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Darf ich nein sagen in der Erziehung?

Manche Eltern fragen sich offensichtlich, ob sie bei der Erziehung ihrer Kinder auch mal Nein sagen dürfen. Das ist aus meiner Sicht bemerkenswwert, denn das sollte doch eigentlich keine ernsthaft zu stellende Frage sein.

In diesem Artikel gehe ich der Frage nach, warum sich Eltern diese Frage stellen.

Nein sagen in der Erziehung und die Folgen

Die Frage Darf ich nein sagen in der Erziehung impliziert, dass es problemtisch sein könnte, zu euren Töchtern oder Söhnen Nein zu sagen. Es ist also wichtig, heraus zu bekommen, welche Folgen ein Nein haben könnte.

Ein Nein als Antwort ist theoretisch immer dann möglich oder auch sinnvoll, wenn eure Kinder etwas von euch haben möchten. Das kann eure Aufmerksamkeit sein, die Erlaubnis für irgendetwas oder etwas Materielles.

Weil eure Kinder älter werden, ändern sich auch deren Bedürfnisse. Diese können sie klar formulieren, wenn sie sprechen können; also etwa mit 1 1/2 – 2 Jahren.

Nein sagen bei möglichen Wünschen Eurer Kinder

Abends vorlesen in der Erziehung

Das abendliche Vorlesen ist Qualitätszeit für eure Beziehung zu euren Kindern. Ob eure Kinder einen Bedarf aus sich selbst heraus formulieren, ist fraglich. Wenn ihr allerdings dieses Ritual aus guten Gründen eingeführt habt, dann stellt sich die Frage, ob ihr es auch einmal unterlassen könnt.

Was ist, wenn es euch als Eltern nicht gut geht, ihr Kopfschmerzen habt oder anderweitig indisponiert seid? Oder wenn ihr schlichtweg keine Lust habt? Dürft ihr dann Nein sagen?

Es gibt diverse Argumente dagegen (Auszug):

  • Euer schlechtes Gewissen hinterher
  • Unterbrechung der Routine
  • Ein Abend ohne Qualitätszeit zwischen euch und euren Kindern
  • Ein Abend ohne Beziehungszeit für eure Kinder
  • Enttäuschung bei Euren Kindern

Gibt es auch Argumente dafür, Nein zu sagen?

Wenn ihr euch auf eure Kinder ausrichtet, dann wird es schwer, Argumente dafür zu finden. Es sei denn, ihr möchtet, dass eure Kinder euch als Personen wahrnehmen, die auch mal nicht gut drauf sind, überfordert sind, nicht immer funktionieren können oder wollen.

Doch warum sollten eure Kinder euch so erleben? Wir leben doch in einer Leistungsgesellschaft?

Etwas Süßes im Supermarkt

Es handelt sich wohl um einen wenig begeisternden Klassiker. Kinder wollen, was sie zu Gesicht bekommen. Die Verlockungen im Supermarkt sind gross; besonders vor und an der Kasse im Supermarkt.

Dürft ihr Nein sagen, wenn eure Tochter oder euer Sohn mal wieder etwas Süßes möchte? Diese Frage impliziert etwas?

Es könnte aus irgendeinem Grund falsch sein, der eigenen Tochter oder dem eigenen Sohn einen Wunsch nicht zu erfüllen. Da gibt es Strömungen, die ein Nein in diesem Zusammenhang vielleicht als Übergriff begreifen; eine Bevormundung, die das Kindswohl gefährdet. Da werden Begriffe wie Macht und Machtmissbrauch ins Spiel gebracht und Eltern verleitet, ihren Kindern immer jeden Wunsch zu erfüllen.

Nun ist die Kasse im Supermarkt regelmäßig der Ort für kleine Dramen. Wer hat nicht bereits die Auseinandersetzungen zwischen Tochter oder Sohn mit der Mutter beobachten dürfen oder müssen. Im Extremfall werfen sich die Kinder auf den Boden, weil sie verzweifelt oder enttäuscht sind oder werden.

