bedeutet dies, dass sie weniger Zeit für ihre Kinder und weniger Zeit für ihre Partnerschaft* zur Verfügung haben. Außerdem nehmen sie dem Alltag die Planbarkeit, wenn sie spontan eingefordert werden.

Flexibilität frisst Zeit und Nerven

Pendeln in der Leistungsgesellschaft

Durch die Globalisierung ist Flexibilität eines der Unwörter unserer Zeit. Arbeitswege von 2 Stunden und mehr sind heute für Arbeitnehmer ‚fast‘ selbstverständlich. Dadurch geht vielen Müttern und hauptsächlich für Väter viel Zeit verloren, sodass sie diese nicht mehr für ihre Familie erübrigen können. Mütter sind dadurch wieder vermehrt, auch wenn sie nicht alleinerziehend sind, mit der Kindererziehung auf sich allein gestellt. Pendler, die mit dem Auto unterwegs sind (sein müssen), lassen ihre Nerven auf den Straßen Deutschlands.

Ständige Erreichbarkeit

Es ist heute völlig normal, dass Arbeitgeber auch außerhalb der Arbeitszeit Informationen, die zur Kenntnis genommen werden müssen, per mail oder anderen Kanälen an ihre Arbeitnehmer verschicken.

Privatleben* verschwimmt zunehmend und muss dem Arbeitsleben untergeordnet werden.

Für Eltern bedeutete dies, dass die Zeiten für Erholung und das Herstellen von Abstand zur Tätigkeit immer seltener werden.

Privatisierung zur Leistungsgesellschaft

Die Privatiserung hat nicht nur die Dienstleistungen Post und Telefon/Internet, sondern auch Krankenhäuser und Pflegeheime jedweder Art erfasst. Die Folgen sind hier geringere Löhne und Dienstleistungssektoren, die diesen Namen nicht verdient haben.

Daraus ergibt sich für uns, dass wir mehr Aufwand betreiben müssen, damit uns der Alltag nicht gänzlich aus dem Ruder läuft.

Werteverfall in der Leistungsgesellschaft

Folge alldessen ist ein massiver Werteverfall, dem wir alle ausgesetzt sind. Du als Mutter oder Vater musst unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen zunehmend mehr herausfinden, was für Deine Kinder gut oder schlecht ist. Welche Erziehungshandlungen heute von der Gesellschaft als angemessen anerkannt werden, ist so unklar wie nie.

Daraus entstehen eine unzählige Menge an Fragen, die Du als Elternteil in unserer Leistungsgesellschaft beantworten musst (Auszug):

  • Was beutet Erziehung?
  • Was bedeutet fordern?
  • Wie und wie sehr muss ich fordern?
  • Was bedeutet fördern?
  • Muss ich mein Kind fördern?
  • Wie fördere ich meine Kinder* richtig?
  • Darf sich mein Kind langweilen?
  • Soll ich mein Kind auf die Ganztagsschule* schicken?
  • Sollte mein Kind unbedingt auf’s Gymnasium gehen?
  • Muss mein Kind zwingend studieren?

Fazit

Nicht nur, dass Eltern in der Leistungsgesellschaft bei paralleler Tätigkeit als Angestellter mit neuen Anforderungen zurecht kommen müssen und sie deshalb ihrer Zeit für die Erziehung ihrer Kinder beraubt werden.

Zusätzlich hat Deutschland eine nicht endenwollende Diskussion rund um die Aufgaben von Eltern und die Ausrichtung von Erziehung* erfasst. Klare Antworten liefert die Gesellschaft konsequenter weise nicht.

Im Gegenteil erfindet sie regelmäßig neuerliche Anforderungen für Eltern.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich blogge zu den Themen Beziehung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Häusliche Gewalt und Kommunikation. Bis jetzt habe ich 55 Artikel veröffentlicht, wobei Häusliche Gewalt noch im Vordergrund steht. Zu den Themen Beziehung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Häusliche Gewalt und Kommunikation findest Du bereits Leitsartikel im oberen Menü.  

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