Mainstream der Medienpädagogik

Den Begriff Mainstream hatte ich bis vor kurzem nicht mit der Medienpädagogik in Verbindung gebracht. Das änderte sich erst, als ich auf einen Vortrag stieß, der sich mit der Digitalisierung der Bildung beschäftigt. Inzwischen hat die Mehrheit der Gesellschaft folgende Kröte geschluckt:

Kinder wachsen mit digitalen Medien auf und müssen deshalb so früh wie irgend geht an diese heran geführt werden.

In diesem Artikel erkläre ich, warum ich den Begriff Mainstream der Medienpädagogik für sehr treffend und die Medienpädagogik an sich für eine Hilfswissenschaft der IT Branche halte.

Smartphone und die Ignorierung der Kindheit

Das Smartphone steht an vordester Front der Hardware (Geräte), die digitale stoffliche Medien ausmacht. Es ist omnipräsent. Jüngst war ich am Osterdeich in Bremen unterwegs, um die Einführungsveranstaltung von LaStrada zu erleben. Sehr viele Besucher zückten das Smartphone, um …….ja ….. was eigentlich zu tun?

Darüber könnte ich und möchte ich nicht spekulieren.

Was ist Medienpädagogik?

Die Medienpädagogik ist eine Teildisziplin der Erziehungswissenschaften. Dieser Behautung kann man folgen.

Doch wenn folgendes die Medienpädagogik trefflich beschreibt, dann wird es haarig:

Die Medienpädagogik …..geht von der Annahme aus, dass das Verhältnis des Menschen zur Welt in modernen Gesellschaften größtenteils durch Medien vermittelt ist und pädagogisches Handeln heute nur mehr als ein Handeln in einer durch Medien geprägten Welt gedacht werden kann.

https://lexikon.stangl.eu/832/medienpaedagogik

Denn demnach erklärt sich die medienpädagogische und dadurch gesellschaftliche Haltung, dass Kinder heute wie selbstverständlich mit digitalen Medien aufwachsen.

Doch die Medienpädagogik scheint damit einem gravierenden Fehler aufgesessen zu sein. Denn sie blendet aus, dass die alten Medien wie Radion, Fernseher, Buch oder Zeitung aus sich selbst heraus nur einen begrenzten Zugang zu Inhalten ermöglichen.

SMART TV, Spielkonsole, Tablet, Notebook, PC und Smartphone ermöglichen den zunächst ungebremsten Zugang zu diversen Inhalten über das Internet. Zudem liefern diese Endgeräte ihre Inhalte zweidimensional aus.

Gänzlich ausgeblendet wird, dass digitale Medien auch eine gewisse Art der Kommunikation mit anderen Personen ermöglichen. Das Radio, der analoge Fernseher, das herkämmliche Buch oder die ausgedruckte Zeitung können das nicht.

Und einen weiteren wesentlichen Umstand blendet die Medienpädagogik wohl vollends aus und deshalb halte ich den Begriff des Mainstreams in der Medienpädagogik für mehr als zutreffend. Denn dieser nimmt all jene Medienpädagogen in den Fokus, die folgendes nicht sehen wollen:

Diese Geräte heben die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre auf, sie ist aber ein Garant für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung. Die Digitalisierung hat damit eine neue Sozialisationsbedingung geschaffen. Unsere Kinder wachsen in einer Demokratie unter den Bedingungen einer neuen Art von Totalüberwachung auf, Harald Welzer nennt dies eine smarte Diktatur. Alles, was der einzelne Nutzer im Netz kommuniziert, jeder GoogleKlick, jeder FacebookEintrag wird gespeichert, um Personenprofile digitale Zwillinge zu erstellen.

https://www.gew-bw.de/fileadmin/media/sonstige_downloads/bw/Kreise/Boeblingen/Info/GEW_BB_Digit_Bildung_170621.pdf

Digitale Bildung und IT-Branche und Medienpädagogik

Superwanzen Smartphone und Tablet

Der verlinkte Vortrag sagt, was der Mainstream der Medienpädagogik geflissentlich ausblendet. Smartphone und Tablet sind Superwanzen, die, als Lernmittel eingesetzt, bereits Grundschüler gläsern machen.

BigData und digitale Bildung

Obwohl es auf der Hand liegt, blendet der Mainstream der Medienpädagogik auch aus, dass digitale Bildung darauf abziehlt, Schüler zu konditionieren. Digitale Bildung löst Lehrer als unterrichtende(r) Gegenüber ab. Digitale Bildung soll Schüler konditionieren und damit die humanistische Bildung abschaffen.

Absurdität als Scheinargument für die Medienpädagogik

Zugegeben ist das folgende Zitat aus dem Vortrag sehr zugespitzt. Doch es zeigt auf, wie unkritisch die Aussagen der IT-Branche von vielen sogenannten Fachleuten übernommen werden, indem sie irgendetwas von früher Heranführung an die digitalen Medien faseln; sorry für die Formulierung.

Niemand käme auf die Idee, dass 8-jährige schon den Autoführerschein machen sollen, damit sie früh genug die Technik lernen, oder dass sie ans Alkohol Trinken gewöhnt werden, um trinkfeste Kunden der Schnaps- und Weinbranche zu werden. Aber für das Smartphone, das an die Nutzer komplexeste Anforderungen der Informationsverarbeitung stellt, dafür soll das Kind schon reif sein? „Die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist, die menschliche Psyche im Umgang mit digitalen Geräten zu retten“, schreibt der IT – Prof. Alexander Markowetz in seinem Buch „Digitaler Burnout“

https://www.gew-bw.de/fileadmin/media/sonstige_downloads/bw/Kreise/Boeblingen/Info/GEW_BB_Digit_Bildung_170621.pdf

Bertelsmann und Co und Mainstream Medienpädagogik

Im Vortrag wird auch darauf hingewiesen, dass die Technikriesen wie Microsoft, SAP oder auch die Telekom das Bundeswissenschaftsministerium beraten, während Kinderärzte oder Neurowissenschaftler außen vor bleiben.

Die Medienpädagogik und ihre ‚Jünger‘ haben die Pille geschluckt. Die Auswirkungen auf künftige Generationen werden wohl fatal sein, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt. Der von mir mehrfach erwähnte Vortrag sollte Dir als Mutter oder Vater eindrücklich vor Augen führen, welcher Beeinflussung Deine Tochter oder Dein Sohn zunehmend bereits in der Grundschule ausgesetzt wird oder werden wird.

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