Ernährung in der Erziehung

An der Supermarktkasse nicht Nein zu sagen, kann solche Szenen vermeiden. Allerdings ist selbstverständlich die Folge, dass Söhne und Töchter beim nächsten Mal wieder etwas möchten. Da Eltern jedoch irgendwie auch eine Verantwortung für die Ernährung ihrer Kinder übernehmen sollten, wird’s irgendwie haarig.

Die Ernährunsdocs haben einmal darauf hingewiesen, dass unser Ernährungsverhalten in den ersten 2 Jahren geprägt wird. Für diese Prägung sind Eltern alleinverantwortlich.

Enttäuschen kann eine Mutter oder ein Vater sein Kind im übrigen nur, wenn sie oder er etwas in Aussicht gestellt hat. Es ist also durchaus relevant, mit welcher Prämisse ihr als Eltern mit euren Kindern den Supermarkt aufsucht. Dennoch bleibt die Frage, ob eure Töchter und Söhne diese Enttäuschung, ob mit oder ohne Versprechen, erleben sollten.

Ist es besser, Kindern bei ihrer Ernährung unter die Arme zu greifen oder ihnen Enttäuschungen vorzuenthalten? Die gesellschaftlichen Auffassungen sind hier schon lange nicht mehr eindeutig.

Eine Spielkonsole für Kinder

Spielkonsolen für Kinder gibt es reichlich. Über die Beweggründe von Herstellern, diese Geräte anzubieten habe ich bereits in meiner Artikelreihe zu digitalen Medien geschrieben.

Es ist also gängig, dass Kinder Spielkonsolen in die Hände bekommen. Ich sage es auch hier noch einmal deutlich. Spielkonsolen gehören nicht in die Hände von Kindern.

Und dennoch werdet ihr sehr wahrscheinlich irgendwann gefragt, ob eine Spielkonsole möglich wäre. Ein Nein aus meiner Sicht zwingend, mag für euch als Eltern dennoch schwierig sein.

Denn ist gängig. Das habe ich bereits gesagt. Viele Kinder daddeln an diesen Geräten herum. Eltern sind stolz, weil die Kleinen bereits im Alter von 2 oder 4 Jahren mit diesen Geräten hantieren können.

Und viel wichtiger ist doch, Kinder so früh wie möglich an diese Geräte heranzuführen. Also warum nicht mit einer Spielkonsole? Das ist doch nicht schlimm. Alle machen es so und viele wollen es so.

Meine Haltung ist nicht nur hinsichtlich Spielkonsolen für Kinder klar. Doch die Gesellschaft drängt uns in die sogenannte ‘digitale Welt‘, oder versucht es zumindest.

Ein Haustier – Katze oder Hund

In der Pandemie wurden offensichtlich viele Haustieren angeschafft. Meine Frau und ich selbst durften 16 Jahre mit einem Kater zusammenleben. Ich möchte die vielen herzlichen und auch lustigen Momente nicht missen.

Doch es steckt bereits in meiner Erinnerung. Unser Kater wurde zeimlich alt und ein Kater möchte fressen, ein sauberes Katzenklo und wird irgendwann auch mehr oder weniger gebrechlich und braucht einen Tierarzt.

Wenn eure Kinder also ein Haustier, eine Katze oder einen Hund, einen Hamster oder einen Wellensittich wollen, könnt ihr dann als Eltern auch Nein sagen?

Da wäre sie wieder. Diese Enttäuschung, weil ein Wunsch nicht in Erfüllung geht.

Doch was ist mit euch, wenn zum Beispiel auf einmal ein Hund im Haus ist. Wer schafft das Futter heran? Von wem bekommt das Lebewesen genügend Auslauf? Wer fährt mit dem Tier zur Tierarztpraxis, wenn es notwendig erscheint. Wer kümmert sich im Urlaub? Diese Fragen sind zu stellen, oder?

Ein Smartphone für Kinder

Kinder bekommen in immer jüngeren Jahren ein Smartphone. Also wird die Frage nach einem Smartphone auf euch Eltern zukommen. Könnt ihr Nein sagen oder grenzt ihr eure Kinder damit aus? Nehmt ihr ihnen die Möglichkeit, dieses Medium kennen zu lernen und werden sie deshalb abgehängt?

Eine schwierige Frage entfaltet hier ihre Tragweite für eure Erziehung in einer Zeit, in der der Distanzunterricht wohl noch länger eine Option bleibt.

