Warum ist Medienkompetenz wichtig?

Es ist eine Behauptung, dass Medienkompetenz wichtig ist. Diese Behauptung findet sich auf diversen Seiten im Internet, unter anderem bei Kindergesundheit-info.de. Doch die Behauptung geht einen Schritt weiter. Zum Erwerb von Medienkompetenz müssen Kinder so früh wie möglich an digitale Medien herangeführt und begleitet werden.

Ich habe bereits eine Artikelserie zu digitalen Medien gestartet. Da ich den Begriff der Medienkompetenz speziell bezogen auf Kinder schon immer merkwürdig fand, gehe ich dieser doppelten Behauptung in meinem Artikel nach.

Was meint Medienkompetenz?

Fähigkeit einer Person, Medien sinnvoll zu nutzen

https://www.duden.de/rechtschreibung/Medienkompetenz

Wenn man also über Medienkompetenz verfügt, kann man Medien sinnvoll nutzen. Doch was bedeutet in diesem Zusammenhang sinnvoll?

Wichtige Unterscheidung zwischen Wissen, Fachwissen und Meinung

Inhalte im Internet bilden Wissen, Fachwissen, Einschätzungen, Meinungen, Kommentare, Werbung, Bewertungen und mehr ab.

Manchmal, und das sollte Standard sein, sind Artikel im Internet als Kommentar ausgewiesen. Es wird damit deutlich, dass es sich bei dem Geschriebenen um ein subjektive Meinung handelt.

Doch auch als Fachartikel ausgewiesene Veröffentlichungen verfolgen oft wirtschaftliche Interessen. Ein Beispiel findest Du auf meiner Seite zu Spielkonsolen.

Wichtige Kompetenz mit 10 Jahren

Um hier kompetent unterscheiden zu können, brauchen wir Lesekompetenz. Diese haben Kinder* normaler Weise mit Abschluss der 4. Klasse, also mit 10 Jahren, erworben.

Hersteller von digitalen Endgeräten und Software oder APP’s wissen darum und betreiben viel Aufwand, um Spielkonsolen oder auch Tablets kindgerecht zu gestalten. Deshalb gibt es heute Spielkonsolen und Tablets für Kinder.

Medienkompetenz und die Alterseignung

Kinder können nicht einschätzen, ob Inhalte, welcher Art auch immer, für sie geeignet sind. Es fällt also Dir als Mutter oder Vater zu, einzuschätzen, welche Inhalte und zu allererst welche Geräte für Deine Tochter oder Deinen Sohn geeignet sind.

Wie gesagt: Hersteller konzipieren Geräte und ‚kindgerechte‘ Software. Dabei sind sie selbstverständlich daran interessiert, Hürden der Nutzung auszuschalten, z.B. durch Ions, um für digitale Medien den Markt zu vergrößern.

Auf der Seite Chancen der Mediennutzung für Kinder heißt es:

Die meisten Kinder lieben und nutzen die modernen Medien. Unterhaltung und Lernen gehen dabei oft Hand in Hand.

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/mediennutzung/medien-chancen/

Auf der Seite zu Medien steht bei Kindergesundheit-Info.de:

Medien wie Fernsehen, Radio, Computer und Handy gehören heute selbstverständlich zum Familienalltag und damit auch zum Leben unserer Kinder dazu.

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/

Bei dieser Seite handelt es sich schlussendlich um eine Informationsseite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Natürlich ‚lieben‘ Kinder moderne Medien, denn sie locken mit entsprechenden Inhalten. Auf dieser Seite geht es per Domain um die Gesundheit* Deines Kindes. Es ist schon bedenklich, dass ein solch unkritischer Satz vom Bildungsministerium für Gesundheit kommt.

Auch die Aussage, dass Medien wie selbstverständlich zum Familienalltag gehören, ist für Dich als Elternteil ’so richtig hilfreich‘. Es soll also nicht mehr um die Frage gehen, ob digitale Medien für 4, 8 oder 12 Jahre alte Kinder sinnvoll sind.