Das Smartphone ist ein Business Werkzeug. Ständige Erreichbarkeit und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten sind die Argumente dieser Zeit. Doch sollten Kinder nicht Kinder sein dürfen, nicht busy sein, sondern einfach Kinder sein ohne ständige Erreichbarkeit?

Nein sagen und Gefühle in der Erziehung

Gefühle spielen bei der Frage ums Nein sagen in der Erziehung unübersehbar eine entscheidende Rolle. Dabei kommen eure Gefühle eher nicht vor. Kinder sind schließlich unsere Zukunft, die Zukunft der älteren Generation, der Gesellschaft und vor allem der Wirtschaft in Deutschland.

Ein Nein sollte mit einem guten Grund ausgesprochen werden. Dies setzt allerdings eine Haltung zu den Themen, die ich angerissen habe, voraus.

  • Muss ich als Mutter oder Vater immer funktionieren?
  • Darf ich meinem Kind einen Wunsch nicht erfüllen?
  • Möchte ich als Elternteil Einfluß auf die Ernährung meines Sohnes oder meiner Tochter nehmen?
  • Soll mein Kind 2D oder 3D erfahren?
  • Soll mein Kind Kind sein dürfen?

All diese Fragen und viele weitere Fragen stehen im Raum und wollen beantwortet werden. Diese zu beantworten, ist heute so schwierig wie nie, denn jeder Hinz und Kunz verbrät hierzu seine Meinung. Eine Meinung ist allerdings kein Wissen.

Je mehr ihr als Eltern irgendwelchen Meinungen folgt desto größer wird eure Verunsicherung sein oder werden. Je mehr ihr als Eltern irgendwelchen Vorgaben von außen folgt desto weniger werdet ihr in eurer Erziehung bei euren eigenen Vorstellungen bleiben können.

Euer Nein in der Erziehung

Nein zum Vorlesen

Vorlesen ist eine gute Sache. Lesen ist auch eine gute Sache, denn damit fordern wir unser Gehirn.

Wenn ihr einmal indisponiert seid, deligiert das Vorlesen entweder an euren Partner oder gewährt eurer Tochter oder eurem Sohn die Erfahrung, dass ihr ein Mensch seid und auch überfordert, müde oder lustlos sein könnt!

Nein im Supermarkt

Eure Haltung zu Süßigkeiten solltet ihr nicht vor Ort überprüfen und klären. Sollen eure Kinder grundsätzlich Süßigkeiten essen dürfen? Wann und wieviel? Klar ist wohl, je weniger desto besser.

Nein zur Spielkonsole

Es kann bequem sein, Kindern eine Spielkonsole in die Hand zu drücken.

Wollt ihr, dass eure Tochter oder euer Sohn bereits im frühen Alter passiv konsumiert? Ich rate nochmals dringend davon ab.

Nein zum Haustier

Die Verantwortung für ein Haustier können Kinder selten übernehmen. Wollt ihr überhaupt ein Tier haben?

Ich habe die Anwesenheit unseres Katers genossen. Mit seinem zunehmendem Alter wurde es immer schwieriger und war mit unangenehmen Gefühlen verbunden. Ein Haustier macht Arbeit. Habt ihr Kapazitäten?

Nein zum Smartphone

Das Smartphone wird durch seinen Zugang zum Internet eine unkontrollierbare Content Schleuder. Wollt ihr, dass eure Kinder zugemüllt werden?

Ich rate dringend davon ab, Kindern unter 12 Jahren ein solches Gerät zur Verfügung zu stellen; besser erst mit 14, am besten erst mit 16 Jahren.

Nein sagen ist wichtig. Dabei geht es oft um den Schutz von Kindern und eine gesunde und aktive Entwicklung. Die Frage nach dem Nein sagen ist für Eltern relevant, weil sie das eigene Handeln immer als Erziehung begreifen. Das Handeln von Eltern ist allerdings auch Ausdruck ihrer Person, ihrer Persönlichkeit und ihrer Werte.

Kinder können ihre Mutter oder ihren Vater nur dann als Person erleben, wenn deren Handlungen nicht stereotyp in Gang gesetzt werden.

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