Du bist verleitet, den allgemein gültigen Aussagen zu folgen. Die gängigen Aussagen schließen nahezu aus, dass Du als Mutter oder Vater einfach entscheidest, dass Deine Kinder erst mit 10 oder 12 Jahren überhaupt irgendein Gerät nutzen dürfen. Auch die Diskussion zur digitalen Bildung* wird es Dir in Zuhunft schwieriger machen, unanhängig zu entscheiden.

Deine Medienkompetenz ist wichtig

Tatsächlich bist also Du als Mutter oder Vater gefordert, Dich selbt medienkompetent zu machen. Doch willst Du das überhaupt?

Denn sich mit allen Geräten auszukennen kommt einer Mammutaufgabe gleich. Nutzt Du selbst eine Spielkonsole, kennst Du Dich mit dieser eher aus. Du solltest dann allerdings auch in der Lage sein, zu merken, welche Wirkung das Spielen an der Konsole hat.

Dein Medienkonsum und Deine Haltung ist wichtig

Dein eigener Medienkonsum ist hinsichtlich Deiner Bereitschaft, Dich medienkompetent zu machen, von nicht unerheblicher Bedeutung.

Wieviel Zeit verbringst Du am Tag durchschnittlich mit digitalen Medien?

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Doch Vorsicht. Digitale Medien zu nutzen beinhaltet nicht automatisch, sich mit den verschiedenen Medien wirklich auszukennen. Bist Du insgesamt digitalen Medien gegenüber eher unkritisch eingestellt, wirst Du Deinen Kindern diese mit ziemlicher Sicherheit (zu) früh zur Verfügung stellen.

Kennst Du Dich zum Beispiel mit einem Smartphone soweit aus, dass Du Deinem 8-Jährigen Sohn ruhigen Gewissens ein Smartphone zur Verfügung stellen kannst?

Problematisch ist, dass Kinder heute nur zu oft als kleine Erwachsene behandelt werden (sollen).

Deshalb wird Kindern heute auch zugetraut, mit 7 Jahren zu begreifen, was ein digitales Medium ist. Tatsächlich kann dies auch ein 9-jähriges Kind nicht.
Aufgrund dieser Annahme oder besser gesagt Behauptung, die nicht fachlich ist, bist Du quasi gezwungen, Deinem Sohn oder Deiner Tochter diese Geräte zu kaufen. Bist Du eher kritisch, stehst Du vor der Entscheidung, entgegen der Mehrheit, Dein Kind vor einer zu frühen Nutzung zu schützen.

Medienkompetenz, ich sage lieber, einen gesunden Abstand zu digitalen Medien, sollte Dein Kind haben. Doch der Weg dahin ist steinig und wenig populär.

Inzwischen gibt es reichlich neue Forschungsergebnisse, die Manfred Spitzer in seinen Büchern Digitale Demenz* und Die Smartphone-Epidemie* präsentiert.

Fazit

Medienkompetenz ist in mehrfacher Hinsicht wichtig.

Doch hinsichtlich der Medienkompetenz Deines Sohnes oder Deiner Tochter ist zunächst Deine eigene Medienkompetenz wichtig.

Du mußt entscheiden, ob Du Dein Kind entspannt als Kind aufwachsen läßt oder ihm Inhalte präsentierst, die selbst Erwachsene in der Mehrheit kaum verarbeiten können.

Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin Sozialpädagoge, Gewaltberater und Paarberater. Ich blogge zu den Kernthemen Beziehung und Kommunikation sowie den Unterthemen Bildung, Erziehung, Gesundheit und Häusliche Gewalt. Bis jetzt habe ich 78 Artikel veröffentlicht. Bezüglich der Kernthemen und Unterthemen findest Du Links zu den Leitartikeln in den beiden oberen Menüs.  

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